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Unsere Welt dreht sich um Energie!

01.10.2014  |  David Chapman
Der Ölpreis ist gefallen. Das ist nichts Neues, denn der Preis geht seit Jahren hoch und runter, besonders seit 1967, als es unmittelbar nach dem arabisch-israelischen Sechstagekrieg, der am 6. Juni 1967 begann, zum ersten arabischen Ölembargo kam. Ich versichere Ihnen, dass damals die tatsächlichen Auswirkungen auf den Ölpreis abgeschwächt wurden, aber als es im Oktober 1973 zum zweiten arabischen Ölembargo kam - nach dem Ausbruch eines weiteren arabisch-israelischen Krieges, bekannt als Jom-Kippur-Krieg - sprang der Ölpreis in nur wenigen Wochen von etwa 3,50 $ auf 10 $.

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Charts erstellt mithilfe von Omega TradeStation 2000i. Chartdaten zur Verfügung gestellt von Dial Data


Im Laufe der Jahre wurde der Ölpreis vermutlich genauso sehr von geopolitischen Ereignissen beeinflusst wie von Angebot- und Nachfragefaktoren. Nicht, dass Angebot und Nachfrage keine Rolle spielen würden. Der Hauptgrund für den jüngsten Rückgang des Ölpreises ist der Rückgang der globalen Nachfrage. Europa und Japan scheinen (erneut) in eine Rezession zu rutschen (einige Teile Europas können sogar bereits als in einer Depression betrachtet werden) und in China kommt es zu einer Drosselung. Die USA befinden sich weiter in einem positiven Wirtschaftstrend und dank des Frackings haben sie das Angebot erheblich erhöht.

Für die Angebotsseite berichtete die US-amerikanische Energy Information Administration (EIA), dass die globalen Vorräte im August pro Tag um 500.000 Barrel angewachsen wären. Laut EIA ist das globale Angebot derzeit eher nicht allzu knapp. Der globale Verbrauch wird für dieses Jahr auf 91,55 Mio. Barrel pro Tag geschätzt. Dem gegenüber steht der EIA zufolge ein Angebot von etwa 91,68 Mio. Barrel pro Tag. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die Produktion der OPEC-Staaten 2014 geringer ausfällt und 2015 weiter zurückgeht.

Der Produktionsrückgang ist das Ergebnis einer geringeren Nachfrage. Die Angebots- und Nachfrageprognosen der IEA für das nächste Jahr liegen bei 93,8 Mio. Barrel pro Tag Nachfrage gegenüber einem Angebot von 94,2 Mio. Barrel pro Tag. Diese geringe Spanne zwischen Angebot und Nachfrage wird so ausgelegt, als ob “die Welt im Öl schwimmt”.

Das globale Ölangebot blieb trotz der anhaltenden Konflikte im Irak und Libyen stark. Die großen Ölfelder des Iraks befinden sich im Süden des Landes und sind nicht durch den Konflikt mit der Organisation Islamsicher Staat (IS) in Gefahr. In Libyen herrscht ein Bürgerkrieg, aber trotz dieses Krieges glauben viele, dass Libyen die Produktion erhöhen könnte. In Nordamerika erhöht der Fracking-Boom das Angebot, obwohl Fracking zunehmend von Umweltschutzgruppen kritisiert wird.

Könnten die geopolitischen Entwicklungen auch ein Grund für den Rückgang des Ölpreises sein? Wenn der Ölpreis steigt, liegt das oftmals an geopolitischen Umständen. Der steile Anstieg des Ölpreises im Vorfeld des ersten Golfkrieges ist ein hervorragendes Beispiel. Geopolitische Bedenken schraubten den Ölpreis 2008 auf sein Rekordhoch nahe 147 $ hinauf, bevor die Finanzkrise zuschlug und der Ölpreis anschließend in nur fünf Monaten auf fast 32 $ fiel. Der Zusammenbruch war beispiellos. Davor hatte 2003 der US-Einmarsch im Irak - bekannt als zweiter Golfkrieg - dem Ölpreis zu einem Anstieg verholfen. 1998 hatte der Ölpreis mit knapp unter 11 $ seinen Tiefpunkt erreicht. Heute liegt er bei 83 $ bzw. 650% höher.

Heute könnte der geopolitische Faktor Russland sein. Laut der EIA ist Russland der drittgrößte Produzent der Welt, hinter Saudi Arabien und den USA, und der zweitgrößte Exporteur, hinter Saudi Arabien. Russland wird an achter Stille hinsichtlich der nachgewiesenen Reserven gelistet. Der Westen hat Sanktionen gegen Russland erlassen, einschließlich gegen ein paar seiner Ölunternehmen und Führungskräfte im Ölsektor. Ein niedrigerer Ölpreis würde Russland aufgrund seiner Exportabhängigkeit wirtschaftlich schaden. Russland exportiert etwa 70% seiner Produktion.

Lohnt es sich, geopolitische Konflikte zu verfolgen und im Kopf zu behalten, die einen Einfluss auf den Ölpreis haben könnten? Die einfache Antwort lautet “ja”, weil die Konflikte nicht nur einen Einfluss auf den Ölpreis haben könnten, sie könnten zu gegebenem Zeitpunkt in gewissem Maße auch die globalen Märkte beeinflussen. Öl, Erdgas und Pipelines sind laut Ansicht vieler der Kern einer Reihe von Konflikten um die ganze Welt. Kontrolle über Öl- und Gasreserven oder Kontrolle über die entsprechenden Gebiete für den Bau von Pipelines ist der Kern vieler aktueller Konflikte. Es folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten:




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