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Rick Rule über Gold, gute Investments und den Bergbausektor

07.01.2016  |  The Gold Report
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The Gold Report: Gibt es im Rohstoffsektor weit verbreitete Ansichten, die Ihrer Meinung nach nicht zutreffen?

Rick Rule: Ja, ich denke schon. Als Amerikaner glaube ich leider, dass die Überlegenheit der US-Wirtschaft gegenüber dem Rest der Welt ein weit verbreiteter Mythos ist. Erinnern Sie sich daran, dass sich die Argumentation zu Gunsten von Gold 2011 auf die Verbindlichkeiten konzentrierte, die auf der Bilanz der US-Regierung auftauchten? Es ging dabei nur um die Schulden des Weißen Hauses, die sich damals auf 16 Billionen USD beliefen, die Schulden auf Ebene der einzelnen Bundesstaaten und Gemeinden wurden ausgeklammert.

Diese Staatsschulden wurden vor dem Hintergrund einer Nationalökonomie, die jährlich neue private Ersparnisse in Höhe von 500 Milliarden USD erwirtschaftet, als nicht rückzahlbar angesehen. Wenn 16 Billionen USD im Jahr 2011 nicht rückzahlbar waren, wie können dann heute 19 Billionen weniger problematisch sein? Ist es heute eher möglich, die Verbindlichkeiten in Höhe von 90 Billionen USD für Sozialleistungen und das Gesundheitswesen zu erfüllen, als 2011, als sich die zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen der Regierung noch auf 55 Billionen USD beliefen?

Meine Vermutung ist, dass diese Werte heute anders interpretiert werden, weil die Lehren aus der Krise von 2008-2009 im Jahr 2011 noch gegenwärtiger waren. In den 40 Jahren, die ich bereits in der Finanzbranche tätig bin, habe ich beobachtet, dass die Erwartungen der Menschen an die Zukunft von den Erfahrungen geprägt werden, die sie in der jüngsten Vergangenheit gemacht haben. Und die Erfahrung, die wir zwischen 2011 und 2015 gemacht haben, war, dass sich die Vordenker dieser Welt - die Yellens, Merkels und Obamas - irgendwie durchgewurstelt haben. Doch die Liquidität, die sie in das System injiziert haben, ist nicht das gleiche wie Zahlungsfähigkeit. Das ist die große, weitverbreitete Annahme, die grundlegend falsch ist. Was ich jedoch nicht weiß, ist wann die Abrechnung kommt.


The Gold Report: Kommen wir noch einmal zu Soros zurück und zu den Wetten gegen diese falschen Grundannahmen. Wie würde eine solche Wette in diesem Fall aussehen?

Rick Rule: Zum einen gibt es die Möglichkeit, in Gold zu investieren. Zum anderen denke ich aber, dass Sie auch Dollar benötigen, denn Barmittel geben Ihnen den Mut und die Möglichkeiten, von einer Situation wie 2008 zu profitieren. Sollte sich die Lage jedoch so entwickeln, dass das Vertrauen in den US-Dollar und die US-Staatsanleihen zu bröckeln beginnt, würde Gold als großer Gewinner hervorgehen.

Die Geschichte lehrt uns, dass Sie nur eine sehr niedrige Prämie zahlen müssen, wenn Sie Gold als eine Art Vermögensversicherung verwenden - eine geringe Menge Gold in Ihrem Portfolio verschafft Ihnen bereits eine hohe Versicherungssumme. Anders gesagt verfügt der Goldpreis über ein solches Aufwärtspotential, dass schon vergleichsweise geringe Mengen reichen, um Ihr Portfolio gegen Verluste in anderen Bereichen abzusichern.


The Gold Report: Sprechen Sie von physischem Gold?

Rick Rule: Meine Aussage trifft sowohl auf physisches Gold als auch auf Stellvertreter wie den Sprott Physical Gold Trust, den Sprott Physical Silver Trust und den Sprott Physical Platinum and Palladium Trust zu.


The Gold Report: Soros hat ebenfalls gesagt, dass es manchmal zwei oder drei Jahre dauern kann, bevor sich eine Wette tatsächlich als gewinnbringend erweist. Wenn wir davon ausgehen, dass der Goldpreis steigt, wenn das Vertrauen in den US-Dollar abnimmt, welche Rolle nehmen dann die Aktien der Goldunternehmen bei der Wette gegen den Status Quo ein?

Rick Rule: Ich bin der Ansicht, dass es wichtig ist, zwischen Goldanlagen und Investitionen in Goldaktien zu unterscheiden. Wenn Sie denken, dass Gold steigen wird, sollten Sie meiner Meinung nach Gold kaufen. Aber kaufen Sie nicht aus dem gleichen Grund die Aktien der Minengesellschaften. Das gilt ganz besonders für die Junior-Unternehmen. Die Leute fragen mich immer wieder, "Rick, wenn der Goldpreis steigt, wie wird sich das dann auf den Aktienkurs meines kanadischen Junior-Unternehmens, Vereinte Elchwiesenminen Ltd., auswirken?" Die Wahrheit ist, dass Vereinte Elchwiesenminen Ltd. kein Gold besitzt. Es sucht nach Gold.

Wenn der Preis eines Rohstoffes, den das Unternehmen gar nicht besitzt, steigt, hat das kaum Auswirkungen auf den inneren Wert der Unternehmensaktien. Ich gebe gern zu, dass die Hebelwirkung bei den besten 10% der Goldaktien wirklich grandios ist, aber Sie müssen diese Wertpapiere kaufen, weil das Management der Unternehmen einen relativen Mehrwert schafft. Sie sollten die Aktien nicht in der Hoffnung auf eine Vervielfachung der Gewinne des Goldpreises kaufen. Das wird Sie nicht für die Risiken entschädigen. Das Unternehmen muss auch auf andere Weise einen Fortschritt erzielen können.

Die harte Wahrheit ist, dass die Gold-Bergbauindustrie in den letzten 40 Jahren trotz der realen Erhöhung des Goldpreises Kapital auf sehr effiziente Art vernichtet hat. Um den Widerstand zu überwinden, den ein ineffizientes Unternehmensmanagement der Hebelwirkung gegenüber physischem Gold entgegensetzt, von der Sie theoretisch beim Aktienkauf profitieren sollten, müssen Sie schon sehr gut darin sein, die richtigen Wertpapiere auszuwählen. Ich habe in den vergangenen 40 Jahren mit Aktien ein enormes Vermögen gemacht. Doch nur weil ich verstanden habe, was sie sind (und was nicht), war es mir möglich, eine bessere Auswahl zu treffen.


The Gold Report: Auf dem Silver Summit habe ich Sie erstmals das Konzept der "Optionalität" erklären hören. Welchen Rat haben Sie angesichts dieser Marktlage für Investoren im Bergbausektor?

Rick Rule: Für diejenigen Leser, die sich auf spekulative Trades einlassen und bereit sind, die nötigen Recherchen anzustellen, gibt es eine Gruppe von Juniors, die eine enorme Leverage bieten, wenn sich die Wahrnehmung zu Gunsten von Gold und Goldaktien ändert. Es ist vollkommen unlogisch, mit der Minenproduktion zu beginnen, wenn man denkt, dass der des Preis des Rohstoffs in Zukunft steigen könnte.

Sagen wir, zwischen dem Produktionsbeginn und dem Preisanstieg liegen fünf Jahre. Dann bedeutet das, dass Sie in der Zwischenzeit mehr als die Hälfe Ihrer Goldlagerstätte abgebaut und das Edelmetall zu niedrigen Preisen verkauft haben, immer in der Hoffnung auf zukünftig steigende Kurse. Wenn der Preis schließlich Aufwind bekommt, haben Sie dort, wo einmal Ihr Gold war, nur ein Loch im Boden. Ziemlich dumm.

Eine viel bessere Strategie ist es, die Vorkommen aufzukaufen, solange der Goldpreis niedrig ist. Diese bleiben dann erst einmal im Boden, damit kaum Kapital in Anlagen und Maschinen investiert werden muss. Größere Ausgaben führen an diesem Punkt nur dazu, dass Sie Aktien herausgeben müssen, wodurch Ihr prozentualer Besitzanteil an der Lagerstätte abnimmt.


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