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OECD Frühindikator - Zarte Ansätze einer Entspannung in der Ukraine - kein Raum für Euphorie

12.08.2014  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.3372 (07.52 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3368 im asiatischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 102.28. In der Folge notiert EUR-JPY bei 136.75 EUR-CHF oszilliert bei 1.2138.

Gestern standen die Frühindikatoren der OECD zur Veröffentlichung an:

Zeitliche Nähe fehlt diesem Indikator. Per Juni wurde der Index mit 100,5 Punkten ermittelt. Gleichzeitig kam es zu einer Revision der Daten von Dezember 2013 bis Mai 2015 von zuvor 100,6 auf 100,5 Punkte. Die kritischen Entwicklungen per Juli/August sind hier noch nicht berücksichtigt.

Der aktuelle Wert per Juni ist nicht kritisch, die Revision der letzten sechs Monate als auch die politischen Verwerfungen per Juli und August sind jedoch Vorzeichen, die die Möglichkeit einer sportlicheren Abschwächung der Konjunkturlage wahrscheinlich macht.

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Unverändert hält die internationale Politik den Taktstock für Ökonomie und Finanzmärkte fest in der Hand. Politik ist der primäre Katalysator und die Wirtschaftsdaten spielen weniger als die zweite Geige.

Die nach vorne schauenden Indikatoren ebenso wie die Einlassungen vieler Unternehmen signalisieren, dass konjunkturelle Unwetter auf der Konjunkturkarte drohen.

Der dramatischen Lage der Zivilisten in der Ostukraine wird jetzt auch seitens der Regierung der Ukraine Rechnung getragen. Nach zähem Ringen setzte sich ein Konvoi mit 280 LKWs von Moskau zur Versorgung der Zivilbevölkerung in Bewegung. Das Internationale Rote Kreuz ist involviert.

Diese Entwicklung darf man als einen zarten Ansatz einer Entspannung werten.

Die Verlautbarungen aus der Nato klingen dagegen weiter recht martialisch. Dort redet man von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer russischen Invasion in der Ostukraine. In der Tat soll Russland laut Berichten der Regierung der Ukraine in grenznahen Bereichen zur Ukraine eine Truppenstärke von 45.000 Mann vorhalten. Wir verweisen auf die Truppen der Nato, die aktuell vor Ort an Manövern teilnehmen und wir verweisen vor allen Dingen auf das Manöver Crescendo im September und Oktober!

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Die Frage, wer welche Sicherheitsinteressen verletzt, wird vom Westen nicht gestellt.

Ebenso wenig wird die Frage erörtert, ob die Politik des Westens der letzten Jahre mangels Augenhöhe gegenüber den vitalen Interessen Russland, unter anderem bezüglich des Raketenschilds in Osteuropa (angeblich gegen Raketen Nordkoreas und Irans!), bezüglich eines EU-Assoziierungsabkommens (mit Militäragenda), hinsichtlich der verdeckten US-Intervention in der Ukraine, bezüglich der sofortigen Akzeptanz der nicht verfassungskonformen Putschregierung mit rechtsradikalen Elementen oder durch Agitation westlicher Politiker auf dem Maidan Skepsis Russlands gegenüber dem Westen schüren musste?

Was hätte der Westen, allen voran die USA, in einem solchen Fall gemacht, Truppen von der Grenze abgezogen?

Nach wie vor ist eine Deeskalationspolitik des Westens nicht erkennbar! Das impliziert die Verfolgung einer ganz anderen Agenda, einer geopolitischen Agenda (siehe Irak, Libyen …), in der die Ukraine lediglich Mittel zum Zweck ist (Brezsinski).

Erkennbar ist das auch an der unterschiedlichen westlichen Akzeptanz der Kollateralschäden bezüglich des Maidan (Nulltoleranz des Westens) und der aktuellen militärischen Intervention in der Ostukraine (viele tote ostukrainische Zivilisten, 730.000 Flüchtlinge in Russland). Wer hier eine Asymmetrie erkennt, liegt richtig.

Die aktuelle Regierung der Ukraine fiel immer wieder durch aggressive diskriminierende Äußerungen gegenüber den Menschen in der Ostukraine auf, die Feindseligkeiten offenbarten und damit den politischen Vertretungsanspruch der aktuellen Regierung für die Menschen der Ost- und Südukraine nahezu vollständig konterkarierte. Auch diesem Aspekt wird die westliche Politik nicht gerecht.

Nach wie vor warten wir auf Satellitenbilder der USA zu MH17 und auf den Funkverkehr Tower Kiew/MH17. Der Ball liegt definitiv nicht in Moskau (geliefert), sondern in Kiew und Washington.

Imminente und aggressive Anschuldigungen ohne Beweise als auch erste widerlegte Behauptungen (keine ukrainischen Flugzeuge in der Luft, keine ukrainischen BUK-Werfer in der Region) haben immer den faden Beigeschmack von Propaganda. Das gilt vor allen Dingen auch bezüglich der Wahrheitsliebe unserer Freunde in Washington im internationalen Geschäft, wenn es um die eigenen US-Interessen geht.

Wenn es zu einer Lösung dieses Konflikts kommen soll, muss Augenhöhe gewährleistet sein. Die Sicherheitsinteressen Russlands als auch die Interessen der Menschen der Ost- und der Südukraine bedürfen dann einer sachlich angemessenen Würdigung.

Von diesem Status auf Verhandlungsebene sind wir nach wie vor sehr weit entfernt. Ergo gibt es keinen Grund für Euphorie einer Lösung des Konflikts in der Ukraine. Damit gibt es auch nur sehr bedingte Zuversicht für eine verbesserte Konjunkturlage oder Konstellation an den Finanzmärkten.

Der Preis dieser Intervention wird im Westen maßgeblich von Deutschland und der Eurozone bezahlt.

Die ersten EU-Hilfszahlungen für Pfirsichbauern sind hier nur illustres und hinsichtlich des Interventionsumfangs nahezu zu vernachlässigendes Beispiel für die zukünftigen Belastungen der deutschen und europäischen Steuerzahler.

Cui bono? Wird diese Frage an den richtigen Stellen aufgeworfen? Hat die EU, hat die Eurozone und hat Deutschland eine eigene Agenda, die angemessen unsere eigenen internationalen Interessen der EU, der Eurozone und Deutschlands vertritt? Fragen über Fragen …

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Nachhaltige Trendsignale sind derzeit unausgeprägt.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank



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