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Marktkommentar pro aurum: Gastbeitrag von Claus Vogt

12.06.2015  |  Claus Vogt
Jetzt wird es richtig ernst - NYSE Advance-Decline-Linie zeigt seit 2007 erstmals wieder negative Divergenz

In den vergangenen Wochen erst habe ich meine Leser auf die immer deutlicher werdenden Warnsignale der Dow Theorie hingewiesen. Jetzt hat sich ein weiterer sehr wichtiger und bewährter Indikator in die bereits sehr lange Liste der Warn- bzw. Verkaufssignale eingereiht, die Advance-Decline-Linie der New York Stock Exchange (NYSE). Tatsächlich zeigt sie die erste negative Divergenz seit dem Top des Jahres 2007. Die Advance-Decline-Linie der NYSE. Sie war also einer der wenigen technischen Indikatoren, der während der gesamten Spekulationsblase der vergangenen Jahre keine Warnsignale gegeben hat. Dazu später mehr.


Gesunde Trends zeichnen sich durch Gleichförmigkeit aus

Werfen Sie bitte zunächst einen Blick auf die prinzipielle Bedeutung und auf die Berechnung der Advance-Decline-Linie. Diese basiert ebenso wie die Dow Theorie oder die Art und Weise, wie ich den Preis-Momentum-Oszillator (PMO) gewöhnlich nutze, auf der Beobachtung, dass sich gesunde, tragfähige Trends an den Finanzmärkten durch eine hohe Uniformität auszeichnen.


Negative Divergenzen sprechen für eine Wende von oben nach unten

Wenn dieser Gleichlauf verschiedener Indizes und Indikatoren schwindet, dann sprechen Börsianer von positiven oder negativen Divergenzen. Erstere deuten auf eine Trendwende von unten nach oben hin, Letztere auf eine Wende von oben nach unten. Je zahlreicher und ausgeprägter diese Divergenzen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Trendwende.


Simple Berechnung, aber hohe Aussagekraft

Die Advance-Decline-Linie ergibt sich aus einer simplen Berechnung. Am Ende jedes Börsentages werden die Anzahl der gestiegen Aktien und die der gefallenen Aktien gezählt. Dann subtrahiert man die Anzahl der gefallenen von der Anzahl der gestiegenen Aktien. Diesen Wert addiert man sodann zu dem genauso ermittelten Wert des Vortages. Auf diese Weise erhält man eine börsentäglich fortlaufende Zahlenreihe.


Nur ein einziges Mal gab die Advance-Decline-Linie der NYSE kein Signal

In einem gesunden Aufwärtstrend steigt die Mehrzahl der Aktien, so dass auch die Advance-Decline-Linie steigt. Neue Hochs des Index sollten also von neuen Hochs der Advance-Decline-Linie bestätigt werden. Bleibt diese Bestätigung aus, dann steht wahrscheinlich eine Trendwende bevor. Tatsächlich gab es in der Nachkriegszeit, für die diese Daten vorliegen, nur ein einziges wichtiges Aktienmarkt-Top - in den 60er Jahren - dem keine negative Divergenz der Advance-Decline-Linie der NYSE vorangegangen ist.


Verschiedene Varianten der Advance-Decline-Linie führen alle zu einem …

Wie bei allen Indikatoren gibt es auch bei der Advance-Decline-Linie verschiedene Varianten. Beispielsweise werden Advance-Decline-Linien nicht nur anhand aller an der NYSE gehandelten Aktien berechnet, sondern auch für einzelne Indizes, indem nur die Aktien berücksichtigt werden, die sich auch in dem jeweiligen Index befinden. Oder die Advance-Decline-Linien werden mit den Börsenumsätzen gewichtet. Oder es wird zwar die Advance-Decline-Linie der NYSE verwendet, aber nicht der NYSE Composite Index, sondern der S&P 500.

Auf das Für und Wider der einzelnen Varianten möchte ich hier nicht eingehen. Roland Leuschel und ich besprechen auf unserer Indikatoren-Seite in Krisensicher Investieren stets die Advance-Decline-Linie der NYSE sowie eine umsatzgewichtete Variante, und wir beziehen die Ergebnisse gewöhnlich auf den S&P 500 Index. Allerdings achten wir auch immer sehr genau auf die Entwicklung des NYSE Composite Index, der im Unterschied zum S&P 500 zahlreiche Titel enthält, die eigentlich keine Aktien sind, sondern Anleiheprodukte.


… übereinstimmenden Signal: Gefahr in Verzug an den Aktienmärkten

Auf den beiden folgenden Charts zeige ich Ihnen zunächst die Advance-Decline-Linie der NYSE mit dem S&P 500 Index und darunter mit dem NYSE Composite Index. Tatsache ist, dass die erste Variante etwas häufiger Signale gibt als die zweite. Dafür waren die Signale der zweiten Variante überwiegend auf sehr wichtige Wendepunkte beschränkt.

Beispielhaft sehen Sie das für die vergangenen anderthalb Jahre. Die erste Variante kündigte die Turbulenzen im Herbst 2014 an, die sich allerdings als relativ unbedeutend erwiesen, während die erste Variante in dieser Phase keine Signale gegeben hat. Im Moment kommen beide Varianten aber zu demselben Ergebnis: Gefahr in Verzug!



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