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Goldpreismanipulation: Wer gibt wirklich den Ton an?

06.08.2015  |  Lawrence Williams
Der große Streit um die Goldpreismanipulation: Findet sie wirklich statt und wenn ja, durch wen?

Open in new windowLONDON - Die Frage sollte vielleicht lauten "Werden die Edelmetallpreise manipuliert?“ - oder sogar "Werden nicht eigentlich alle Rohstoffpreise manipuliert?“ Die Antwort auf beide Fragen ist mit großer Sicherheit ein kräftiges "Ja".

So ziemlich alles, was einer wie auch immer gearteten Börse gehandelt wird, kann von denjenigen mit den nötigen finanziellen Mitteln manipuliert werden. Oder von denen, die das Risiko in Kauf nehmen, Bankrott zu gehen, wenn riesige Margin-Trades schiefgehen. Gold ist jedoch ein Spezialfall, denn die üblicherweise der Manipulation beschuldigten Instanzen - die von den Bullionbanken unterstützten Zentralbanken und Regierungen - bilden selbst das Gold-Establishment.

Hinsichtlich der Manipulation könnte man die meisten der diskutierten Praktiken als ganz alltäglich bezeichnen - ob sie auch ethisch vertretbar sind, ist eine andere Frage. Jeder Markt kann beeinflusst werden. China hat sich in der Vergangenheit als Meister der Manipulation im Rohstoffsektor herausgestellt, indem das Land beispielsweise eine ganze Palette von seltenen Erden zu Preisen fördert und verkauft, mit denen die westlichen Minengesellschaften nicht mithalten können, und sich so sie Vorherrschaft über den Markt sichert.

Den drei größten Eisenerzproduzenten -Vale, Rio Tinto und BHP Billiton - könnte man vorwerfen, dass sie in ihrem Marktsektor eine ganz ähnliche Strategie verfolgen. Die drei Unternehmen erweitern zur gleichen Zeit ihre Produktionsleistung und erzeugen ein Überangebot, das die Preise so weit nach unten drückt, dass die meisten der kleineren Minengesellschaften ihre Produkte mit Verlusten verkaufen müssen.

Das ist natürlich nur auf kurze Zeit möglich, bevor es zu Insolvenzen und Unternehmensschließungen führt. Die drei Marktführer bestreiten das selbstverständlich und vielleicht war es auch wirklich nicht ihre Absicht, aber der Endergebnis bleibt das selbe.

Jedes System, das den uneingeschränkten Handel mit Futures erlaubt oder sogar fördert bereitet nach Ansicht des Autors der Marktmanipulation den Weg. Vor allem der Silbermarkt scheint dafür ein gutes Beispiel zu sein. Hier wird die Situation jedoch dadurch erschwert, dass einige der wichtigsten Buillonbanken offenbar gewaltige Silberreserven anlegen.

Der passionierte Silberanalyst Ted Butler schätzt, dass JP Morgan, als erstklassiges Beispiel, möglicherweise Silbervorräte im Umfang von mehr als 350 Mio. Unzen angelegt hat - und bisher hat das noch niemand widerlegt (siehe "Was hat es mit JP Morgans enormen Silberreserven auf sich?").

Die Sprecher der Bank werden sagen, dass sie das alles im Auftrag ihrer Kunden beschafft haben, doch wenn Butlers Schätzungen korrekt sind, scheint die Menge zu groß, um sich durch Kundenbestellungen erklären zu lassen. Und selbst wenn der Großteil der Reserven auf Wunsch der Kunden angelegt wurde, dann wurde diesen mit Sicherheit von der Bank dazu geraten. Wenn die Bank wirklich über einen derartigen Silbervorrat verfügt, dann ist sie in der Lage, den globalen Silbermarkt effektiv zu kontrollieren - und dieser scheint tatsächlich manipuliert zu werden, möglicherweise mehr als andere Märkte.

Doch was ist mit Gold? Der Silbermarkt ist klein genug, um ebenso wie andere vergleichsweise kleine Märkte von den großen Akteuren des Finanzsystems relativ leicht manipuliert werden zu können. Die Beeinflussung des Goldpreises ist dagegen ein Unterfangen von ganz anderen Ausmaßen. Zudem hebt sich Gold schon allein wegen seiner viel stärkeren historischen und emotionalen Bedeutung von den anderen Edelmetallen ab.

Gold war über hunderte und tausende Jahre hinweg ein Zahlungsmittel (und viele werden sagen, dass es das noch immer ist) und das ultimative Symbol für Wohlstand. Noch bis 1971, als Präsident Nixon "das Gold-Fenster schloss", war der US-Dollar, die wichtigste Reservewährung der Welt, mit Gold gedeckt.

Seitdem beruht das gesamte Finanzsystem der Welt auf reinen Fiatwährungen und die Regierungen und Zentralbanken sorgen sich, dass ein starker Goldkurs als Zeichen der Schwäche der modernen Zahlungsmittel interpretiert werden könnte. In einer aktuellen Mitteilung bezeichnet Ben Davies von Hinde Capital Gold als "Kanarienvogel im Kohlebergwerk". "Gott bewahre, dass der Kanarienvogel zu singen beginnt und der Goldpreis plötzlich ansteigt“, schreibt er augenzwinkernd. Doch die Metapher ist gewissermaßen verdreht. Ein singender Vogel bedeutet, dass alles in Ordnung ist - doch wenn er von seiner Stange fällt, droht Gefahr!

Das Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) behauptet schon seit vielen Jahren, dass der Goldpreis von den Regierungen und den mit ihnen konspirierenden Zentral- und Bullionbanken künstlich zumindest manchmal künstlich nach unten gedrückt wird und hat dafür beeindruckende, man könnte auch sagen schlüssige, Beweise vorgebracht. (Auf ww.gata.org können Sie diese Beweise in Form von Memos, Dokumenten und E-Mails aus Regierungs- und Zentralbankkreisen einsehen.)


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