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Die Märchenstunde

14.10.2014  |  Silberjunge
Die Geschäftserwartungen der deutschen Chemie landeten im September bereis bei -4,1 und wiesen damit erstmals seit Dezember 2012 wieder einen Negativwert aus. Diese Datenreihe wurde von mir in letzter Zeit des Öfteren thematisiert, weil sie uns frühzeitig auf die derzeitige Schwäche der deutschen Konjunktur hinwies. Der OECD-Frühindikator fiel für Deutschland erstmals seit Mai 2013 auf unter 100 und landete bei 99,7. Von Oktober 2011 (!) bis Mai 2013 unterschritt der Indikator die Expansionsschwelle von 100 ebenfalls. Für Deutschland und die Eurozone sind dies keine guten Nachrichten. Schon forderte diese Woche der stellvertretende IWF-Chef Min Zhu ein öffentliches Investitionsprogramm der deutschen Regierung von 0,5% des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Wenn auch der Riese Europas negativ überrascht, was wird dann die Antwort sein? Das Handelsblatt titelte am 1. Oktober 2014 bereits "Götterdämmerung" und bildete auf der Titelseite Mario Draghi ab. Auch wenn ich mein Vermögen im Euro genauso wenig wie im Dollar speichern möchte, so halte ich die "Kauft Dollars"-Kampagne der Deutschen Bank oder von Goldman Sachs für eine unglaubliche Volksverdummung.

Ich widme mich in der vergangene Woche erschienenen 97seitigen Sonderstudie bereits den Märchen im Mainstream. Gerade jetzt muss es darum gehen, sich mit Tatsachen und Wahrheiten, statt mit Märchen und Lügen zu beschäftigen. Drei Märchen sind derzeit in den Medien ständige Wegbegleiter: Steigende Leitzinsen läuten die Totenglocke für Gold und Silber, der Euro geht bis Ende 2017 auf die Parität und der Dollar erstrahlt in neuem Glanz sowie Gold ist in einer "ultimativen" Blase.

Zu den Dollaraussagen beleuchte ich hier gleich in Auszügen die Situation und man kann sich darüber streiten, ob eine Parität von Euro und Dollar wirklich ausgeschlossen ist. Bei den beiden anderen Punkten führe ich in der Studie hingegen den Nachweis, dass es sich um eine Märchenstunde handelt. Dabei sollten wir uns ein Zitat vor Augen führen: "Es ist leichter, eine Lüge zu glauben, die man schon hundertmal gehört hat, als die Wahrheit, die man noch nie gehört hat." Durch ständiges Wiederholen wird eine unwahre Behauptung zwar nicht zutreffender, dennoch gewinnt sie durch die Allgegenwart in den Medien immer mehr Anhänger. So können falsche Behauptungen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung heraufbeschwören.

Die drei Märchen habe ich ebenso beim Auftritt auf dem Goldkongress beim in Stuttgart am 4. Oktober 2014 vor annähernd 700 Teilnehmern ausgeführt. Nebenbei sei erwähnt, dass ich angesichts der seit 2011 währenden Streckfolter für Gold und Silber selbst über den Zuspruch überrascht war. Ein befreundeter bekannter Analyst einer der beiden Schweizer Großbanken sagte mir Mittwoch, mir hätten auf dem Goldkongress zu viele Leute noch zugehört. Erst wenn unsere Veranstaltungen kaum jemand besucht, seien die letzten Permabullen aus Gold und Silber ausgestiegen. Erst dann ginge es aufwärts. Mein Eindruck war jedoch, dass viele Teilnehmer Orientierung suchen und gar nicht mehr so sicher sind. Das Bashing in den Medien wirkt.

Jetzt zu der glanzvollen Auferstehung des Dollars. Der weltweit zweitgrößte Devisenhändler, die Deutsche Bank, sagte am 8. Oktober einen Absturz des Euros auf 95 Cent bis 2017 voraus. Damit wird sich das Ziel der Parität des Chefwährungsstrategen von Goldman Sachs für Ende 2017 sogar noch unterboten, über die die Nachrichtenagentur Bloomberg am 29. August 2014 berichtete und die von uns umgehend thematisiert wurde. Deutschlands Goldexperte Bruno Bandulet sagte beim Goldkongress des Kopp Verlags am 4. Oktober vor rund 650 Zuhörern übrigens treffend: "Preisprognosen von Goldman Sachs zum Gold sind keine Prognosen, sondern Propaganda." Wir erklären, dass diese Prognosen der Bank zu Gold und Dollar politisch motiviert sind!

Der Währungsstratege der Deutschen Bank, George Saravelos, sagt der Eurozone die größte Kapitalflucht der Geschichte voraus. Er spricht von einer regelrechten Euro-Schwemme, für die Saravelos den Begriff "Euroglut" geprägt hat, die den Wert der europäischen Währung Stück für Stück untergraben werde. Interessant ist aus unserer Sicht, dass er dabei ein Paradox beschreibt. Er rechnet damit, dass die Exportüberschüsse Eurolands schon bald auf über 400 Milliarden Euro pro Jahr steigen würden. Das würde allerdings den Euro nicht steigen lassen, weil die EZB mit ihren künstlich niedrigen Zinsen und den negativen Einlagensätzen Anleger geradezu ins Ausland treibe.

"In den Bankbilanzen befindet sich ein überschüssiges Kapital zwischen 500 Milliarden Euro und einer Billion Euro, das von der EZB mit Strafzinsen belegt wird." Und er setzt noch eins drauf: "Es wird wohl zur größten Kapitalflucht in der Geschichte der Finanzmärkte kommen.... Die Euro-Schwemme heißt nichts anderes, als das Europa zum Kapitalexporteur des 21. Jahrhunderts wird".

Wenn sich Bankanalysten so weit aus dem Fenster lehnen, sollte man hellhörig werden. Klar ist, dass sie mit der Prognose Recht bekommen können, wenn die Investoren unter einer kollektiven Verblendung leiden und die Fakten ausblenden. Die Leistungsbilanz der Eurozone liegt deutlich im Plus. Wir zeigen hier seit 1995 die Handelsbilanz der USA mit den großen Ländern der Eurozone, die ein Rekordausmaß erreicht hat und dies vor dem Hintergrund eines noch starken Euros im 1. Halbjahr.




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