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US-Dollar und Gold

06.07.2015  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Eine Reihe von Gründen spricht für eine weitere Aufwertung des US-Dollar, gefolgt von einem höheren Goldpreis.

Seit etwa Herbst 2011 hat der Außenwert des US-Dollar merklich gegenüber allen wichtigen Währungen der Welt aufgewertet. Dafür dürften eine Reihe von Gründen ausschlaggebend gewesen sein. Aus Sicht vieler Investoren wurde die konjunkturelle Entwicklung in den USA als vergleichsweise vorteilhafter angesehen als in anderen Regionen der Welt. Das stärkte die Nachfrage nach US-Dollar. Zudem hat sicherlich auch die Aussicht auf steigende Zinsen Kapital in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelockt und den Außenwert des Greenbacks erhöht.

Die Dollar-Aufwertung hat in den aufstrebenden Volkswirtschaften (den "Emerging Markets") für Probleme gesorgt. Auslandskapital wurde abgezogen, viele Währungen gerieten unter Abwertungsdruck. Zudem hat der aufwertende US-Dollar auch den Euro und japanischen Yen in der Gunst der Investoren sinken lassen. Die anhaltenden Probleme im Euroraum - hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern, geringe Wachstumsaussichten, niedrige Zinsen und die "QE"-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) - haben die Einheitswährung seit Sommer 2014 bis heute um etwa knapp 20 Prozent abwerten lassen.

Der japanische Yen hat sogar gegenüber dem US-Dollar seit Ende 2012 - dem Zeitpunkt, an dem die Bank von Japan verkündete, auch eine "QE"-Politik betreiben zu wollen - um etwa 37 Prozent nachgegeben.

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Quelle: Thomson Financial.
Die gepunkteten Linien zeigen die künftige Entwicklung der Basisgeldmengen an


Es ist geradezu "natürlich", dass es Sparer und Investoren in unsicheren Zeiten vorziehen, die Weltreservewährung - den US-Dollar - verstärkt nachzufragen. Der US-Dollar bietet - im Vergleich zu allen anderen Währungen der Welt - nach wie vor die größten und liquidesten Finanzmärkte; in den US-Dollar-Märkten können Positionen leicht auf- und wieder abgebaut werden.

Der US-Dollar ist zudem nach wie vor die bedeutendste Währung, in der die offiziellen Währungsreserven investiert sind. Ende 2014 (letzte verfügbare Zahl) lag der Anteil, den der US-Dollar an den offiziellen Weltfremdwährungsreserven hat, bei 62,9 Prozent. Der Euro lag bei 22,2 Prozent, der japanische Yen bei 3,9 Prozent. Angesichts mangelnder Alternativen ist gut denkbar, dass der Anteil des US-Dollar in den weltweiten Währungsreserven in den kommenden Jahren wieder zulegen wird. Das wird natürlich entscheidend davon abhängen, wie die weitere Entwicklung von Euro und Yen aus Sicht der Währungsbehörden eingestuft wird.

Aber angesichts der in diesen Regionen aufgelaufenen Probleme, und der bereits eingeleiteten Politiken, die elektronische Notenpresse anzuwerfen, um offene Rechnungen zu bezahlen, ist auf absehbare Zeit mit sehr niedrigen Zinsen und ei-ner zunehmenden Aushöhlung des Euro- und Yen-Währungswertes zu rechnen.

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Quelle: Bloomberg, IWF



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