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Griechenland: Geopolitik siegt über Ökonomie

19.06.2015  |  John Browne
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Wahrscheinlich im Wissen darum hat die griechische Regierung wiederholt die direkte Konfrontation mit einigen der mächtigsten Politiker und Zentralbanker der Welt gesucht, wobei Zeit gewonnen und wenig erreicht wurde.

Nicht nur das. Wenn Griechenlands sozialistischer Premierminister Alexis Tsipras der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gegenübertritt, weiß er, dass sie sich völlig im Klaren darüber ist, dass eine gefällige Behandlung Griechenlands ein Präzedenzfall wäre, der letztlich auch Portugal, Irland, Italien und Spanien ermutigen würde, (sogar vereint) auf Gleichbehandlung zu drängen.

Zudem könnten wachsende Aussichten auf ein theoretisch mögliches Zerbrechen der EU dafür sorgen, dass die Wähler in Großbritannien im Referendum von 2017 einen Absprung vom sinkenden Schiff favorisieren.

Ein britischer Ausstieg könnte dem europäischen Traum ein Ende setzen; er würde womöglich auch europäische Schuldverschreibungen im Umfang von vielen Billionen $ in Gefahr bringen - wie auch die Euro-Währung an sich.

Zusätzlich zu diesen schweren Bedenken fürchtet Merkel vor allem eines. Sollten die Gespräche vollends scheitern, könnte sich Griechenland auf die Suche nach anderen Geldgebern begeben. Dabei könnte es auf viele willige Geldgeber treffen, die natürlich alle ihre Bedingungen stellen.

Russland könnte Griechenland Finanzierung im Austausch für einen Marinestützpunkt gewähren. Wenn nicht Russland, dann vielleicht China, das enorme weiche Finanzrettungspakete zur Verfügung stellen könnte, um sich den Eintritt in die europäische und Nato-dominierte Landmasse zu erkaufen.

Es ist kein Geheimnis, dass China starkes Interesse an der Übernahme des Hafens von Piraeus - einem der größten Häfen am Mittelmeer - hat.

Während Merkel und die sie unterstützenden EU-Führer scheinbar hart mit der Führung Griechenlands ins Gericht gehen, wissen sie, dass es politisch inakzeptabel ist, eine Finanzpleite zuzulassen, welche das Tor zur Auflösung der EU öffnen. Genauso inakzeptabel wäre auch nur die Idee eines Vordringen Russlands oder Chinas.

Daraus folgt: Egal wie teuer ein Schuldenausfall Griechenlands den EU-Steuerzahlern zu stehen kommen würde, die politischen Kosten eines Grexit werden wahrscheinlich als schwerwiegender und inakzeptabel betrachtet.

Daher bin ich also der Meinung, dass die Chancen eines Ausstiegs Griechenlands - nach viel Getue, Verzögerung und Drohung - letztlich viel geringer sind, als allgemein angenommen wird.

Höchstwahrscheinlich wird die EU die Deckung eines griechischen Schuldenausfalls gutheißen, welcher vorerst hinter verlängerten Schuldenrückzahlungsfristen, fingierten Umschuldungsprogrammen und vielleicht auch herausgezögerten Schuldenschnitten bei vorgeschrittener Anleihelaufzeit.

Zudem werden die Beteiligten wohl hartnäckig die Meinung vertreten, diese Entscheidungen würden keinem technischen Schuldenausfall gleichkommen. Aller Absurdität solcher Aussagen zum Trotz werden unsere untertänigen Presseunternehmen einer solchen Einschätzung vielleicht sogar beipflichten.

Vielleicht zeigen sich die Anleger sogar so freudig erregt, dass es an den Aktien- und Anleihemärkten Erholungs-Rallies geben wird.

“Aufschieben, weitermachen, Anschein wahren" könnte wieder einmal der einzig akzeptable Umgang mit unserer renitenten Problemlage sein.


© John Browne
Senior Market Strategist

Der Artikel wurde am 17.06.2015 auf www.safehaven.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



John Browne ist leitender Wirtschaftsberater für Euro Pacific Capital. Die im Artikel geäußerten Meinungen sind die des Autors und nicht die von Euro Pacific Capital oder ihres Geschäftsführers Peter Schiff.

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