Suche
 

Baldiges Schlachtfest oder feiern wir bald die Wiederauferstehung?

21.08.2014  |  Silberjunge
Was können wir eigentlich vom Truthahn lernen? Stellen wir uns einen Truthahn vor, der jeden Tag gefüttert wird. Jede einzelne Fütterung wird die Überzeugung (Sicherheit) des Vogels stärken, dass es die Grundregel des Lebens ist, jeden Tag von freundlichen Mitgliedern der menschlichen Rasse gefüttert zu werden, die dabei nur sein Wohl im Auge haben. Aber am Mittwoch vor dem Erntedankfest wird dem Truthahn etwas völlig Unerwartetes widerfahren und er wird seine Überzeugung revidieren müssen.

Möchten Sie der Metzger sein oder der Truthahn? Der Truthahn denkt linear und rechnet nicht mit Überraschungen. Die Besitzer von Papiergeldansprüchen wie Anleihen oder Lebensversicherungen sind sehr gut mit dem Truthahn vergleichbar.

Wir Gold- und Silberinvestoren sind in einer anderen Situation. Mein Langfristoptimismus steht außer Frage. Dennoch muss ich an dieser Stelle einmal sagen, dass der von mir seit langem verwendete Begriff der Streckfolter ja fast schon an einen Euphemismus grenzt. Dass wir vor der Korrektur im April 2011 warnten und dann auch die Weltwirtschaft seit Mitte 2011 skeptisch sahen, ist hinlänglich bekannt.

Aber ich hätte vor drei Jahren für höchst unwahrscheinlich gehalten, dass der Indikator OECD+BRIICS (lesen Sie bitte dazu die Seiten 6 bis 8) noch Mitte 2014 bei 100 liegen würde.

Fazit: Über 6 bis 9 Monate hinaus kann kein seriöser Experte belastbare Zukunftsprognosen machen. Seien Sie auf der Hut vor Leuten, die Ihnen die Zukunft weissagen. Wir haben Mitte 2008 vor Deflation richtigerweise gewarnt und 2009/10 für die Silberhausse geworben. Aber glaubt denn jemand, ich hätte dies 2006 oder 2007 bereits verlässlich äußern können? Unsinn! Wir können nur mit Frühindikatoren arbeiten, die uns stets nur für wenige Monate Sicherheit spenden.

Die Medien erwarten von Experten dennoch immer wieder Zeitpunktprognosen und Weissagungen für die kommenden Jahre. Dies hat etwas damit zu tun, dass jeder von uns gern eine Glaskugel hätte. Wer hätte im Februar oder im Juni 2014 nach den Anstiegen angenommen, dass der Silberpreis selbst im August noch unter 20 US-Dollar notieren würde mit ganz geringer Schwankung?

Keine Frage, wir haben im März sowie jüngst auf den hohen Optimismus der nordamerikanischen Analysten und Berater für Silber trotz der jeweiligen Korrektur aufmerksam gemacht verbunden mit der Bitte um Vorsicht. Auch wenn die jüngste Warnung berechtigt war, so lesen viele Edelmetallinvestoren derartiges ungern. Noch eine Warteschleife? Muss das denn sein? Wann endet die Streckfolter endlich?.

Aus vielen Gesprächen und Schriftwechseln mit Abonnenten ist mir bekannt, dass die Hoffnung der Enttäuschung und die ursprüngliche Begeisterung für Edelmetalle bestenfalls der Lustlosigkeit bzw. Resignation wichen. Aber wie sieht es denn dann erst einmal in den Köpfen derer aus, die sich von den Mainstreammedien und Bankern Aktien einreden und Edelmetalle ausreden lassen (Handelsblatt: Weg mit Gold!)? Werden wir bitte nicht zum Truthahn! Halten wir Kurs! Ich tue es!

Mitte 2011 warnten wir frühzeitig vor den Abschwächungssignalen der Weltwirtschaft. Neben den Indikatoren der chemischen Industrie, die Gegenstand unserer letzten beiden Silberbulletins waren, ist uns dabei bekanntlich der Frühindikator der OECD+BRIICS eine wichtige Stütze. Die BRIICS, also Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika, standen im letzten Jahr nach vorläufigen Daten für rund 22,2 Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

Alle OECD-Mitgliedstaaten, also die 34 alten Industriestaaten, kamen im vergangenen Jahr auf 60,25 Prozent. Zusammen stehen diese Länder also für über 82 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Der obige Chart zeigt uns sehr schön, dass sich die rote Linie für OECD+BRIICS seit der Schwäche Ende 2011 nicht mehr von der 100er Marke entfernen konnte.

Gerade dies ist allerdings die Expansionsschwelle. Die Schwellenländer, die ab 2002 zum Motor der Rohstoffnachfrage und der weltweiten Aufwärtsbewegung wurden, sind heute wie wiederholt ausgeführt eher ein Bremsklotz. Der nebenstehenden Tabelle ist zu entnehmen, dass Brasilien, China und Indien inzwischen die Talsohle hinter sich lassen dürften. Aber erst bei Werten über 100 wird die Ampel auf Grün wechseln.

Frühindikator OECD +BRIICS = Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China, Südafrika (rot), OECD bestehend aus 34 Industriestaaten (schwarz), China (gelb); alter CRB-Rohstoffindex (blau) und Managed Money (vor allem Hedgefunds) in 18 Rohstoffen (hellblau)

Open in new window
Quelle: Bloomberg, Silberjunge





Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2019.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"