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Auf dem Weg zur nächsten Finanzkrise und Inflation

17.04.2016  |  Manfred Gburek
Wie kann es sein, dass vonseiten der Versicherer riesige Gefahren auf Kapitalmärkte und Anleger zukommen, dies aber an der Börse weitgehend ignoriert wird? Was sollen Anleger unternehmen, um sich vor den schlimmsten Konsequenzen der nächsten Finanzkrise zu schützen? Und warum will die Inflation einfach nicht anspringen? Solche und ähnliche Fragen, die sich jetzt aufdrängen, werden trotz ihrer Brisanz eher in kleinen Foren als vor breiter Öffentlichkeit diskutiert. Konzentrieren wir uns heute also auf das, was in den Foren zuletzt herauskam ist.

Deutsche Lebensversicherer sollen bekanntlich für einen erheblichen Teil der Altersversorgung aufkommen. Doch das gelingt ihnen umso weniger, je tiefer das Zinsniveau ist und je länger es um Null verharrt. Folglich haben die Versicherer auf Geheiß ihrer Aufsicht Milliarde für Milliarde zur Seite gelegt, um den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden; in den vergangenen fünf Jahren waren es 32 Milliarden Euro. Dieses Manöver soll dafür sorgen, dass frühere Versprechen gegenüber Kunden eingehalten werden können. Ob das auf Dauer gelingt, ist zu bezweifeln. Denn der Anstieg der zur Seite gelegten Beträge setzt sich munter fort, und das geht bei einigen Versicherern bereits an die Substanz.

Seit 2009, nach überstandener Krise, hatten sie genug Gelegenheit, in lukrativere Anlagen als in die von ihnen bevorzugten Zinspapiere zu investieren, die jetzt kaum noch Renditen abwerfen. Doch die meisten von ihnen ignorierten damals einfach die Ratschläge von Immobilien- und Aktienexperten, es mal mit deren Anlageklassen zu versuchen. Und jetzt kommt's: Je brenzliger die Entwicklung für die Versicherer wird, desto mehr neigen sie dazu, in extrem lange Laufzeiten und/oder in höher rentierliche Zinspapiere zu investieren - beides auf Kosten der Sicherheit, weil mit der Dauer bis zur Fälligkeit und mit der Höhe der Renditen die Risiken steigen.

Von daher reicht schon ein Gerücht, hier oder da seien Zinsversprechen nicht mehr einzuhalten oder in konkreten Fällen etwa Zinsausfälle bei großvolumigen Unternehmensanleihen zu beklagen, und an der Börse wäre die Hölle los. Eine solche Entwicklung wird umso wahrscheinlicher, je länger das Zinsniveau auf dem aktuellen Stand verharrt. Börsianer neigen dazu, dies erst einmal aus ihren Köpfen zu verdrängen.

Und was machen die Emittenten von Anleihen? Sie nutzen die Jagd der Versicherer wie auch anderer institutioneller Anleger nach möglichst hohen Renditen schamlos aus, indem sie Anleihen mit zweifelhaftem Rating und hohen Risiken emittieren. Ein besonders eklatantes Beispiel: die hundertjährige Irland-Anleihe von Ende März mit 2,35 Prozent Rendite.

Hier handelt es sich nur um einen kleinen Ausschnitt aus vielen Indizien, die auf eine nahende Finanzkrise deuten. Natürlich muss dazu mehr passieren als die Schieflage des einen oder anderen deutschen Versicherers, vor allem auch international. Doch man sollte nicht unterschätzen, wie eng die verschiedenen Segmente der Finanzbranche miteinander verknüpft sind, sodass Domino-Effekte entstehen können.

Erinnert sei nur an die letzte Finanzkrise, die 2007 mit einem Kurssturz an der Börse in Shanghai und dem Subprime-Debakel, der amerikanischen Häuserkrise, begann und sich über mehrere Stationen international fortsetzte. In Deutschland beispielsweise aus Anlass fehlgeschlagener Spekulationen einiger Landesbanken sowie der Spezialbanken HRE und IKB, in Großbritannien mit der ins Straucheln geratenen Bank Northern Rock und wiederum in Amerika mit dem Absturz des großen Versicherers AIG sowie der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die über ihre hiesige Tochter schließlich dafür verantwortlich war, dass deutsche Sparer viel Geld verloren.

Wie kann man sich vor der nächsten Finanzkrise schützen? Wegen ihres aktuell kaum abschätzbaren Auslösers, wegen ihrer zu erwartenden Komplexität, wegen ihres unbekannten Ablaufs und der möglichen Dimension ist ein Schutz natürlich nur bedingt möglich. Daraus folgt, dass man zunächst gut beraten ist, nicht alles auf eine Karte zu setzen, also nicht nur auf ein prall gefülltes Konto, nicht nur auf Gold, nicht nur auf Aktien, nicht nur auf Immobilien. Das mag wie eine Binsenweisheit erscheinen, ist jedoch unabdingbar - und wird von den meisten Anlegern dennoch sträflich vernachlässigt; genannt seien hier allein Immobilien, die in der Regel ein Klumpenrisiko bilden (außer jemand ist Multimillionär).

Immerhin lehrt uns die letzte Finanzkrise, dass Geld auf dem Konto nur dank eines glücklichen Umstands (fragwürdige Sicherheitsgarantie des Duos Merkel/Steinbrück) nicht in Schutt und Asche versank, dass der Goldpreis nach zwischenzeitlichem Verlust von etwa 25 Prozent auf ein historisches Hoch zustrebte, dass die Aktienkurse sich nach ihrem Absturz kräftig erholten und dass die Preise deutscher Wohnimmobilien vom Abwärts- in einen jahrelangen Aufwärtstrend übergingen.

So viel steht fest: Die nächste Finanzkrise wird andere Ursachen und damit auch andere Folgen haben, allein schon resultierend aus der jetzigen, seinerzeit noch unbekannten Nullzins-Politik der führenden Notenbanken mit der fatalen Wirkung auf liquide Ersparnisse und Lebensversicherungen, aus der Tatsache, dass diese Politik die Preise so wichtiger Anlageklassen wie Aktien und Immobilien nach oben getrieben hat, seltsamerweise aber nicht den Goldpreis. Für die Folgen wird die weitere Geldpolitik entscheidend sein.

Und weil diese an einem Punkt angelangt ist, wo das Abwarten dominiert, müssen Versicherungskunden und Kontensparer weiter darben, pendeln Aktienkurse wie gehabt hin und her, bleiben Immobilien so lange begehrt, bis potenzielle Käufer misstrauisch werden, und schwingt sich der Goldpreis in Schüben nach oben, weil Gold trotz Zinslosigkeit lukrativer erscheint als Konten oder Anleihen mit negativen "Renditen".

Die eingangs gestellte Frage nach der Inflation lässt sich leicht beantworten: Es gibt bereits seit Jahren eine Inflation von Anleihen, Aktien und Immobilien, nur dass im allgemeinen Bewusstsein Inflation mit steigenden Lebensmittel- und Spritpreisen, Wohnungsmieten und Energierechnungen in Verbindung gebracht wird. Ein unmittelbares Überschwappen der einen auf die andere Art der Inflation ist kaum zu erwarten, dafür ist der Zusammenhang viel zu komplex.

Aber zumindest ein weiterer Indikator - neben dem Goldpreis - spricht dafür, dass die im üblichen Sprachgebrauch gängige Inflation virulent zu werden beginnt: die jüngste, von nur wenigen Beobachtern registrierte Hausse an den Börsen in Ländern mit großen Rohstoffvorkommen, angeführt von Peru und Brasilien; danach kommen Kolumbien, Russland, Südafrika, Malaysia, Chile und Indonesien. Daraus (Börsen als Vorläufer) und aus der seit dem vergangenen Dezember stattfindenden Umkehr des Goldpreises nach oben (Gold als Inflations-Indikator) lässt sich schließen, dass die Inflation der Güterpreise offenbar immer näher rückt.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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