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Silber: Selbst die Treuesten der Treuen geraten ins Wanken!

29.04.2014  |  Silberjunge
Vergangenen Mittwoch freute ich mich, dass meinem Vortrag in Stuttgart veranstaltet von pro aurum über 170 Personen lauschten, denn in der jetzigen Zeit können wir mit Silber kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Seit April 2011 befindet sich mein Lieblingsmetall in einer Baisse und Investoren sind nun mal halt Herdentiere. Da kann ich noch so oft die Weisheit der Dakota-Indianer zitieren: "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom". Als ich 2011 im August und September bei Silberpreisen um die 40 US-Dollar bei drei Kundenveranstaltungen einer großen Volksbank in Süddeutschland sprach, waren insgesamt über 1000 Zuhörer zugegen.

Es ist völlig normal, dass die breiten Massen stets mit dem Strom schwimmen und eben nicht antizyklisch handeln. Aufgrund meiner vielen Vortragsreisen, Treffen mit Edelmetallfreunden und unzähligen Telefonaten in allerjüngster Zeit hat sich allerdings eine wichtige weitere Erkenntnis bei mir verfestigt: Selbst die Treuesten der Treuen (Silberfreunde) geraten ins Wanken, verzweifeln, verlieren ihre Lust am Nachkaufen, ihr Interesse an Berichten über die Lage und die Zukunft von Gold und Silber.

Da berichtet mir jemand, der sich bereits 2003 den Edelmetallen zuwendete: "Hätte ich doch lieber mehr in Immobilien gemacht. Ich werde zwar mein Gold und Silber nicht verkaufen, aber auch nichts neues erwerben. Es hat mich so enttäuscht in den letzten drei Jahren und es wirft keine Zinsen ab". Jemand anders sagte mir, er hätte seinen großen Silberschatz zu einem Teil beliehen und davon Kunstobjekte gekauft. Es zeigt mir, wie sehr doch die Streckfolter wirkt.

Wenn selbst diese langjährigen Edelmetallfreunde derart frustriert sind, wie soll es dann erst "dort draußen" aussehen? Die Menschen sind irritiert, enttäuscht, verstört und teilweise verzweifelt. Sie suchen nach Antworten und nach Orientierung.

Dass der eine Gesprächspartner sich wieder mehr seinen Immobilien zuwendet und Neuinvestments von Gold und Silber gerade jetzt nach den starken Rückgängen ausschließt, halte ich allein aus antizyklischer Sicht für einen Fehler. Nach den starken Preisanstiegen von jeglichen Kunstobjekten ist das Investment meines anderen geschätzten (!) Gesprächspartners sicher auch kein "antizyklischer Trade", sondern an "prozyklischem Kaufverhalten" nicht zu überbieten.

Die Chinesen haben den Kunstmarkt in den letzten Jahren getrieben wie die Japaner in der 2. Hälfte der 80er Jahre. An der Aktie des Auktionshauses Sotheby's können wir ablesen wie dies damals endete. Ja, diese Zeiten entmutigen die meisten Edelmetallinvestoren. Wenngleich ich auch nicht in Kunstobjekte investiere, bin ich froh, eigene vier Wände zu besitzen und damit nicht alles auf eine Karte zu setzen. Dies sollte man nämlich nie tun. Dennoch haben wir Gold- und Silberinvestoren allen Grund zur Zuversicht!

Ich habe in letzter Zeit unzählige Interviews gegeben und eine Reihe von Vorträgen gehalten. Gerade jetzt werbe ich unermüdlich dafür, antizyklische Chancen zu sehen. Wie schwer es ist, neue Mitstreiter zu gewinnen, zeigt mir nur, wie weit fortgeschritten die Streckfolter ist! Fakten zur gigantischen Geldillusion interessieren derzeit kaum Investoren.

Ein leitender Angestellter einer "früher ehrenwerten" Bank, die gegenwärtig in einem bekannten Finanzmagazin auf die Anklagebank gesetzt wurde, verstieg sich doch jetzt zu der Aussage: "Silber ist keine Vermögensanlage, sondern nur ein Geldgrab". Dass Gold und Silber seit Beginn der Rohstoffhausse im Oktober 2001 beide ungefähr 370 Prozent selbst bei den derzeitigen Preisen hinzugewinnen konnten, während der allgemeine alte CRB-Rohstoffindex nur auf 208 Prozent kommt und Platin mit einem Plus von 239 Prozent und Palladium von 153 Prozent ebenfalls nicht triumphieren konnten, wird gegenwärtig völlig ausgeblendet.

Gold und Silber leiden unter Flashcrashs, wie sie nur von starken Kräften des heutigen Geldsystems ausgelöst werden können mit dem Ziel, diese beiden Edelmetalle als Wertspeicher zu diskreditieren. Goldman Sachs gab kurz vor dem Goldpreisrutsch Mitte April 2013 publikumswirksam eine Goldverkaufs-, ja Goldleerverkaufsempfehlung. Die Mainstreammedien stürzten sich darauf. Haben Sie schon einmal ähnlich marktschreierisch Aufforderungen zum Verkauf von US-Aktien durch Goldman Sachs oder JP Morgan Chase vernommen? Natürlich nicht, sie würden auch einem Verrat an den nationalen Interessen der amerikanischen Supermacht gleichkommen.

So verwundert es auch nicht, dass die Aktienchefstrategen von Goldman Sachs, Abby Joseph Cohen am 5. Januar 2001 einen S&P500 von über 1650 Punkten erwartete. Damals stand der US-Aktienindex zur Erinnerung bei unter 1300 Dollar. Goldverkaufsempfehlungen der US-Banken sind hingegen gut für den Dollar und somit herzlich willkommen. Aber bevor wir Edelmetallinvestoren die Segel streichen und dafür an die nicht enden wollende Allmacht der Papiergeldkönige glauben, schauen wir ins doch einmal die Dauer der längsten Korrekturen des Silberpreises der vergangenen Jahrzehnte an:

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Quelle: Bloomberg, Silberjunge


Wenn wir die längste Streckfolter auf heute übertragen, müssten wir uns noch bis Anfang Februar 2015 gedulden. Aber dies ist die Lesart der Pessimisten. Es bedarf keiner Hellseherei, um zu erkennen, dass der größte Teil der Streckfolter selbst im schlimmsten Fall hinter uns liegt. Betrachten Sie bitte auch den folgenden abgebildeten Chart zu den globalen Einkaufsmanagerindizes überlagert mit dem Silberpreis.

Eines ist doch klar: Ich selbst bin immer dann (wie 2009/10) unglaublich optimistisch für Silber (und für Gold), wenn die Weltwirtschaft unter Dampf steht. Wir setzten 2009 und 2010 auf "Reflationierung" und nicht auf ein "Double Dip" der Weltwirtschaft, also eine Wiederholung der Rezession, ja sogar Depression von 2008. Obgleich die Industrie global im Januar und Februar 2010 mit über 56 sehr stark über der Expansionsschwelle von 50 lag, fiel der Silberpreis damals von 18,9 US$ am 11. Januar 2010 auf 14,64 US$ am 5. Februar 2010.

Damals ließ ich mich davon in keiner Weise beeindrucken und freute mich über eine erneute Nachkaufgelegenheit. Mitte 2012 dann lag der Wert des globalen Einkaufsmanagerindex für die Industrie mit 48,4 im Juli und 48,1 im August klar unter der Expansionsschwelle. Gleichwohl konnte das Silber von 27,53 US$ im Tagestief am 15. August 2012 auf 35,36 US$ am 1. Oktober 2012 "durchstarten". Es sind solche Entwicklungen, die uns klarmachen: Für Überraschungen ist Silber immer gut und selbst Mitte 2012 bei einem "miesen" weltwirtschaftlichem Umfeld.




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