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Bill Holter: Die USA auf dem Weg zur Bananenrepublik?

01.11.2015
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf zwei aktuelle Entwicklungen lenken: Die Debatte über die Schuldenobergrenze in den USA und die neue Positionierung Russlands im Nahen Osten. Sind diese Ereignisse völlig und unabhängig voneinander, oder gibt es doch eine Verbindung?

Wenden wir uns zuerst der Schuldenobergrenze zu. Hier erleben wir zum wiederholten Mal den Wahnsinn, dass die Vereinigten Staaten ihren Bürgern und dem Rest der Welt zurufen, "Seht ihr, wir sind gar nicht pleite!" In einem gewissen Sinne ist das sogar wahr. Theoretisch könnten die USA Schulden in beliebiger Höher aufnehmen, denn Dollarscheine (Noten der Zentralbank Federal Reserve) zur Rückzahlung der Schulden können ebenfalls in beliebiger Menge gedruckt und herausgegeben werden. Praktisch gesehen verhält es sich jedoch anders. Wenn die Schuldengrenze bis auf 19,6 Billionen USD angehoben und ausgereizt wird, erhöht sich das Verhältnis der Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt auf über 110%.

Bitte sagen Sie mir nicht, ich sei verrückt, denn die tatsächlichen Schulden, inklusive nicht gedeckter Verbindlichkeiten und Versprechungen, belaufen sich auf mehr als 200 Billionen Dollar - und das BIP von etwa 18 Billionen Dollar "könnte" vielleicht ein paar "doppelt erfasste" Positionen enthalten. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die offiziellen Zahlen korrekt sind, stellt ein Verschuldungsgrad von 110% ein Problem dar. Schulden in Höhe von 100% des BIP stellen die Schwelle zu Bananenrepublik dar. Ja, es gibt "schlimmere" Beispiele (allen voran Japan mit einer Verschuldung von mehr als 300%), aber wir reden hier von dem Land, das die Reservewährung der Welt herausgibt. Wie können die USA die Schwelle zu Bananenrepublik überschreiten und immer noch erwarten, dass sie vom Rest der Welt respektiert werden?

Kommen wir zum zweiten Thema: Nur einen Monat nachdem Russland begonnen hatte, den syrischen Machthaber Assad zu unterstützen, bat auch Afghanistan Moskau um Hilfe - und könnte sie auch erhalten. Warum? Und warum gerade jetzt? Die erste Frage ist leicht zu beantworten: Weil die USA sich aufführen wie ein selbsternannter Oberbulle, der nur die Regeln durchsetzt, die ihm passen. Sie erzeugen nur noch weitere Tumulte, sodass Ruhe und Frieden in der Region keine Chance haben. Auch der Zeitpunkt ist keine Überraschung: Die Vereinigten Staaten hatten ursprünglich geplant, 9.000 der verbleibenden 10.000 in Afghanistan stationierten Truppe im Laufe des kommenden Jahres abzuziehen. Das hätte ein Vakuum hinterlassen, das die afghanische Regierung allein nicht füllen kann. Dieser Exodus wurde seitdem wieder verschoben.

Ich glaube, dass es bei diesen beiden Geschichten einige Gemeinsamkeiten gibt. Beide illustrieren, dass den USA die "Macht" langsam entgleitet. Die großen Aushängeschilder des Landes, der Dollar und das Militär, werden als schwächelnd wahrgenommen. Können Sie sich vorstellen, dass das russische Militär vor zehn oder zwanzig Jahren, oder selbst noch vor fünf Jahren in den Nahen Osten einmarschiert wäre? Oder dass die Chinesen so riesige Mengen Gold importieren wie zur Zeit oder, schlimmer noch, eine Alternative zum SWIFT-System einrichten?

Ich erwähne diese Entwicklungen, weil sie früher unvorstellbar waren. Wir schwimmen schon seit Längerem in einem Topf mit heißem Wasser, doch jetzt werden wir wirklich gekocht und die Leute bemerken es nicht einmal. Keiner interessiert sich in den USA dafür - dort ist "Business as usual" angesagt. Im Ausland wird das allerdings ganz anders gesehen als in Amerika. Weltweit erkennen viele Menschen ganz genau, was geschieht, warum es so kommen muss und wie es enden wird. Wir haben uns schrittweise immer weiter auf den moralischen, sozialen und finanziellen Bankrott zubewegt...das wird uns jetzt einholen.

Die USA werden behandelt wie einen Bananenrepublik, die leere Drohungen ausspricht. Das neuste Unterfangen ist die Entsendung von US-Marineschiffen zu den Inseln im Südchinesischen Meer; der Ausgang bleibt abzuwarten. China hat sich bereits öffentlich gefragt, was in der Welt sich die Amerikaner dabei denken. Gestern hat Präsident Obama die USS Lassen beordert, von China beanspruchte Gewässer zu kreuzen.

Ich sage es wirklich nicht gern, aber das Folgende ist offensichtlich. China ist der größte Kreditgeber der USA. Sollte das Reich der Mitte stark genug verärgert werden, könnte es einfach US-Staatsanleihen verkaufen und unsere Kreditmärkte lahmlegen. Einige werden mir jetzt sicherlich wieder schreiben und sagen "China würde das niemals tun und wenn doch, dann kauft die Fed einfach alle abgestoßenen Treasuries auf."

Was aber ist, wenn China nur einen vergleichsweise geringen Anteil der US-Anleihen verkauft und den Erlös verwendet, um auf jede einzelne Unze Gold zu bieten, die der Westen auf dem Markt anbietet? Kann die Fed dann ein paar Tonnen "drucken"? Wie viel Kapital wäre dazu überhaupt notwendig? 5 Milliarden USD? 10 Milliarden? Es spielt eigentlich gar keine Rolle - China kann sicherlich auch die letzte Unze des Westens aufkaufen und hätte immer noch Geld übrig. Lachen Sie nicht...Ich bin mir sicher, dass diese Möglichkeit schon vor Jahren in mehr als einem Kopf durchgespielt wurde.


© Bill Holter
Holter-Sinclair collaboration


Der Artikel wurde am 27. Oktober 2015 auf www.jsmineset.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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