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US-Haushaltsblockade verhindert

01.10.2015  |  Folker Hellmeyer
S&P spekuliert auf aggressivere QE-Politik der EZB - US-Daten zum Teil prekär

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1150 (07.22 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1145 im asiatischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 120.23. In der Folge notiert EUR-JPY bei 134.05. EUR-CHF oszilliert bei 1.0883.

Der US-Kongress hat einen Übergangshaushalt verabschiedet, um eine Haushaltsblockade abzuwenden. Präsident Obama unterzeichnete das Gesetz. Damit ergibt sich bis zum 11. Dezember 2015 Luft, um eine nachhaltige Lösung im US-Kongress zu finden. Seit März gibt es keine verlässlichen Daten von der US-Treasury zur öffentlichen Verschuldung (Public debt), da sich der US-Staat ab diesem Zeitpunkt kreativ finanzierte. Die öffentliche Verschuldung wird seitdem bei marginalen Veränderungen bei circa 18.150 Mrd. USD ausgewiesen.

Fakt ist, dass das Wachstum der USA im Dunstkreis von 2% (Prognosen der Federal Reserve und des Weißen Hauses) mit einem Haushaltsdefizit von 4% - 5% des BIP erkauft wird.

Zum Vergleich: Die Neuverschulung der Eurozone wird voraussichtlich unterhalb der Marke von 2% des BIP ausfallen und das Wachstum wird bei mindestens 1,5% liegen. "Food for qualitative thought!"

Die Ratingagentur S&P macht gewollt oder ungewollt mit einer Annahme zur zukünftigen EZB-Politik Devisenkurspolitik. Das nehmen wir zur Kenntnis. Die Ratingagentur S&P hält eine Ausweitung des circa 1,1 Billionen EUR schweren Anleiheankaufprogramms der EZB für denkbar.

"Wir wären nicht überrascht, wenn die Notenbank schon Anfang Dezember bekanntgeben würde, dass sie ihr Programm über 2016 hinaus bis Mitte 2018 verlängern und auf ein Volumen von bis zu 2,4 Billionen Euro ausdehnen wird", äußerte der für Europa zuständige S&P-Chefvolkswirt in einem Bericht. Nach unserer gestern aktualisierten Informationslage gibt es derzeit keinen Ansatz für derartige Annahmen oder auch nur Diskussionen in der EZB. Es ist sicherlich auch nur zufällig, dass gerade gestern zwei äußerst ernüchternde Datensätze aus den USA veröffentlicht wurden, die unter Umständen aus dem Fokus genommen werden sollten.

Diese schwachen US-Daten erlauben eine Debatte über QE4 in den USA hinsichtlich der rückläufigen Konjunkturdynamik im gut bezahlten Sektor der Industrie. Bezüglich der vergangenen und jüngsten Konjunkturdaten der Eurozone ist eine Debatte über eine Ausweitung der QE-Maßnahmen der EZB dagegen derzeit ambitioniert.


Wenden wir uns den Fakten aus den USA zu:

Der Einkaufsmanagerindex aus Chicago brach per Berichtsmonat September von zuvor 54,4 auf 48,7 Punkte ein. Die Prognose lag bei 53,0 Zählern. Der Index markierte den viertschwächsten Wert seit September 2009. Damit signalisiert dieser Index für diese Region in dem Sektor Produktion Kontraktion.

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© Reuters


Auch der ISM-Index aus Milwaukee kollabierte per September dramatisch. Der Index sackte auf 39,44 Zähler und markierte den tiefsten Stand seit April 2009. Der Auftragsindex sackte 47,52 auf 35,51 Punkte. Der Beschäftigungsindex brach von 47,04 auf 41,88 Zähler ein.

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© Zerohedge


Die Indices aus Dallas, aus Milwaukee, aus Kansas, aus New York, aus Philadelphia und aus
Chicago signalisieren Kontraktion im Sektor Produktion.

Dieser Sektor der US-Wirtschaft steht für Jobs, die auch eine Familie ernähren können. "Food for thought" für die Federal Reserve.

Nachlaufende Indikatoren sind in den USA quantitativ weiter akzeptabel: Laut ADP nahm die Beschäftigung in der S-Privatwirtschaft per September um 200.000 zu. Die Prognose lag bei 194.000. Der Vormonatswert wurde von 190.000 auf 186.000 revidiert. Beachtlich ist jedoch, dass im laufenden Jahr netto 6.600 Jobs im produzierenden Sektor, der gut bezahlt ist, laut ADP abgebaut wurden. Für die Ökonomie ist nicht nur die Anzahl der Jobs, sondern die dahinter stehenden Lohnsummen entscheidend bezüglich der Konjunkturaussagen. Ergo ist das quantiative Bild akzeptabel, das qualitative Bild ist wenig erbaulich.


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