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Interview mit James Turk: Gold, Dollar und Welt-Geld-Politik (Teil 1/2)

05.05.2014  |  James Turk
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Daily Bell: Wird Janet Yellen der Wirtschaft helfen können?

James Turk: Nur, wenn sie die Federal Reserve schließt und nur, wenn sie an einer Wiederherstellung des “konstitutionellen Dollars“ arbeitet - und die Aussichten, dass das passieren wird, liegen fast bei null.


Daily Bell: Wird die Fed das Geldangebot schrumpfen?

James Turk: Nicht in einer Million Jahren. Die Fed versteht sich auf eine Sache: Drucken, Drucken und nochmals Drucken. Deswegen hat der Dollar seit Gründung der Fed vor 100 Jahren auch so stark an Kaufkraft verloren. Die Fed versteht sich nur aufs Drucken - sie macht im Grunde auch nichts anderes als Pro-Dollar-Propaganda zu verbreiten und Dollars aus dem Nichts zu schöpfen. Diese Dollarschöpfung - ob nun gedruckt auf Papierzetteln oder festgehalten durch Bankkonteneinträge - führt immer zu mehr Inflation, und die schwächt und zerstört die Kaufkraft des Dollars.

Das Schreckliche daran ist, dass die Haushaltseinkommen nun schon seit Jahren nicht mehr mit dem inflationären Druck Schritt halten konnten - was wiederum nur heißt, dass der Lebensstandard sinkt. Und die Aussichten, dass sich das in Kürze wieder ändern wird, sind überhaupt nicht rosig, da sich der inflationäre Druck weiter aufstaut.


Daily Bell: Wie hoch wird die Arbeitslosenquote in den USA tatsächlich sein? Gehen Sie davon aus, dass sie wieder sinken wird?

James Turk: Ich halte mich an die Statistiken, die von John Williams auf ShadowStats.com berechnet werden; seine Arbeiten zeigen, dass die Arbeitslosenquote in den USA seit Anfang 2009 bei über 20% liegt. Leider wird es auch nicht besser, denn das Stellenwachstum liegt ungefähr mit dem Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung gleichauf; die Zahl der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten bleibt also riesig und problematisch.


Daily Bell: Gibt es irgendwas, was die Obama-Regierung zur Wirtschaftsförderung tun könnte, außer zu "reden"?

James Turk: Das ist eine gute Frage; für eine Antwort braucht es ein wenig Hintergrund. In der Wirtschaft gibt es im Grunde zwei Sektoren. Die werden normalerweise als der "öffentliche" und der “private“ Sektor bezeichnet, die passenderen Begriffe wären aber eigentlich Steuerfresser und Steuerzahler. Vermögen wird nur im Privatsektor geschaffen, das muss begriffen werden. Regierungen schaffen keine Vermögen; sie verteilen lediglich um, was sie in Form von Steuern vom vermögenschaffenden privaten Sektor einnehmen.

Die US-Wirtschaft steht nun vor dem Problem, dass die Steuerfresser inzwischen einen zu großen Teil der Gesamtwirtschaft ausmachen. Sie sind zu einer so großen Last geworden, dass die Steuerzahler sie nicht mehr schultern können. Dieses Ungleichgewicht ist unhaltbar und muss daher korrigiert werden. Es braucht eine massive Umstrukturierung der Wirtschaft, wobei auch die Rolle des Staates reduziert wird. Das wird am Ende ohnehin passieren, und dafür gibt es zwei mögliche Wege. Der eine chaotisch. Der andere geordnet, auf Grundlage von Regelungen, die wieder faire Bedingungen schaffen, damit die Bankrotteure keine Staatsbeihilfen bekommen, um sich über Wasser zu halten. Auf welchem Weg wir dahin kommen, weiß keiner; allerdings haben die Steuerfresser schon seit Jahrzehnten das Sagen.

Ich würde deshalb auch vermuten, dass sie solange plündern werden, bis der Dollar zusammenbricht - sprich, dass wir chaotischen Ereignissen entgegensehen. Auf den Punkt gebracht: Eine solide Wirtschaft braucht solides Geld. Die USA haben nichts von beiden.

Das Beste, was die Obama-Regierung oder jede andere Administration machen könnte: Sie sollte den Einfluss, die Ausbreitung und die Zielsetzungen der bundesstaatlichen Instanzen so zurückfahren, wie sie von den Architekten der Verfassung angedacht waren. Die Bundesregierung wird das natürlich nicht freiwillig tun, auch wenn mir bestimmte Vorstöße in letzter Zeit wieder Hoffnung gegeben haben. Einige Landesregierungen versuchen jetzt, die Befugnisse des Bundes auf jene 17 festgelegten Machbereiche zu beschränken, die ihnen laut Verfassung zugestanden wurden.


Daily Bell: Was halten Sie von ObamaCare? Wird das Programm mit Absicht so pannenhaft eingeführt, um am Ende ein Einzelzahlersystem entstehen zu lassen?

James Turk: Es ist nur ein weiteres Beispiel für staatliche Geld- und Zeitverschwendung. Eine Ausweitung des Bevormundungsstaates. Man geht davon aus, die Menschen seien nicht fähig, selbst Entscheidungen zu treffen. Wie alle staatlichen Programme gründet auch dieses auf der Annahme, dass es in dieser Welt etwas für lau gibt - obwohl jeder weiß, dass es nicht so ist. Die Probleme bei der Einführung sind typisch für die Arbeitsqualität des Staates, sie zeigen deutlich, welche Probleme auch die Abhängigkeit vom Staat bringt.

Wenn sich ein Unternehmen Pannen bei Produkteinführungen leistet, dann verliert es Einnahmen, es verliert dann vielleicht noch Geld und könnte letztendlich sogar Pleite gehen. Für staatliche Institutionen gibt es diese pragmatische Rechenschaftspflicht und Verantwortung aber nicht; Bürokraten geben ihre Fehler ja eh nur ganz selten zu, noch seltener werden sie für ihre Fehler gefeuert - und das ist ein weiterer Unterschied zu den Abläufen im Privatsektor. Es kann also kaum überraschen, dass staatlichen Instanzen wieder und wieder Misswirtschaft betreiben - ganz gleich bei welcher Aufgabe.


Daily Bell: Wie steht es um den Euro? Wird er weiter existieren? Wird sich die Europäische Union auflösen?

James Turk: Angesichts der ökonomischen Zwangslagen, in die ein großer Teil der europäischen Bevölkerung durch die Eurokratie in Brüssel gebracht wurde, ist es schon überraschend, dass sich die EU nicht schon aufgelöst hat. Mit den Europawahlen nächsten Monat dürften wir einen Hinweis darauf bekommen, wie die Aussichten für Europa sind. Es gibt erste Anzeichen darauf, dass die Euroskeptiker verschiedener Ländern einen großen Sieg erringen dürften, was wiederum innerhalb der EU einige Veränderungen anstoßen dürfte.

Hoffentlich werden solche Veränderungen friedlich verlaufen, doch angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der schlechten ökonomischen Aussichten in so vielen Teilen der EU - hier besonders innerhalb der Eurozone - kann ich mögliches Chaos und Bürgerunruhen nicht ausschließen; und das wäre noch schlimmer, als das, was bisher schon passiert ist.




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