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Ian Gordon: Gold und der zyklische Winter

30.01.2014  |  The Gold Report
Der Fed geht langsam die Munition für die Goldpreisdrückung aus, deswegen ist Ian Gordon, Gründer und Chef der Longwave Group, auch extremer Goldoptimist. In diesem Interview mit dem Gold Report erläutert er erneut seine Geschichte der Goldpreismanipulation und deren Folgen für die Weltwirtschaft. Er geht auch darauf ein, dass Junior-Explorationsunternehmen bei Entdeckungen insgesamt am effizientesten und kosteneffektivsten arbeiten.


The Gold Report: Gold zählte 2013 zur den schwächsten Vermögensanlagen. Inwieweit sind die Trading-Muster und die Kursentwicklung des letzten Jahres in Ihre Edelmetallprognosen für 2014 eingegangen?

Ian Gordon: Ich überaus optimistisch für den Goldpreis im Jahr 2014. Dieser Optimismus ist zum Teil auf meine Arbeit mit Zyklen zurückzuführen. Ich bin tatsächlich zuversichtlich, dass wir 2014 den Beginn des 4. langfristigen Zyklus für Edelmetalle und Edelmetallaktien erleben werden; diese bullische Zyklusphase dürfte mindestens 3 Jahre anhalten.

Die Edelmetall- und Edelmetallaktienkurse haben nach Erreichen des 2011er-Hochs schwer einstecken müssen. Das lag teilweise auch an der Kursmanipulation, die aus meiner Sicht an der COMEX stattgefunden hat. Die Manipulation der Goldkurse hat eine lange Tradition.

In den 1960ern wurde der London Gold Pool gegründet, mit dem Ziel den dollargekoppelten Goldkurs bei 35 $/ Unze halten zu können - der Grund waren Goldabflüsse aus den USA. Der London Gold Pool existierte nur 6 Jahre - schließlich ließ sich der Kurs aber durch nichts mehr bei 35 $/ oz halten. Das hatte dann zur Folge, dass die USA 1971 vom Goldstandard gehen mussten. In den 1970ern stieg der Goldpreis und erreicht 1980 dann 800 $. Um die steigenden Goldkurse zu bremsen verkauften der Internationale Währungsfonds und die USA Ende der 1970er schließlich Gold. 1999 erreichte Gold seine Talsohle bei 250 $/ oz, und rappelte sich wieder mit neuer Kraft auf.

Als die Goldkurse wieder stiegen, ließen sich Länder wie Kanada, Großbritannien und andere von den Vereinigten Staaten zum Verkauf ihrer physischen Goldbestände verleiten, mit denen die Preissteigerungen abgebremst werden sollten. Als diese offenkundigen Goldverkäufe die Kurse aber nicht bremsen konnten, gingen die Zentralbanken des Westens zum Gold-Verleih über. Die Fonds, die sich dieses Gold liehen, sollten mit dem Weiterverkauf die Kurse drücken. Damit war Schluss, als kein Gold zum Verleihen mehr übrig war - und die Tatsache, dass die USA nicht einmal 300 Tonnen an Gold an Deutschland zurückgeben können, ist womöglich ein weiteres Indiz dafür.

Die COMEX ist das Finanzschlachtfeld der USA im Krieg gegen Gold. Gold sank 2014 um 480 $; an nur zwei Tagen im April fiel es um 246 $ pro Unze - das war also mehr als die Hälfte der Gesamtverluste des Jahres 2013. Das Verhältnis zwischen Papiergold und physischem Gold liegt an der COMEX jetzt praktisch bei 100:1.

Wie es jetzt scheint, geht den USA die Munition für die Drückung der Goldkurse aus, die den Zweck hat, alle davon zu überzeugen, dass der Papierdollar besser ist als Gold. Das physische Gold fließt unterdessen nach Asien ab. Der Krieg wird 2014 zu Ende gehen. Und die Manipulation wird als solche aufgedeckt werden. Wenn das passiert, wird der Goldpreis drastisch ansteigen.


The Gold Report: Ist es eigentlich noch möglich, die vergangenen Kursentwicklungen zur Prognose zukünftiger Goldmarktentwicklungen heranzuziehen, oder stehen wir tatsächlich auf unerforschtem Gebiet?

Ian Gordon: Wenn Märkte manipuliert sind, sind natürlich auch Prognosen viel schwerer zu stellen. Nehmen wir den Aktienmarkt: Er wird durch massive monetäre Stimuli seitens der Zentralbanken in die Höhe getrieben, vor allem durch die Federal Reserve.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass die bestimmte Bullen- und Bärenmärkte während bestimmter “Jahreszeiten“ des großen Langwellenzyklus (longwave cycle seasons)vorkommen. Wir befinden uns jetzt im Winter des Langwellenzyklus, das ist die Zeit, in der die Schulden aus der Wirtschaft entfernt werden. Die Zentralbanken stemmen sich gegen diesen Prozess, und das schon seit dem Jahr 2000. In den Winterphasen der Langwelle befindet sich Gold in einem langfristigen Bullenmarkt und Aktien sollten in einem langfristigen Bärenmarkt stecken.

Wir sind praktisch seit 2000 in einem langfristigen Bullenmarkt für Gold und Goldaktien. Der HUI Gold BUGS Index erreichte im Jahr 2000 bei 35,50 $ sein Tief; heute steht er bei knapp über 200 $. Der Goldpreis erreichte sein Tief bei 251 $/ oz und steht heute bei über 1.225 $/ oz. Diese großen Bullen- und Bärenmarktzyklen unterteilen sich wiederum in längerfristige und mittelfristige Zyklen. Längerfristige Zyklen dauern mindestens vier bis fünf Jahre an, und jeder große Bullen- oder Bärenmarktzyklus besteht aus viereinhalb dieser längerfristigen Zyklen. Ich habe an anderer Stelle darüber geschrieben, wie diese Zyklen zusammenhängen, das kann man auf meiner Webseite nachlesen.

Wir müssten aktuell im Kurstal am Ende des 3. längerfristigen Zyklus und am Beginn der aufsteigenden Phase des 4. längerfristigen Zyklus für Edelmetalle und Edelmetallaktien stecken. Im meiner Zyklenarbeit habe ich geschätzt, dass der Goldpreis in dieser bullischen Phase bis auf 3.300 $/ oz ansteigen müsste und der HUI-Index auf 990 $ - irgendwann Anfang 2017. Es wird natürlich nicht kerzengerade nach oben gehen, auf dem Weg dahin wird es Zwischenkorrekturen geben.


The Gold Report: Wird der Zerfall des Finanzsystem im Jahr 2014 beginnen?

Ian Gordon: Ich bin voll und ganz überzeugt, dass es dieses Jahr passieren wird. Unserer Arbeit mit den Zyklen zufolge stecken wir in einer Währungskrise. Sie ist der Krise, die es während des letzten Langwellenwinters gegeben hat, ganz ähnlich ist. Gemeint ist die Weltwährungskrise von 1931-1933. Ich glaube, dass wir dieses Jahr noch die Endphase von Weltwährungen erleben werden. Für den Euro und den Dollar wird es gefährlich.

Aus all dem wird sich ein neues globales Geldsystem entwickeln, ähnlich wie im Rahmen von Bretton Woods 1944. Das wird ein sehr schwieriger Prozess werden, weil die Menschen das Vertrauen in Fiat-Papierwährungen verlieren und sich Gold und Silber zuwenden werden.


The Gold Report: Manche sagen, dass diese apokalyptische Gold-Betrachtung dem Gold und den Goldaktien überhaupt nicht förderlich ist. Was meinen Sie dazu?

Ian Gordon: Das finde ich lächerlich. Die Welt steht vor einer beispiellosen monetären Krise der Fiat-Papierwährungen, die böse enden muss. Ich weiß, dass Gold während des Langwellenwinters steigt, so auch 1929, und auch davor - nach 1873. Der Goldpreis steigt, weil die Menschen dem Papiergeld nicht mehr trauen.

Das Papiergeld-Fiasko gerät außer Kontrolle. Frankreich und Italien sind Wackelkandidaten. Wenn sie zusammenbrechen, wird es unglaublich schwierig, den Euro als Währung noch funktionsfähig zu halten.

Ich bin überzeugt, dass der Goldbullenmarkt noch lange nicht vorbei ist, denn in Krisenzeiten wird Gold zum bevorzugten Geld. Wie schon gesagt, wir stehen vor einer Mammutkrise.




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