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Silberdefizit von 1 Mrd. Unzen - Wann reagieren die Preise?

20.11.2015  |  Steve St. Angelo
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Hinweis: Die Zahl für 2015 stellt eine Schätzung dar. Ich denke, dass sich bei der Korrektur der Werte im nächsten Jahr herausstellen wird, dass das angenommene Defizit in Höhe von 21,3 Mio. Unzen in Wirklichkeit noch größer ist. In zukünftigen Artikeln werde ich diesen Punkt im Detail untersuchen, aber ich bin der Ansicht, dass die Schätzung der Münz- und Barrennachfrage für dieses Jahr viel zu niedrig angesetzt ist.

Die Abänderung des ursprünglich gemeldeten Überschusses in Höhe von 2,6 Mio. Unzen in ein Defizit von 27,5 Mio. Unzen beruhte zum Großteil auf der Korrektur der Daten zur globalen Silberfördermenge um 12 Mio. Unzen (von zuerst 877 Mio. Unzen auf letztlich insgesamt 865 Mio. Unzen) sowie auf der Gesamtnachfrage nach Silbermünzen und -barren, die höher ausfiel, als erwartet. Die Investitionsnachfrage wurde zunächst mit 196 Mio. Unzen angegeben, belief sich aber tatsächlich auf 203,5 Mio. Unzen.

Wenn man alle Defizite von 2004-2015 addiert, stellt sich heraus, dass der Fehlbetrag in diesen Jahren insgesamt mehr als eine Milliarde Unzen erreicht - 1.021 Mio. Unzen, um exakt zu sein. Das ist eine ganze Menge Silber. Woher also stammte all das Silber und ist das überhaupt wichtig?


Wann sind die Fundamentaldaten von Silber von Bedeutung?

Das ist eine Frage, die sich eine steigende Zahl von Edelmetallinvestoren stellt. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, weil es die Frage ist, die mir am häufigsten per E-Mail gestellt wird. Leider lässt sich anhand der Fundamentaldaten nicht der genaue Zeitpunkt feststellen, wann diese wirklich wieder von Bedeutung sein werden. Aber zumindest lassen die vorliegenden Daten einen allgemeinen Trend erkennen, der uns einige wichtige Hinweise liefert.

Hier ist ein Auszug aus dem Zwischenbericht des Silver Institute für das Jahr 2015 zum Thema der physischen Silberdefizite:

"Für das Gesamtjahr 2015 wird am physischen Silbermarkt ein Fehlbetrag in Höhe von 42,7 Mio. Unzen erwartet. Damit besteht bereits das dritte Jahr in Folge ein Defizit an physischem Silber. Die Defizite haben zwar kurzfristig gesehen nicht zwangsläufig einen Einfluss auf die Preisentwicklung, doch nach mehreren Jahren können sie beginnen, einen Aufwärtsdruck auf die zukünftigen Preise auszuüben. In diesem Jahr haben sich die Silberbestände der ETFs und in den Lagerhäusern der Terminbörsen jedoch auf Netto-Basis verringert, wodurch der Einfluss des physischen Defizits abgemildert wird. Die Netto-Bilanz beläuft sich auf -21,3 Mio. Unzen."

Der wichtigste Aspekt des obenstehenden Auszugs ist, dass jährliche Silberdefizite nach mehreren Jahren einen Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben können. Das Interessante dabei ist, dass die Defizite bereits seit zwölf aufeinanderfolgenden Jahren bestehen, wenn man auch die Änderungen der ETF- und Börsenbestände mit einbezieht. Im aktuell vorliegenden Bericht wird diese Tatsache allerdings nicht angesprochen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die starke Erhöhung der weltweiten ETF-Silbervorräte in den Jahren 2006 bis 2010 mit Hilfe von physischem Silber erfolgen musste, das auf dem Markt angeboten wurde. Nach Angaben des Silver Institute betrug der Zuwachs bei den ETFs in diesen fünf Jahren 569 Mio. Unzen.

Woher kam also all das Silber, das die Entstehung eines Nachfrageüberhangs in Höhe von mehr als 1 Milliarde Unzen in den vergangenen zwölf Jahren überhaupt erst möglich machte? Das ist die 1-Million-Dollar-Frage. Ich denke, dass es aus einer Quelle stammte, die als "nicht erfasste überirdische Reserven" bekannt ist. Der Umfang dieser nicht statistisch erfassten Silbervorräte kann auch von offizieller Seite nur geschätzt werden, doch man geht davon aus, dass er seit den 1990er Jahren sehr stark abgenommen hat.

Die CPM Group berichtete, dass sich die "abgeleiteten, nicht erfassten Silberreserven" im Jahr 1990 auf rund 2,2 Milliarden Unzen beliefen und damit ihren Höchststand erreichten. Bis 2014 seien sie jedoch auf unter 200 Mio. Unzen gefallen. Das Silber aus diesen unbekannten Beständen diente also innerhalb der letzten 25 Jahre sowohl zum Ausgleich des Angebotsdefizits als auch zur Erhöhung der Edelmetallvorräte der ETFs.

Es ist unmöglich zu wissen, wie viel Silber in diesen nicht offiziell erfassten Beständen noch vorhanden ist, das zur Deckung des weiterhin bestehenden jährlichen Nachfrageüberhangs verwendet werden kann - aber es ist wahrscheinlich viel weniger, als wir denken.

Im Bereich der Silberinvestitionen waren die ETFs das Marktsegment, das von dem plötzlichen Preiseinbruch um 60% am stärksten betroffen war. Wie ich oben erwähnte, betrug der Netto-Zuwachs der globalen ETF-Bestände zwischen 2006 und 2010 569 Mio. Unzen. Zwischen 2011 und 2015 erhöhten sich die Bestände auf Netto-Basis jedoch gerade einmal im 18,2 Mio. Unzen. Was wäre geschehen, wenn der Preis ab 2012 weiter gestiegen wäre? Die Mainstream-Investoren hätten in Scharen Silber-ETFs gekauft und deren weltweite physische Reserven hätten stark zugenommen. Zusammen mit der ebenfalls gestiegenen Nachfrage nach Silbermünzen und -barren hätte das die verbleibenden "nicht erfassten überirdischen Reserven" enorm dezimiert und unter Druck gesetzt.

Obwohl die Stimmung an den Edelmetallmärkten derzeit wahrscheinlich schlechter ist als je zuvor, müssen sich die Investoren bewusst machen, dass an den globalen Finanzmärkten absolut nichts in Ordnung gebracht wurde. Es ist wahr, dass die US-Notenbank und andere Zentralbanken die Märkte nun schon länger stützen, als wir gedacht hätten. Der Zusammenbruch des größten Ponzi-Systems, das je errichtet wurde, kann dadurch jedoch nur hinausgezögert, nicht verhindert werden.


© Steve St. Angelo
(SRSrocco)


Dieser Artikel wurde am 18. November 2015 auf srsroccoreport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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