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Was die Altersvorsorge mit Gold und Silber zu tun hat

01.05.2016  |  Manfred Gburek
Am vergangenen Donnerstag tat ich mir etwas an, was zunächst verschenkte Zeit zu sein schien: Ich verfolgte zu vorgerückter Stunde im ZDF die Rentendebatte mit Maybrit Illner und Gästen. Oder treffender formuliert: die Diskussion über den zähen Brei namens Riester-Rente. Schnell gab die Salon-Sozialistin Sahra Wagenknecht den Ton an; der Rest war allseits wortreiches Schweigen. In irgendeinem Nebensatz fiel das Wort Aktie, mehr über alternative Möglichkeiten zur Altersvorsorge kam nicht heraus, nicht zu Immobilien, geschweige denn zu Gold oder Silber. Dass die Deutschen gerade wie verrückt Bargeld horten, das möglicherweise auch wegen der Altersvorsorge zur Seite gelegt wird, kam erst gar nicht zur Sprache.

Zum Glück schloss sich der Illner-Talkshow eine weitere mit Markus Lanz an, in der gleich zu Beginn FAZ-Mann Rainer Hank die aktuelle Diskussion über die Altersarmut derart temperamentvoll auseinandernahm und Lügen strafte, dass die Armuts-Promoter sich nun wie dreiste Lügner vorkommen müssen. Derweil machte Schlagerbarde Heino, wie schon zuvor die linke Politikerin Wagenknecht bei Illner, Werbung für die gesetzliche Rente. Aktien, Immobilien und Edelmetalle als Alternativen? Wieder Fehlanzeige.

Zugegeben, es gehört ein wenig geistige Gymnastik dazu, diese drei Anlageklassen in die Diskussion über die Altersvorsorge einzubeziehen. Das heißt, die gesetzliche Rente nur als Basis anzusehen und sich darüber hinaus Gedanken zu machen, was denn wohl noch infrage kommt, damit der Lebensabend nicht in Armut endet. Aber ist das zu viel verlangt? Ist die gesetzliche Rente überhaupt noch ohne Zuschüsse vonseiten der Steuerzahler finanzierbar? Nein. Gehört die dumme Riester-Rente nicht endlich abgeschafft oder wenigstens von Grund auf reformiert? Ja. Doch der Staat und die Finanzlobby stellen sich da stur. Konsequenz: Sorgen Sie individuell vor!

Wie? Zurzeit und wahrscheinlich noch einige Jahre lang haben Gold und Silber einen guten Lauf, eine Art Hürdenlauf, denn der Trend zeigt zwar nach oben, aber zwischendurch gibt es Unterbrechungen - die dann zu Nachkäufen genutzt werden sollten. Am besten eignen sich dazu Anlagemünzen und Barren, für Kenner der Materie auch Sammlermünzen. Gold- und Silberaktien kommen eher für die in diesem Metier versierten Anleger infrage. Wichtig wird später der zeitgerechte Ausstieg mitsamt Umstieg auf andere Anlagen sein.

Auf welche? Infrage kommen dann - nicht schon jetzt - wahrscheinlich Aktien, vorausgesetzt, man besitzt bereits ein Eigenheim. Vermietete Immobilien werden, außer an Top-Standorten, wohl auch später kaum genug abwerfen, um als Einkommensquelle ausreichend fürs Alter dienen zu können. Das liegt nicht zuletzt an dem Schaden, den Justizminister Heiko Maas gerade unter Vermietern anrichtet und weiter anrichten wird, sei es mit der Mietpreisbremse, sei es mit der gekürzten Modernisierungsumlage oder mit der Einführung der Kappungsgrenze für Mieterhöhungen nach einer Modernisierung.

Wenn die Einkommensquelle aus der Vermietung von Immobilien nicht ausreicht, wenn sie bei Aktien bekanntermaßen vor allem aus schwankenden Kursgewinnen und erst in zweiter Linie aus mehr oder weniger stabilen Dividenden sprudelt, wenn sie bei Gold und Silber sogar ganz aus der Wertentwicklung stammt, wie soll dann die Altersvorsorge funktionieren, ohne dass es mit ihr rauf und runter geht? Die nächstliegende Antwort lautet: mithilfe der erwähnten geistigen Gymnastik. Und wer keine Zeit hat, sich um die verschiedenen Anlageklassen zu kümmern? Der/die muss sie sich nehmen oder alternativ eine(n) Berater(in) suchen.

Letzteres dürfte in der Regel schwieriger sein, als selbst die Initiative zu ergreifen. Denn die heterogene Beraterszene - von Bank- und Sparkassenangestellten bis zu freien Honorarberatern mit oder ohne Zertifikat - ist mit all ihren Vorschriften zu Produktinformationsblättern (auch Beipackzettel genannt), zu Beratungsprotokollen und Haftungsausschlüssen ein einziger Dschungel, sodass die Suche schnell in Schwerstarbeit ausarten dürfte. Die dafür erforderliche Zeit ist besser genutzt, wenn man sie in die eigene Finanzplanung investiert. Gilt das auch für Ärzte und Apotheker, Bäckermeister und Bauingenieure, Handwerker und sonstige Berufszweige, die mit Finanzen eher nur nebenbei zu tun haben? Ja, denn sie haben allen Beratern zweierlei voraus: Sie kennen sowohl ihre Finanzen als auch ihre finanziellen Ziele aus dem Effeff.

Ein wichtiges Ziel, wenn nicht gar - neben der Gesundheit - das wichtigste, besteht darin, im Alter aller finanziellen Sorgen ledig zu sein. Das Problem: Dabei muss man zwei, drei oder noch mehr Jahrzehnte zuvor die Weichen stellen. Das heißt, der Faktor Zeit spielt eine enorme Rolle. Zeit, in der das Einkommen schwankt, in der die beruflichen Perspektiven sich ändern, in der Fehler begangen werden, in der Zwischenziele wie die Familienplanung dominieren und die Ausbildung der Kinder viel Geld kostet, in der größere Anschaffungen anstehen und Umzüge stattfinden - und in der die Finanzen zeitgerecht zum Einsatz kommen sollen.

Zu all dem gesellen sich externe Faktoren. Greifen wir nur einen heraus, weil er für die private Finanzplanung eine enorme Rolle spielt: Die Geldpolitik der Notenbanken, in Europa speziell die der EZB mit ihrer Nullzinspolitik. Das ist ein Riesenthema, gerade auch mit erheblichen Auswirkungen auf die Altersvorsorge. Und was macht die Berliner Politik? Sie überlässt es ausgerechnet Andrea Nahles, einer Ministerin, die auf wundersame Weise an ihr Amt gekommen ist und bestenfalls für den einen oder anderen Gag gut ist.

Nullzinsen untergraben gleichermaßen die private Altersvorsorge über Lebensversicherungen sowie über betriebliche Varianten wie Pensionskassen und -fonds. Auf den Punkt gebracht: Je länger sie die Geldpolitik bestimmen, desto mehr müssen potenzielle Rentner später den Gürtel enger schnallen. Derweil macht EZB-Präsident Mario Draghi keine Anstalten, von Nullzinsen abzulassen. Wohl eher im Gegenteil, nach der nächsten, im Juni startenden Orgie mit Anleihekäufen ist nicht ausgeschlossen, dass er - symbolisch formuliert - Helikoptergeld über Europa abwerfen lässt. Mit dieser Idee geflirtet hat er schon.

In so einem Umfeld, das ja auch die anderen großen Notenbanken beackern, feiern Gold und Silber zwangsläufig ein Comeback. Insofern ist es fast schon nebensächlich, ob jemand viel Geld in die beiden Edelmetalle investiert, um sich damit gegen den weiteren Zinsverfall ins Negative abzusichern oder um zeitgerecht fürs Alter vorzusorgen. Nur muss man erst mal darauf kommen, dass Gold und Silber für die Altersvorsorge überhaupt eine Rolle spielen. Dabei erweist sich die erwähnte geistige Gymnastik als besonders hilfreich. Denkverbote gibt es, anders als Satireverbote, im zivilisierten Westeuropa ja noch nicht.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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