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Aufschiebetaktik, QE 4, Goldaufwärtstrend

20.01.2015  |  Clive Maund
Bislang wurde nichts unternommen, um die Missverhältnisse und Verzerrungen zu beheben, die zur Finanzkrise von 2008 geführt hatten. Stattdessen setzte unsere Führung auf die Taktik des Hinauszögerns; diese wurde durch die Verabreichung von Dopingmitteln möglich. Speziell mit QE ließen sich die Zinssätze auf 0% halten, um zu verhindern, dass die ohnehin nicht mehr bedienbaren Staatsschulden ganz außer Sicht galoppierten.

Dem Beispiel der USA folgend ist die Geldschöpfungspolitik zur globalen Standardpraxis geworden - Europa und Japan zogen im großen Stil nach. Es war Unsinn zu denken, dass sich all das frisch gedruckte Geld irgendwie in den Banken konzentrieren ließe; das zeigte sich bis vor Kurzem an den steil steigenden Aktienkursen der Schwellenländer und es zeigt sich auch an den verschiedenen Vermögenspreisblasen - zum Beispiel die heißgelaufenen Immobiliensektoren in London und New York.

Die oben beschriebene Aufschiebetaktik funktionierte bis vor Kurzem, allerdings zeigt sich immer deutlicher, wie diese schamlose und aus ökonomischer Sicht selbstmörderische Politik ganz deutlich ausfranzt und einreißt. Schon in Simbabwe unter Robert Mugabe funktionierte es nicht und auch kein anderer wird mit einer solchen Politik Erfolg haben, weil es ein von vorneherein fehlerhafter Plan war, der allein eine Konfrontation mit den Konsequenzen des eigenen Handels verhindern soll.

Nur durch komplexes “Finanz-Engineering" ließ sich bislang der Schiffbruch verhindern, die Fäulnis im Zentrum des Systems konnte auf diese Art und Weise längst möglich verdeckt werden. Doch jetzt sind die Märkte wieder am Ball und es sieht so aus, als würden die Dinge ziemlich schnell ziemlich unangenehm werden.

Natürlich möchte keiner, dass die Entscheidungsträger die Initiative ergreifen und ernsthaft versuchen, die Fehler der Vergangenheit zu begradigen, denn man hat inzwischen so lange damit gewartet, dass eine welterschütternde deflationäre Implosion die Folge wäre, die den größten Teil des Planten ökonomisch in Schutt und Asche legen würde.

Vor diesem Hintergrund hat man keine andere Wahl, als so weiterzumachen wie bisher; jeder Versuch der Fed, dem unausweichlichen QE4-Programm zu widerstehen, wird dazu führen, dass die Märkte den Armhebel ansetzen und die Zentralbank zwingen, einzulenken und das Geld locker zu machen. Dieser Prozess läuft übrigens schon, wie wir am Aufleben der deflationären Kräfte sehen können. Ein Symptom dieser erstarkenden deflationären Kräfte sind der Einbruch der Ölpreise und das Scheitern der wichtigen technischen Unterstützungslinie beim Kupfer vor einer Woche; wenn nichts unternommen wird, besteht die Gefahr, dass dieser Markt einbricht.

Die große Frage ist nun, WANN die Fed kapitulieren wird und einen Richtungswechsel einleitet. Wird das sofort passieren, um das Spiel am Laufen zu halten, oder wird die Fed erst noch abwarten, bis der US-Aktienmarkt einbricht, um eine Rechtfertigung zu haben? Das ohnehin schon schwer von der Deflation heimgesuchte Europa hat sich unterdessen schon ergeben und bereitet ein massives QE-Programm vor; deswegen ist der Euro auch so schwach.

Mit der Aufgabe der Euro-Kopplung des Schweizer Franken schlug dann letzte Woche eine Bombe ein. Diese Entwicklung wird schwerwiegende Folgen haben. Die Schweizer wissen, dass diese Entscheidung den eigenen Export- und Tourismusindustrien schwer zusetzen wird. Trotzdem hat man es gemacht, weil man erkannte hatte, dass es besser ist, die Rettungsboote zu benutzen, als mit der Titanic (dem Euro) in den Tiefen zu verschwinden.

Diese Entscheidung war ein starkes Misstrauensvotum gegenüber dem Euro, dem dadurch eine wichtige Stütze weggeschlagen wurde. Im Grunde ist es schön zu sehen, dass die Schweizer wieder ihre eigenen, unabhängigen Bergwege beschreiten; um das Vertrauen der steuermeidenden Gemeinschaft wieder voll und ganz herzustellen, müssten sie jetzt nur noch die internationalen Schnüffler rausschmeißen, die die Bankkonten ausspionieren.

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Falls Sie jetzt langsam denken: “Wann kommt der denn endlich auf den Punkt und schreibt über Gold!“, dann bitte ich Sie, noch ein bisschen Geduld mit mir zu haben. Denn all das hat grundlegende Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung der Edelmetallkurse.

Falls Sie nun in Dollar-denominierte Vermögensanlagen investiert haben, werden Sie vielleicht denken: “Super! Die Märkte brechen ein, und eine gewaltige Geldwelle wird sich in den Sicheren Hafen US-Staatsanleihen ergießen, wodurch der Dollar steigt und den Wert meiner Dollar-Anlagen noch weiter in die Höhe treibt, wie schon 2008.“ Das wird wahrscheinlich auch bis zu einem gewissen Punkt der Wahrheit entsprechen.

Allerdings muss dabei unbedingt eines berücksichtigt werden: Die Triebkräfte des anstehenden, massiven Aufwärtstrends bei Gold & Silber werden irgendwann auch begreifen, dass die Fed - angesichts einbrechender Märkte - eine Kehrtwende machen und QE 4 ankündigen wird. An diesem Punkt wird der überinflationierte Dollar im Rahmen einer globalen Gleichgewichtung dann wegsacken.

Und noch ein weiterer Punkt bezüglich des anstehenden Megaaufwärtstrends beim Gold und Silber: Die meisten Investoren schauen auf den Chart des Dollar Index und denken: "Wie beeindruckend und wunderbar dieser mächtige Dollar nur ist, so wie der steigt, nach ganzen drei QE-Programmen!".

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass er einfach nur der “König der Hölle“ ist - vorübergehend der Beste aus einem Haufen Schlechter. Im Rahmen weltweiter QE-Programme, mit denen man um Vormachtstellung konkurriert, wurden alle großen Währungen bis zur Unkenntlichkeit aufgebläht.

Dieser Prozess begann in den USA, um den Tiefen der Finanzkrise von 2008 zu entkommen. Davon inspiriert, zog Japans Abe mit seinem "Das toppen wir!"-Mega-QE-Kampfprogramm nach. Auch wenn sein dreister QE-Plan in der Tat nur schwer zu toppen sein wird, so kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er inspiriert und Nachahmer finden wird.

Wohin wird all das führen? Wie wir schon festgestellt hatten, ist es jetzt zu spät, zur Finanzdisziplinierung vergangener Jahrzehnte zurückzufinden - Sie wissen schon, altmodische Sachen wie Bilanzen ausgleichen und Dinge mit richtigem Geld kaufen, das tatsächlich vorher angespart wurde. Ein Vorstoß in diese Richtung würde auf jeden Fall einen explosiven Anstieg der Zinssätze auslösen und die Weltwirtschaft zu einem jähen Stillstand bringen.

Also hat man stattdessen keine andere Wahl, als drucken, drucken und nochmals drucken, die "Zeche zahlt" das einfache Volk - die mittleren und unteren Klassen, die ärmer und ärmer werden, weil ihre Löhne nicht mehr mit den steigenden Vermögenspreisen Schritt halten können. Hier haben wir im Grunde eine Art ausgleichender Gerechtigkeit: Die Wähler hatten immer wieder für Politiker gestimmt, von denen Sie angelogen wurden und die ihren eindringlichen und kindlichen Forderungen “Ich will alles, auf der Stelle!“ (die auf Kosten zukünftiger Generationen gehen) entsprochen hatten.



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