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Die größte Silberbeute der Geschichte

15.05.2015  |  Theodore Butler
Wie ich schon zuvor erwähnt hatte, akzeptiert JP Morgan nach wie vor die physische Belieferung von Silberterminkontrakten (Kontrakt stoppen) und lässt sich diese auf das “Eigenhandelskonto“ (house account) transferieren. Bislang hat die Bank aus dem gesamten Mai-Futures-Kontrakt mehr als drei Millionen Unzen entnommen. Wie es aussieht, wird JPM bis zum Ende des Lieferzeitraums wohl noch (plus/minus) eine weitere Million annehmen - zusätzlich zu jenen 7,5 Millionen Unzen, die die Bank schon im März-Lieferzeitraum entnahm.

Weitere Entwicklung der letzten Wochen stechen hervor: die Entnahme von 5 Millionen Unzen aus dem großen Silber-ETF, SLV. Dem Anschein nach dürfte diese umfangreiche Entnahme von einem großen Käufer stammen, der ETF-Anteile in Metall konvertierte, um physisches Silber zu akquirieren und um die 5%-Offenlegungsklausel (Meldung von Anteilseigentum über 5%) zu umgehen. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um das Werk JPMorgans, das deutlich zeigt, über welchen Mechanismus die Bank den größten Teil jener 350 Millionen Unzen angesammelt hat, die, wie ich behaupte, in den letzten vier Jahren von ihr akkumuliert wurden.

Die US-Prägeanstalt (US Mint) verkaufte 783.500 Silver-Eagle-Münzen in nur zwei Tagen, während sie in den 4 oder 5 vorhergehenden Tagen nichts verkaufte. In den beiden Folgetagen wies die US Mint dann nur einen kärglichen Münzabsatz von 50.000 Stück aus. Das sind genau die erratischen Absatzzahlen, die auf die Anwesenheit eines großen Käufers hindeuten. Ich kann nicht belegen, dass JPMorgan der große Käufer ist, doch alles weist darauf hin.

Die kanadische Prägeanstalt (Canadian Royal Mint) veröffentlichte letzte Woche ihre Absatzstatistiken für Maple-Leaf-Silbermünzen für das Jahr 2014; hier zeigte sich ebenfalls dieses Muster, das für die Münzabsätze der US Mint so prägend ist.

Der Silbermünzenabsatz markierte mit 29 Millionen verkauften Silver Maple Leafs einen neuen Rekord. Der große Silver-Eagle-Käufer hat auch Silver Maple Leafs akkumuliert. In den letzten vier Jahren hat der große Käufer mindestens 30 Millionen Unzen kanadischer Maple Leafs und 75 Millionen Unzen US-amerikanischer Silver Eagles gekauft. Insgesamt wurden also mehr als 100 Millionen Unzen Silber in Form von Silber-Bullion-Münzen angekauft. Ich bin überzeugt, dass JPMorgan dieser große Käufer ist.

Aber wie um alles in der Welt könnte JP Morgan am Ende diese hunderte Millionen Silberunzen wieder verkaufen, ohne den Markt zu überfluten und die Preise einbrechen zu lassen? Aber das ist doch Teil der normalen Geschäftspraxis JPMorgans: massive Marktpositionen akkumulieren und anschließend liquidieren, bevor die meisten Menschen jeden Morgen aus dem Bett kommen. Das ist das zweite Ich der Bank.

Meiner Meinung nach wird dieses Silber wieder verkauft, bevor die meisten Menschen mitbekommen, dass es überhaupt gekauft wurde. Der Ankauf von 350 Millionen Unzen war der schwere Teil, der Verkauf wird im Handumdrehen bewältigt.

Der große Käufer macht sich eine Gesetzeslücke zu Nutze, die die Prägeanstalten dazu verpflichtet, jede nachgefragte Menge zu produzieren. Also drückt die Bank mithilfe von COMEX-Leerverkäufen erst die Preise auf unnatürlich niedrige Stände und fordert dann von der US Mint, ihr alle Silver Eagles zu verkaufen, die sie produzieren kann. Egal, ob der Preis dafür 2 $ über dem Kassakurs liegt: Die Bank möchte all das Silber, dessen sie habhaft werden kann.

Doch wie genau will diese Bank die (wie ich behaupte) zuvor erworbenen Münzen wieder verkaufen? Die Münzen werden nicht als Münzen verkauft, sondern zu 1.000-Unzen-Barren umgeschmolzen. Einige der 100 Millionen (+) Unzen in Form von Silbermünzen könnten tatsächlich schon eingeschmolzen und zu Good-Delivery-Barren umgegossen worden sein. Da die Münzen denselben Reinheitsgrad wie die 1.000-Unzen-Barren haben, wäre das Einschmelzen ein einfacher und kostengünstiger Prozess.

Ende 2007, als der Silberpreis unter 15 $ aber fast am Preishoch der vorgehenden 25 Jahre lag, übernahm Bear Stearns die Funktion des größten Silber- und Gold-Leerverkäufers, als diese Positionen von AIG abgegeben wurde. Zwischen Ende 2007 bis März 2008 stieg der Silberpreis auf 21 $ und der Goldpreis von 800 $ auf 1.000 $.

Auf Grundlage der Größe der Short-Position, die Bear Stearns hielt, musste die Investmentbank mehr als 2 Milliarden $ Nachschusskontengeld für diese Positionen aufbringen. Dazu war Bears Stearns aber nicht in der Lage. Also arrangierte die US-Regierung es, dass JP Morgan Bear Stearns übernahm und somit auch die gewaltigen COMEX-Short-Positionen, die diese Bank beim Silber und Gold laufen hatte.

Die Kooperation mit der Bundesregierung ermöglichte es JP Morgan, die Silber- und Goldpreise gegen Jahresende deutlich zu drücken. Als Bank verdiente sie an den sinkenden Metallpreisen zudem noch mehr als 1 Mrd. $. JPMorgan gelang es also, die Größe der von Bear Stearns geerbten Short-Positionen deutlich zu verringern.

JPMorgan wiederholte diesen Prozess: Bei Kurserholungen wurden große Mengen zusätzlicher COMEX-Kontrakte leerverkauft und bei Kursverlusten zurückgekauft. Die Gewinne der Bank auf der Short-Seite der COMEX-Gold/Silber-Märkte beliefen sich dabei auf hunderte Millionen und sogar Milliarden $.



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