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Fünf Jahre, die den Silbermarkt für immer verändert haben

02.04.2016  |  Theodore Butler
Wenn Sie jemanden, der sich oberflächlich mit dem Silbermarkt beschäftigt, fragen, wie es dem Edelmetall in den letzten fünf Jahren ergangen ist, werden Sie mit Sicherheit zu hören bekommen, dass der Preis von knapp 50 Dollar je Unze im April 2011 auf weniger als 14 Dollar während der jüngsten Tiefs gefallen ist. Damit ist der Silberkurs fast 70% gesunken. Wenn Sie noch weiter nachhaken, wird man Ihnen wahrscheinlich eine Reihe von Gründen für den Kursverfall nennen, von einem Überangebot an Silber, dem starken US-Dollar und den sinkenden Inflationsraten bis hin zum Zusammenbruch der Rohstoffmärkte.

In den vergangenen fünf Jahren ist jedoch eine ganz spezielle Entwicklung bekannt geworden, über die Sie nichts hören werden, obwohl genau diese Entwicklung dazu führen wird, dass der Silberpreis künftig förmlich explodieren und auch die bullischsten Erwartungen und Kursziele übertreffen wird. Sie werden wahrscheinlich auch nicht erfahren, dass der erstaunliche Kurseinbruch des weißen Metalls innerhalb der letzten fünf Jahre ein bewusst herbeigeführter Bestandteil dieser ungewöhnlich bullischen Situation ist, die einen dauerhaften Wandel der künftigen Preislage verspricht.

Obwohl ich den Silbermarkt seit mehr als 30 Jahren intensiv beobachte und untersuche und dabei mehr neue Erkenntnisse aufgedeckt habe, als irgendjemand sonst (einschließlich der Manipulationen des Silberpreises), gebe ich offen zu, dass ich die monumentalen Veränderungen, die vor fünf Jahren ihren Anfang nahmen, nicht sofort erkannt habe. Die Entwicklung, die ich meine, begann 2011 und wurde mir erst gegen Ende des Jahres 2013 wirklich bewusst.

Ich entdeckte, dass die größte Bank der Vereinigten Staaten - JP Morgan Chase - im Jahr 2011 begonnen hatte, enorme Mengen an physischem Silber zu horten, und diese Käufe bis zum heutigen Tag fortsetzt. Alles in allem hat die Bank meiner Meinung nach zwischen 400 und 500 Millionen Unzen angehäuft und verfügt damit über die größten Silbervorräte, die sich in der Geschichte je in Privatbesitz befanden.

Das bedeutet, dass der Silberpreis in Zukunft viel höher steigen wird, als wir uns vorstellen können. Ich habe nicht nach einem weiteren Faktor gesucht, der meine bereits äußert optimistische Einschätzung der Silberpreisentwicklung bestätigt, aber ich habe einen gefunden. Wann immer JP Morgan eine große Investition tätigt, geschieht das natürlich mit dem Ziel, mit dieser Anlage so viel Profit wie möglich zu machen. Die Großbank befindet sich nun einer Position, in der sie außerordentlich von einem Anstieg des Silberpreises profitieren würde. Gleiches gilt daher auch für alle anderen Investoren, die Silber besitzen.

Wie kommt es nun, dass JP Morgan hunderte Millionen Unzen physischen Silbers angehäuft hat? Es begann mit der Finanzkrise von 2008, als JP Morgan die insolvente Investmentbank Bear Stearns übernahm, die bis dahin die größten Leerverkäufe am Silbermarkt der New Yorker Terminbörse COMEX getätigt hatte. JP Morgan trat ohne Umschweife in die Fußstapfen von Bear Stearns als wichtigster Manipulator der Edelmetallmärkte und fuhr damit fort, die Preise an der COMEX von 21 Dollar im März 2008 mit Hilfe massiver Leerverkäufe auf unter 9 Dollar zu drücken.

In den folgenden Jahren sollte JP Morgan seine neue Rolle als größter Silber-Short-Seller der COMEX hervorragend ausfüllen und Milliarden von Dollar an laufenden Gewinnen einfahren. Die Strategie der Bank bestand darin, Silber bei Preisrallys zu shorten und diese Positionen dann einzudecken, wenn sie die Preise nach unten manipuliert hatte.

Mit diesen manipulativen Absichten und diesem betrügerischen Vorgehen erzielte JP Morgan bis Ende des Jahres 2010 auf der Short-Seite des Silberhandels an der COMEX auf gesetzeswidrige Weise enorme Gewinne. Doch dann ließ eine beginnende physische Silberknappheit den Preis bis Ende April 2011 auf fast 50 US-Dollar steigen.

Darauf war JP Morgan allerdings nicht vorbereitet und der plötzliche Preisanstieg hätte die Investmentbank fast ruiniert. Zu dieser Zeit dämmerte es der Bank, dass sie sich mit ihren Short-Positionen auf der falschen Seite des Marktes befand und man beschloss, zu richtigen Seite zu wechseln - zu den Long-Positionen. Doch zuerst mussten die Shorts abgestoßen werden.

Dazu drückte JPM die Preise der Silber-Futures mit dem vollen Einverständnis der COMEX und der staatlichen Regulatoren der CFTC in den Keller. Dieser Prozess hält bis zum heutigen Tage an. Am 1. Mai 2011 konnte die Bank die Silberpreise wieder unter ihre Kontrolle bringen und für einen jähen Kurssturz sorgen, der die zunehmende Investitionsnachfrage abtötete, welche der Auslöser für die physische Knappheit gewesen war.

Doch obwohl JP Morgan die Silberpreise der COMEX wieder kontrollierte, konnte die Bank nicht so viele Terminkontrakte erwerben wie sie wollte, ohne dadurch einen substantiellen Preisanstieg zu verursachen. Sie benötigte also einen anderen Ansatzpunkt. Infolgedessen begann sie mit dem Kauf von physischem Silber, während sie weiterhin Silber-Futures an der COMEX shortete.

So konnte JP Morgan mit den Leerverkäufen einen Gewinn erwirtschaften und beim Kauf von physischem Silber gleichzeitig von dem niedrigen Preisniveau profitieren, das das Unternehmen selbst geschaffen hatte. In einem Artikel 229658 vom Dezember 2014 bezeichnete ich dieses Vorgehen der Investmentbank als "perfektes Verbrechen".

JP Morgan hat sich gesetzeswidrig verhalten, indem die Bank die Preise nach unten manipulierte und zur selben Zeit so viel Silber wie möglich aufkaufte. Es gibt jedoch keine Begrenzungen dafür, welche Mengen eines physischen Rohstoffs eine Finanzinstitution vorhalten darf. Für Futures und andere Derivate gelten gewisse Vorschriften (auch wenn diese nur teilweise durchgesetzt werden), nicht aber für Rohstoffe. JP Morgan stand es daher frei, so viel physisches Silber anzusammeln, wie die Bank konnte.

Die Situation gestaltete sich dabei äußert günstig: Da der Silberkurs an der COMEX über den Silberpreis der gesamten Welt entscheidet, konnte JP Morgan die COMEX-Kurse nach unten drücken und anschließend ungeheure Mengen physischen Silbers zu lächerlich geringen Preisen aufkaufen.


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