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Knappe Kredite

03.02.2014  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Es ist daher auch nicht überraschend, dass eine "Bekämpfung" einer deflationären Entwicklung bereits eingeleitet ist. So kauft die amerikanische Zentralbank (Fed) Anleihen im Kapitalmarkt auf.

Diese Käufe bezahlt sie mit der Ausgabe von neuem Geld. Das auf diesem Wege geschaffene neue Geld trägt dazu bei, die US-Dollar-Geldmenge insgesamt weiter ansteigen zu lassen.

In ähnlicher Weise handeln die Bank von Japan und die Bank von England. Auch sie sorgen durch ihre Ankaufspolitik von Anleihen für ein Anwachsen der umlaufenden Geldmenge.

Die wichtige Erkenntnis lautet: Im heutigen Geldsystem, in dem die Zentralbanken das Monopol der Geldproduktion innehaben, kann die Geldmenge im Grunde jederzeit im gewünschten Umfang ausgeweitet werden.

Es ist daher eine politische Entscheidung, ob die Geldmenge vor dem Schrumpfen bewahrt wird oder nicht. Die bislang verfolgten Geldpolitiken deuten daraufhin, dass eine Deflation wohl mit allen Mitteln verhindert werden soll.

Derzeit schrumpft der Bankensektor (verstanden als Bilanzsumme von Zentralbank und Geschäftsbanken) nur in Großbritannien und dem Euroraum. In allen anderen wächst er weiter an (siehe hierzu die Grafik auf der folgenden Seite).(1)

Es wäre wenig verwunderlich, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) bald der Politik der anderen Zentralbanken folgt. Es wird bereits diskutiert, ob nicht die EZB den Euro-Geschäftsbanken Teile ihrer Kredite abkaufen könnte.

Eine weitere Möglichkeit ist der Aufkauf von Staatsanleihen, durch die neues Geld geschaffen werden kann und - wie in den Vereinigten Staaten von Amerika auch - die Geldmenge am Schrumpfen gehindert wird.

"Problemlos" ist eine solche Politik natürlich nicht. Bei einem Rückzug der Geschäftsbanken aus der Kreditvergabe würden viele private Schuldner nur noch schwer oder gar nicht mehr Zugang zu Fremdmittelnhaben. Das wiederum könnte Wirtschaftsstörungen nach sich ziehen. Beispielsweise dürften Unternehmen Schwierigkeiten bekommen, notwendige Refinanzierungen von fällig werdenden Krediten sicherzustellen.

Zudem besteht die Gefahr, dass die Fähigkeit der Zentralbank, die Geldmenge auszudehnen, überstrapaziert wird. Sie ist besonders groß, wenn in einer höheren Inflation ein Instrument erblickt wird, um Schuldenlasten zu vermindern.

Nun hat die amerikanische Zentralbank (Fed) jedoch auf die geldpolitische "Bremse" getreten: Sie reduziert die monatlichen Ankäufe von Anleihen.

Ob daraus jedoch eine nachhaltige Abkehr von der Politik des billigen Geldes erwächst, ist keinesfalls sicher. Zumal die Möglichkeit besteht, dass die geldpolitische Bremswirkung unerwünschte Nebeneffekte nach sich zieht. Hierzu zählt eine weltweite Konjunkturverlangsamung, vor allem auch aufgrund einer (weiteren) Verknappung der Kredite, die dann wiederum eine Rückkehr zur ultralockeren Geldpolitik nahelegt.

Die Zentralbankpolitiken bleiben folglich eine Quelle erheblicher Unsicherheit und Schwankungsanfälligkeit für die Konjunkturen, aber natürlich auch für die Edelmetallmärkte.


Zentralbanken versuchen, eine Kontraktion des Bankensektors abzuwenden

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Quelle: Thomson Financial, eigene Berechnungen


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH



(1) Siehe hierzu auch unseren Degussa Marktreport vom 8. November 2013, S. 1 ff.



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