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Deshalb kann Öl nur steigen!

30.07.2015  |  Uli Pfauntsch
Mit Sabine Oil & Gas meldete der sechste und bislang größte US-Ölproduzent vor wenigen Tagen Konkurs an. Zuvor gingen bereits Quicksilver, Saragota, Dune Enery und American Eagle Energy in Konkurs.

Obwohl die US-Shale-Produktion seit drei Monaten in Folge zurückgeht und die EIA für August mit 91.000 Barrel pro Tag den bislang stärksten Rückgang erwartet, zeigt sich diese angesichts der niedrigen Ölpreise und des Wegfalls von rund zwei Dritteln aller Bohrtürme noch erstaunlich widerstandfähig.

Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, wären die US-Produzenten längst von einer heftigen Pleitewelle erfasst, wenn Banken und Investoren nicht unterbrochen neues Kapital nachgeschossen hätten. Laut Daten von Bloomberg und der UBS Group, platzierten US-Shale-Unternehmen in der ersten Jahreshälfte circa 44 Milliarden Dollar in Bonds und neuen Aktien - so viel wie seit 2007 nicht mehr.

Ehrlich gesagt, ist es mir ein Rätsel, was diese Investoren dazu motiviert hat. Vielleicht war es eine Mischung aus patriotischer Überzeugung und der Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Ölpreise.

Wie auch immer - seit einigen Wochen zeigt sich, dass es mit dem Wohlwollen der Gläubiger vorbei ist. Anleihen sind teurer geworden und mit strengeren Bedingungen behaftet, etwa mit Pfandrechten gegen die Öl- und Gas-Assets der Bohrunternehmen. Der durchschnittliche Coupon erhöhte sich von 6,36 Prozent in 2014 auf 6,84 Prozent in 2015. Mehr als 22 Milliarden der insgesamt 235 Milliarden Dollar, zu denen 62 Unternehmen im North America Independend Explorers and Producers Index verschuldet sind, gelten bereits als notleidend.

Deren Renditen notieren mit mehr als 10 Prozentpunkten Aufschlag zu US-Staatsanleihen. Die US-Banken sind bereits dabei, die nächste Neubewertung der Kreditlinien für die Öl- und Gasunternehmen vorzubereiten. Diese finden traditionell zweimal im Jahr statt, jeweils im April und Oktober. Die Kredite basieren auf dem Wert der produzierenden Reserven, die mit den fallenden Ölpreisen geschrumpft sind.

Darüber hinaus, beginnen bei mehr und mehr Unternehmen die Hedging-Programme auszulaufen, die noch Öl-Verkaufspreise von 90 Dollar und mehr garantierten. Sobald diese Versicherungen auslaufen, wird es für viele Produzenten schwierig, den Kopf noch längere Zeit über Wasser zu halten.

Der "Tag der Abrechnung" für die US-Shale-Industrie rückt unaufhaltsam näher. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir über die kommenden Quartale eine Bereinigung im Ölmarkt sehen werden, die ihre Schatten noch über viele Jahre vorauswerfen wird. Man sollte sich dabei nicht nur an der US-Shale-Industrie orientieren. Denn was in den mehrheitlich negativen Schlagzeilen zur Situation im Ölmarkt verschwiegen wird, ist der natürliche Rückgang der konventionellen Produktion in den Nicht-Opec-Staaten.


Hintergründe: Deshalb kann Öl nur steigen!

Nach der Stabilisierung über den Frühling, leiden die Ölpreise nun unter einer "Sommergrippe". Brent Oil fiel in die Mitte der 50er-Dollar-Range - über das zweite Quartal lag der Preis bei durchschnittlich 65 Dollar pro Barrel. Die US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) testet derzeit die Marke von 50 Dollar und notiert rund 10 Dollar pro Barrel unter dem durchschnittlichen Preis über das zweite Quartal.

Der Sell-Off betrifft nicht nur die Spot-Preise, sondern zieht über die gesamte Terminmarkt-Kurve. So fiel etwa der Dezember 2018 Crude Oil Kontrakt zuletzt auf knapp über 60 Dollar pro Barrel, was dem tiefsten Stand seit Beginn der steilen Abwärtsbewegung im letzten November entspricht.

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Die Ursachen für die fallenden Ölpreise sind leicht zu finden, doch es fällt schwer, das, was sich hinter den Schlagzeilen verbirgt, ernst zu nehmen. Betrachten wir zunächst die Nachfrage-Seite. Hauptverantwortlich für die schwachen Ölpreise waren die Entwicklungen in drei Regionen: Griechenland, China und Iran.

Das europäische Krisenland, das seit Monaten die Schlagzeilen beherrschte, steht in etwa für einen Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt von 0,30 Prozent. In China belastete das Platzen einer Spekulationsblase am Aktienmarkt die Ölpreise. Doch selbst dann, wenn wir vom "Worst Case" ausgehen, dem völligen Kollaps der griechischen Wirtschaft und weiteren Kursstürzen am chinesischen Aktienmarkt - die Auswirkungen auf die Ölnachfrage wären minimal.


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