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Silber auf Kredit kaufen?

14.05.2006  |  Reinhard Deutsch
Walter K. Eichelburg beleuchtet mit seinem interessanten Beitrag "Kredite im Crash" ein für alle Investoren wichtiges Thema. Nämlich die Frage, soll man sich jetzt auf eine Hyperinflation oder auf einen deflatorischen Kollaps vorbereiten. Leider lässt er mit einem klaren Sowohl als Auch seine Leser, wie ich meine, letztlich im Unklaren.

Wenn Eichelburg am Schluss schreibt: "Ich wurde auch gefragt, ob man nicht Gold und ähnliches auf Kredit kaufen soll, um einen Hebeleffekt zu haben. Wahrscheinlich steigt man gut damit aus, ich empfehle es aber trotzdem nicht." So fragt sich der Leser zu Recht - also was denn nun?

Eichelburg schreibt sogar: "In einer Situation wie jetzt, sollte man überhaupt keine Kredite laufen haben. Ich kann nur allen Lesern empfehlen, ihre Kredite zurückzuzahlen und gegebenenfalls Haus/Wohnung zu verkaufen und in der Zwischenzeit zu mieten." Er begründet das mit Sätzen wie: "In einem nichtlinearen Gemisch aus Deflation und Hyperinflation ist jeder Kredit pures Gift. In jeder Art von Wirtschaftskrise sollte man keine Kredite laufen haben."

Zur Begründung verweist er auf die Schriften von Günter Hannich sowie Eberhard und Eike Hamer, die wie andere Crashpropheten auch zuerst einen deflatorischen Kollaps erwarten und anschließend eine Hyperinflation. In diesem Fall ist es natürlich sinnvoll, zunächst sich zu entschulden und Bargeld zu bunkern, wie es z. B. Hannich und Paul C. Martin empfehlen, weil Bargeld im deflatorischen Kollaps immer wertvoller wird. Aber ist ein Ablauf, wie ihn auch Eichelburg wie folgt beschreibt, überhaupt plausibel?

Zusammenfassung des Ablaufs:
  • 1. Stufe: Abverkauf des Dollars und dann der anderen Währungen mit Zinsexplosion
  • 2. Stufe: Massenbankrotte inklusive Staatsbankrotte
  • 3. Stufe: Euro zerbricht, Staaten beginnen massiv zu monetisieren, Hyperinflation
  • 4. Stufe: Stabilisierungskrise, neue Währung wird eingeführt


Nach diesem Ablauf kommt also erst der deflatorische Kollaps und dann die Hyperinflation, d.h. nach Vorstellung der Crashpropheten stellt erst der Staat die Zahlung ein, um anschließend das Publikum mit Geld zu überschwemmen, um dann in einer irgendwie gearteten "Stabilisierungskrise" schließlich eine neue Währung einzuführen. Eichelburg schreibt dann: "Vorrübergehend werden die Staaten dann (in Stufe 2) zumindest zahlungsunfähig werden, Beamtengehälter und Pensionen, sowie Sozialleistungen werden gekürzt oder längere Zeit nicht bezahlt. Anschließend werden zumindest einige Staaten aus dem Euro ausbrechen und in eine hyperinflationäre Spirale eintreten."

Irgendwie purzelt da von der Logik her etwas durcheinander und man hat das Gefühl, das kann so nicht stimmen. Ich denke, genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Erst kommt die Hyperinflation und anschließend eine Währungsreform. Die Schulden werden nicht über den deflatorischen Kollaps ausgebucht, sondern über die Hyperinflation. In diesem Fall macht es Sinn, sich zu verschulden. Ich will versuchen, diesen Standpunkt kurz zu begründen.

Eichelburg weist zu Recht auf die riesige weltweite Verschuldung hin. Ein Phänomen, das es in dieser Form bisher noch nie gegeben hat, weshalb die Orientierung an vergangenen Abläufen (Hyperinflation 1923, Deflation 1933 ff) leicht in die Irre führen kann. Von den Crashpropheten wird meist die deflationäre Variante bevorzugt mit 1933 als Vorbild. Damals ging in der Tat die Geldmenge zurück, die Preise fielen, der Geldwert stieg und die Weltkonjunktur brach ein. In einem solchen Szenario ist eine Verschuldung natürlich Gift, weil die Kaufkraft des Geldes steigt und damit die Schulden immer drückender und schwerer bedienbar werden. Man muss also unbedingt schuldenfrei in eine solche Phase gehen.

Aber ist eine solche Entwicklung heute plausibel und wahrscheinlich? Haben wir nicht eine völlig andere Situation? 1929/30, als die große Depression begann, hatten wir einen Goldstandard. Der war zwar bereits aufgeweicht und es mussten nur ca. 40% Gold als Deckung vorgehalten werden, aber es bestand Einlösepflicht in Gold für Banknoten. Als 1933 der Bankrun einsetzte, wollten die Leute ihr Gold abholen und der Vorrat war rasch erschöpft. Roosevelt hat dann die Banken geschlossen und verkündet, jeder bekäme sein Geld (in Papier), wenn die Banken wieder öffnen, privater Goldbesitz sei allerdings verboten. Die Menschen sind auf diesen Trick hereingefallen und waren froh, dass die Banken überhaupt wieder aufmachten und sie an ihr Geld kamen.

Viele Banken und Firmen gingen nach 1929 pleite und die aufgeblähte Kreditgeldmenge (nicht die Goldgeldmenge) schrumpfte dramatisch. Dadurch trat der in der Geldgeschichte äußerst seltene Fall ein, dass das noch vorhandene Geld, das ja immer noch offiziell mit Gold gedeckt war, immer wertvoller wurde. Es machte also Sinn, Geld zu bunkern, Kredite waren tödlich.

Wir haben aber heute keine Golddeckung mehr. Staat und Banken können heute in beliebiger Menge Geld erzeugen. Der große Irrtum der Crashpropheten liegt darin, dass sie irgendwie noch den Goldstandard von 1930 im Kopf haben, dass sie glauben, die Geldmenge sei noch irgendwie begrenzt und der Staat könne seine Beamten nicht mehr bezahlen, weil ihm das Geld aus geht. Aber genau dieser Fall wird heute mit Sicherheit nicht eintreten. Man hat nicht 200 Jahre daran gearbeitet, sich von der Edelmetallfessel zu befreien, um jetzt von dieser Freiheit keinen Gebrauch zu machen. Seit etwa 35 Jahren ist keine Währung der Welt mehr an Gold oder irgendetwas anderes gebunden. Das ist ein völlig neues Experiment, das hat es vorher noch nie gegeben, weshalb wir aus den 30er Jahren auch keine sinnvollen Schlüsse ziehen können.

Seit der Abschaffung der Goldbindung können Staat und Banken sich beliebig verschulden und beide können im Zusammenspiel beliebige Mengen Geld erzeugen. Der Marktwert von Häusern ist in den wichtigsten Volkswirtschaften in den Jahren 2000 - 2005 von ca. 30 Billionen auf 70 Billionen gestiegen und die Marktkapitalisierung von Aktien an den weltweiten Aktienbörsen hat sich in dieser Zeit bereits wieder verdoppelt von 20 auf ca. 40 Billionen Dollar, weil die Geldmenge immens gestiegen ist.

Warum sollten sich diese Werte nicht nochmals verdoppeln in den nächsten 5 Jahren, mit einem entsprechenden (imaginären) Gewinn, der dann zusätzlich beliehen werden kann. Die Inflation ist halt ein schleichendes Gift, das lange Zeit erst sehr angenehm wirkt. Steigende Aktien- und Häuserpreise werden nicht als Inflation, sondern als angenehme Wohlstandsmehrung empfunden, die zusätzliche Verschuldung ermöglicht.

Herr Hannich und die Debitisten gehen immer irrtümlich von einer Rückzahlung der Schulden aus. Das darf natürlich nicht passieren. Wie Eichelburg zu Recht schreibt, ist das ja ohnehin nicht mehr möglich. Die Sparrhetorik unserer Regierung ist insofern ausgesprochen irreführend. Sie dient allerdings ohnehin nicht dem Sparen sonder mehr der Täuschung zwecks Erhaltung des Vertrauens in den Geldwert

Wir können aber mit großer Sicherheit darauf vertrauen, dass es zu einer Hyperinflation kommen wird. In diesem Fall macht es Sinn, sich zu verschulden und Sachwerte zu kaufen. Gold und Silber sind dafür besonders geeignet, einmal weil sie wahrscheinlich wieder zu Geld werden, zum anderen aber, weil sie als Sachwerte derzeit, im Gegensatz zu Immobilien immer noch extrem unterbewertet sind.

Die Inflation der letzten Jahrzehnte ist an Gold und Silber völlig vorüber gerauscht. Silber müsste irgendwo bei 25 und Gold bei 1400 stehen, um nur die Geldentwertung auszugleichen. In einer Hyperinflation können Gold und Silber natürlich ungeahnte Preise erreichen und Ihre alten Schulden können Sie dann mit einem Krümel Gold zurückbezahlen. Es kommt jetzt mehr darauf an, Ruhe zu bewahren und sich auch von starken Preissteigerungen nicht verleiten zu lassen, sein Edelmetall gegen Altpapier (fiat money) zu verkaufen, so wie es Warren Buffett jetzt mit seinem Silber passiert ist. Ein psychologisch gutes Vehikel dafür ist Silberkunst (www.bullion-art.de), die verkauft man nämlich nicht so schnell.

Um die eingangs an Eichelburg gestellte Frage mal praktisch zu beantworten. Wenn man im Jahr 2001, z.B. für 100.000 Euro Silber gekauft hat und zusätzlich für weitere 100.000 Euro Silber auf Kredit in Dollar, indem man das ganze Silber für den Dollarkredit verpfändet hat, so hat man heute praktisch für 400.000 Euro Silber und der Kredit hat in Euro praktisch nichts gekostet, im Gegenteil, man schuldet heute weniger Euro als im Jahr 2001 in Form von Dollar geliehen wurden. Es war also sinnvoll, Silber auf Kredit zu kaufen.

Die Crashpropheten haben allerdings auch damals schon dringend vor Krediten gewarnt. Natürlich erhöht man mit dem Kredit nicht nur die Chancen sondern auch die Risiken. Die Hunts haben ihr ganzes Vermögen verloren, weil sie Silber auf Kredit gekauft haben und nicht damit gerechnet haben, dass Paul Volker den Zins auf 20% erhöht um den Dollar zu retten. Bernanke könnte das auch machen. Wie wahrscheinlich das ist, muss jeder selbst entscheiden.


© Reinhard Deutsch



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