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Der Dollar und Gold: Exakt falsch?

23.05.2016  |  Axel Merk
Seit Jahresbeginn hat sich herausgestellt, dass die US-Währung doch nicht allmächtig ist. Gold, das barbarische Relikt, wie es von manchen genannt wird, scheint dagegen wieder en vogue zu sein. Wie geht es nun weiter und welche Implikationen bergen diese neuen Trends für Investoren?

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Wie an allen Märkten auch wird der Wert von Währungen und Gold im Allgemeinen durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ein wichtiger Faktor (jedoch bei Weitem nicht der einzige) ist auch, welche realen, inflationsbereinigten Zinssätze die Investoren erwarten. Ausschlaggebend sind hier die Erwartungen und die realen Zinsen. An den Aktienmärkten hängt der Kurs eines Wertpapiers oft stärker davon ab, mit welchen zukünftigen Gewinnen die Märkte rechnen, als von den tatsächlichen Ergebnissen des Unternehmens.

Analog dazu kann man sich die realen Zinsen, d. h. die Zinsen nach Abzug der Inflationsrate, als GAAP-konforme Finanzergebnisse vorstellen, die nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchhaltung berechnet wurden. Diese Ergebnisse sind das, worauf es am Ende ankommt. Andere, nicht mit den Richtlinien übereinstimmende Zahlen, die das Unternehmen veröffentlicht, sind die Ergebnisse, die das Management gern in den Vordergrund rücken möchte. In Hinblick auf Währungen bedeutet das, dass Sie zunächst vielleicht positiv überrascht sind von den hohen nominellen Zinssätzen. Doch wenn Sie die Inflationsrate mit einkalkulieren, ist der reale Zins womöglich schon viel weniger attraktiv.

Es wird oft gesagt, dass Gold weder Zinsen noch Rendite abwirft. Das ist natürlich richtig, doch das gleiche trifft auch auf Bargeld zu. Bargeld bringt Ihnen nur dann Zinsen ein, wenn Sie es jemandem leihen, selbst wenn es sich dabei um einen Kredit an Ihre Bank mittels eines Bankkontos handelt. Auch mit dem Verleih von Gold kann ein Investor Zinsen verdienen. Die meisten Anleger wollen ihr Gold jedoch nicht aus der Hand geben, weil sie nicht bereits sind das Gegenparteirisiko einzugehen. Wenn es um Bargeld geht, gibt es zumindest noch die Sicherheit des staatlichen Einlagensicherungsfonds, der kleinere Bankeinlagen versichert und das Risiko dadurch abmildert.

Gold generiert zwar keine Kapitalerträge, aber andererseits ist es auch sehr schwer, den Wert des gelben Metalls durch Inflation zu mindern: Die Goldproduktion lässt sich nicht so leicht erhöhen. Wie unsere Analysen zeigen, haben die die aktuellen Marktbedingungen zur Folge, dass die Bergbauunternehmen vorrangig ihre Finanzen konsolidieren. Die Anreize, in eine Ausweitung der Produktion zu investieren, sind noch immer stark vermindert.

Wir ziehen diese Parallelen, um zu zeigen, dass die realen Zinsen die eigentliche Konkurrenz zu Gold sind, denn wenn diese positiv sind, können Investoren Zinsen auf ihr Bargeld erhalten. Für Investoren, die in US-Dollar anlegen, haben die in den Vereinigten Staaten verfügbaren Zinssätze sicherlich die größte Relevanz, während relative Realzinsen eine Rolle spielen, wenn es um verschiedene Währungen geht.

Begehen wir bei unserer Beurteilung der Lage also gleich den ersten Fauxpas: Wir sprachen von den Erwartungen, führen jetzt aber die aktuellen Zinssätze an, da diese leichter verfügbar sind. Hinsichtlich der Realzinsen wird dieses Narrenspiel noch dadurch verstärkt, dass viele die zur Berechnung der Inflation verwendeten Methoden in Zweifel ziehen. Wir zeigen Ihnen diese Daten dennoch, zum einen, weil wir einen Ausgangspunkt benötigen, zum anderen, weil die offizielle Inflationsrate auch etwas Gutes hat, selbst wenn man sie für falsch hält: Sie ist genau definiert.

Ich habe mich bereits mit einigen der Ökonomen unterhalten, die diese Zahlen berechnen. Sie sind sehr stolz auf ihre ausgefeilten Methoden und gehen bei der Kalkulation äußerst akribisch vor. Für den Zyniker heißt das natürlich nur, dass die Ergebnisse dann exakt falsch sind. Zur Berechnung der realen Zinsen kann ein kurzfristiger nomineller Zinssatz herangezogen werden (z. B. die Rendite auf US-Staatsanleihen mit 3-monatiger Laufzeit, die derzeit bei 0,26% liegen), von dem dann die Inflationsrate subtrahiert wird:

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