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Chinas Weg zur Weltmacht Nr. 1 und was das für den Goldmarkt bedeuten wird

30.10.2014  |  Dr. Dietmar Siebholz
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  • B) China greift nun auch die Edelmetallhandelsplätze an. Wer sich in der Historie auskennt, wird wissen, dass Shanghai zwischen dem 17. Jahrhundert und den wilden zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Haupthandelsplatz für Gold war. Dort wollen sie wieder hin und ihre neuen Future-Kontrakte - an der Internationalen Goldbörse in Shanghai notiert - sollen eine Besonderheit ausweisen:

    Die Future-Fristen sind auf 6 Monate festgelegt und (Achtung, Achtung) die Erfüllung dieser Termine muss in physischer Ware erfolgen. Der Zustand, dass an den anglo-amerikanischen Goldhandelsplätzen der Terminmarkt den Preis für physisches Gold bestimmt, muss sich, wenn diese Märkte weiter bestehen und nicht nur Spielplätze für die Noten- und Investmentbanken sein wollen, erheblich ändern. In London und New York wackelt der Schwanz mit dem Hund, was unsere Deutsche Dogge nicht verstehen kann, bei ihr ist es natürlich anders. Offenbar sind aber alle anderen Marktteilnehmer in New York und London einer anderen Meinung. Sie sollten meinen Hund fragen, bevor China sie eines Besseren belehrt.

  • C) Viel bedeutender ist aber die Erkenntnis, dass einige "Papiergeld-Ratten" aus ihren Löchern kommen und nun beginnen, Zweifel an der Richtigkeit ihres jahrelangen Tuns zu äußern. Vielleicht bereiten sie sich angesichts des kommenden Infernos darauf vor, sich schon einmal die Pole-Position für neue Aufgaben zu sichern nach dem Motto, "ich habe es Euch doch schon lange vorher gesagt, dass die Papiergeld-Sache nicht gut enden kann".

    Das ist ein typisches Zeichen für eine geistige Wende, aber keine, die aus der eigenen Überzeugung kommt, etwas falsch gemacht zu haben, sondern aus der Notwendigkeit, beim Wiederaufbau nach dem unvermeidlichen Schlamassel wieder eine bedeutsame Position einnehmen zu können. Ein klassisches Beispiel ist Sir Alan Greenspan, erst ein glühender Anhänger der Österreichischen Schule mit seinem weltbekannten Essay "Gold und persönliche Freiheit", dann als Präsident der FED der Goldfeind Nr, 1 und nun reist der Gute für Superhonorare durch die Welt, um seine Pro-Gold-Überzeugung zu verkaufen. Warum erinnert mich das an ein Chamäleon?

  • D) Alle diese Papiergeld-Apologeten haben jahrelang das Mantra vor sich hergetragen, durch neues Geld kann die Überschuldung gelöst und die träge Wirtschaft belebt werden. Genauso gut hätten sie bei einem Tiefgaragenbrand fordern können, das Inferno sei am besten durch eine geeignete Mischung aus Wasser und Kerosin zu kontrollieren.

    E) Wenn man die verschiedenen Entwicklungen sorgfältig analysiert, muss man besonders darauf achten, dass in den vergangenen vierzehn Jahren die Einflussnahme der Noten- und Investmentbanken auf den Goldpreis das Ziel hatte, Gold als nicht zuverlässiger als ungedeckte Währungen erscheinen zu lassen. Das war und ist auch verständlich, denn im Vergleich zu Gold sehen die Papiergeldwährungen langfristig jämmerlich aus. Und so orientiere ich mich an der Aussage eines Wirtschaftsfachmannes "Gold ist Geld und alles andere sind nur ungedeckte Schulden". Wie wahr, wie wahr und mit diesen ungedeckten Schulden soll ich mir mein Alter sichern? Papiergeld, nein danke…

  • F) Glauben Sie bitte nicht den Diskussionen über Deflation und Inflation. Die Leute, die darüber schreiben, übersehen geflissentlich bzw. wissentlich oder unwissentlich, dass beide Begriffe lediglich Definitionen sind, die mit den umlaufenden Geldmengen und nichts mit Boom und Rezession zu tun haben. Wenn Geld im Überfluss in Umlauf gebracht wird, dann ist und bleibt dies INFLATION und nur dann, wenn Geld aus dem Umlauf gezogen wird, darf man von DEFLATION sprechen. Unzweifelhaft sind hier aber zwei Dinge zu beachten.

    Erstens ist das neu und in riesigen Mengen in Umlauf gebrachte und gegen neue Schulden emittierte Geld nur bei den Banken gelandet, um diese zu sanieren, also noch nicht in den Wirtschaftskreislauf gekommen und zweitens muss man beachten, dass eine ziemlich große Menge an Geld durch Pleiten versickern kann. Da aber durch neues Geld genau diese Bereinigung ausfällt, wird dieser Geldverbrennungsprozess nicht so hoch ausfallen, wie man ihn vermutet.

    Die bald kommenden Informationen über den Status der von der EZB geprüften europäischen Banken werden uns weiterhelfen. Keine von den Großen wird in Zweifel gestellt werden. Da habe ich keine Zweifel, obwohl diese sehr angebracht wären. Am Ende des Tages werden die Banken aber freiwillig oder unfreiwillig dafür sorgen müssen, dass ihr Geldaufnahme bei der EZB auch höhere Erträge bringen muss und dann geht diese Geldmenge in den Wirtschaftskreislauf. Und dann heißt es "Fasten your seatbelts".

  • G) Über das Thema "Derivate" habe ich oft genug geschrieben, aber man ignoriert dieses Schwert des Damokles, indem man sich über die Folgen keine Gedanken macht. Warren Buffett hat dazu die richtige Definition gebracht. Sie sind "Massenvernichtungsmittel der Finanzindustrie. Die Frage ist nur, für wen? Ich habe seit einige Tagen dafür eine klare Antwort. Es wird nicht unbedingt die Finanzindustrie sein. Warum ich dies glaube? Vor einigen Tagen trafen sich die Crème de la Crème der Finanzindustrie und man vereinbarte neue Regeln für Derivate. So konnte man es in der Financial Times lesen.

    Ziel der neuen Vereinbarungen ist es nämlich, erst einmal das Risiko "too big to fail" und damit den Druck auf die Regierungen, Banken mit hohen Derivaten mit Staatsgeldern stützen zu müssen. Das hätten die auch angesichts der hohen Risiken dann auch nicht mehr stemmen können. Aber die Risiken bleiben bestehen. Wie also kann das Risiko minimiert werden? Ganz einfach durch eine Force Mayeure Klausel, mit der man die Erfüllung von Derivats-verpflichtungen aussetzen der sogar stornieren kann. Und wenn dies nicht gehen sollte, kann man ja auch auf die neuen Gesetze bauen, die bei solchen Banken das "Bail-In-Verfahren" praktizieren kann.

    "Was ist Bail-In" fragen Sie? Ganz einfach: Die Staaten greifen nicht ein, die Sanierung solcher Institute obliegt den Aktionäre (ok!), den Garantiegebern (ok!) und den Kreditoren (=den Einlegern). Im Zweifel sind Sie es, der nicht nur als Staatsbürger für die Schulden des Staats haftet, die der zur Sanierung der Banken an Krediten aufgenommen hat, sondern noch zum zweiten Male (also das klassische "double whammy-Prinzip") zu Ader gelassen wird. Die Sanierungen werden sich - und sie werden kommen, denn die Bilanzen sind ja nicht wesentlich besser geworden seit Lehman - nicht vermeiden lassen, wenn in ihnen wieder normale Bewertungen angesetzt werden (müssen).





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