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Sind die Goldreserven der Zentralbanken ein einziger Schwindel?

09.04.2016  |  Lawrence Williams
Die meisten Goldanalysten scheinen den Angaben Chinas über die Goldreserven seiner Zentralbank keinen Glauben zu schenken. Das Reich der Mitte hat auch früher schon nicht die Gesamtheit seiner Goldvorräte in den Depots verwahrt, deren Höhe es monatlich dem IWF meldet, sondern Teile des Goldes anderweitig verbucht. Von Zeit zu Zeit wurden gewisse Goldmengen dann in das Depot verlagert, über das jeden Monat Bericht erstattet wird. Zuletzt geschah das im Juli vergangenen Jahres, als sich die offiziellen Reserven des Landes von 1.054 Tonnen Gold über Nacht auf 1.658 Tonnen erhöhten - ein Anstieg von 57%.

Seitdem hat China jeden Monat die Höhe seiner offiziellen Goldbestände gemeldet, doch niemand außerhalb des chinesischen Regierungssystems kann sagen, ob diese Zahlen die chinesischen Goldkäufe am offenen Markt korrekt widerspiegeln. Möglicherweise wird nur ein Teil der Käufe öffentlich gemacht und vielleicht verfügt das Land auch über weitere enorme Goldvorräte, die in intransparenten Depots oder gar in den Tresoren der in Staatsbesitz befindlichen Geschäftsbanken lagern. Letztere sollen Schätzungen zufolge über bis zu 2.000 Tonnen des gelben Metalls verfügen.

Doch indem China der Welt mitteilte, dass man in der Vergangenheit eher sparsam mit der Wahrheit über die tatsächlichen Goldreserven des Landes umgegangen war, wurden zumindest in dieser Hinsicht ehrliche Worte gesprochen. Nichtsdestotrotz ist es gut möglich, dass China über weit mehr Gold verfügt, als es offiziell zugibt.

Wie aber steht es um die Goldbestände anderer Staaten? Haben wir wirklich Grund zu der Annahme, dass die Angaben wahr sind? Es ist bekannt, dass zahlreiche Zentralbanken mit Geschäftsbanken Gold-Swaps eingegangen sind. Das ermöglicht es ihnen, in der Buchhaltung die Fiktion ihrer Goldreserven aufrechtzuerhalten, da sie nach wie vor die rechtmäßigen Eigentümer des physischen Goldes sind. Allerdings wird das Edelmetall an anderen Orten gelagert und kann im Falle einer Angebotsknappheit eventuell nicht zurückgeführt werden.

Die letzte Zentralbank, die eine solche Vereinbarung geschlossen hat, ist höchstwahrscheinlich die Banco Central de Venezuela, deren offizielle Goldreserven der Höhe nach weltweit auf dem 16. Platz liegen. In den vergangenen Monaten hat die venezolanische Zentralbank mehr als 48 Tonnen Gold in die Schweiz exportiert, doch sie meldet dem IWF offenbar noch immer unveränderte Bestände von 361 Tonnen.

Koos Jansen hat im Hinblick auf Venezuela in einer auf bullionstar.com veröffentlichten Analyse gezeigt, dass die tatsächlichen Reserven entsprechend den von der Zentralbank des Landes gemachten Angaben bereits im November 2015 um rund 65 Tonnen von den Zahlen abwichen, die der IWF veröffentlichte. Mittlerweile ist die Differenz vermutlich noch weiter gestiegen. So viel also zu den IWF-Statistiken über die Goldreserven Venezuelas. Doch wie viele weitere Staaten machen im Interesse ihres wirtschaftlichen Status und der Art, wie sie von anderen wahrgenommen werden, falsche Angaben zur Höhe ihrer Goldvorräte?

Seit einigen Jahren existiert beispielsweise eine beträchtliche Anzahl an Artikeln - die zugegebenermaßen größtenteils von überzeugten Befürwortern von Goldinvestitionen verfasst wurden - welche nahelegen, dass die größte Goldreserve der Welt ein Schwindel ist und die 8.133,5 Tonnen Gold, über die die USA offiziellen Angaben zufolge verfügen, in Wirklichkeit frei erfunden sind. Hier ist ein Link zu einem aktuellen Beispiel: Der Artikel "Das Gold-Paradoxon von Fort Knox" geht auf einige der Gedanken ein, die den Zweifeln an den Goldbeständen der Vereinigten Staaten zugrunde liegen. Ein Teil des Artikels ist sicherlich stichhaltig, denn es ist nicht leicht zu erklären, warum Initiativen zur Prüfung der Goldreserven immer wieder blockiert werden. Doch einer der genannten Gründe für die Weigerung, die in Fort Knox gelagerten Goldbestände prüfen zu lassen, strapaziert die Glaubwürdigkeit vielleicht ein wenig zu sehr: "Im Bulliondepot von Fort Knox befindet sich praktisch kein echtes Gold. Sagen wir, dort lagern weniger als 10 Millionen Unzen Gold und vielleicht 140 Millionen Unzen an vergoldetem Wolfram."

Ist das nur die Spitze des Eisbergs? Gold könnte innerhalb des globalen Wirtschaftssystems in Zukunft eine größere Rolle zukommen - dieser Ansicht sind u. a. zumindest die Supermächte Russland und China. Beide Staaten melden Monat für Monat offizielle Goldkäufe und stocken ihre Reserven kontinuierlich auf, doch beide haben auch noch einen langen Weg vor sich, bevor sie mit den größten Goldbesitzern der Welt - den USA, Deutschland, Italien und Frankreich - gleichziehen können. Gemessen als Anteil an den allgemeinen Währungsreserven belaufen sich die russischen Goldreserven nur auf etwas mehr als 15%, in China sind es gerade einmal winzige 2,2%. Im Gegensatz dazu beträgt der Anteil der Goldbestände an den Devisenreserven in den USA mehr als 75%. In Deutschland liegt er bei 69%, in Italien bei 68% und in Frankreich bei 63% - zumindest basierend auf den Zahlen, die dem IWF gemeldet werden. Die aktuellen offiziellen Goldreserven weltweit finden Sie hier.

Den meisten unserer Leser dürfte jedoch mittlerweile klargeworden sein, dass ein Großteil der veröffentlichten Finanzdaten bestenfalls irreführend und im schlimmsten Fall völlig erlogen ist. In der Finanzwelt zählt heutzutage vor allem, wie etwas von außen wahrgenommen wird, und es ist mit Sicherheit im Interesse eines Landes (zumindest, wenn es über beträchtliche Goldreserven verfügt), die Höhe der Goldbestände so groß wie möglich erscheinen zu lassen. Ein paar Kunstgriffe bei der Erstellung von Statistiken oder gar einige Falschangaben können da helfen, den Anschein aufrechtzuerhalten, dass in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht alles im grünen Bereich sei.


© Lawrence Williams


Dieser Artikel wurde am 6. April 2016 auf www.lawrieongold.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.




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