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Warum die Chartanalyse bei Gold und Silber nicht funktioniert

05.06.2016  |  The Gold Report
In meinen wöchentlichen Kommentaren füge ich aus einer Reihe verschiedener Gründe gern den einen oder anderen Chart ein, doch die Wahrheit ist, dass sie einem ansonsten recht schmucklosen Bombardement von Meinungen und Text einfach etwas mehr Farbe verleihen.

Indem ich Charts verwende, erzeuge ich die Illusion, dass ich tatsächlich etwas von technischer Analyse verstehe (was abgesehen von den Dingen, die ich als Angestellter von McLeod Young and Weir während eines zweiwöchigen Trainings im Jahr 1977 lernte, nicht stimmt), und dass Charts bei der Prognose langfristiger Preistrends am Gold- und Silbermarkt tatsächlich hilfreich sind.

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Doch ich muss Ihnen ein Geheimnis verraten: Die "T.A.", wie sie von den Insidern genannt wird, ist vollkommen nutzlos. Die "Tasse mit Henkel", der "erhängte Chinese", die "umschließende Unterhose", und der "Grabstein-Doji" - Sie können alle Formationen in den Müll werfen, denn genau dort gehören sie hin.

Gestern Abend habe ich einen Bericht aus dem Edelmetallsektor gelesen, dessen Autor das Goldpreishoch meilenweit verpasst hatte, was er aber immerhin zugab und wofür er sich bei seinen Abonnenten entschuldigte (wirklich bewundernswert). Ich fand es interessant, dass er schrieb, er müsse sich "den Charts zuwenden", um einen "Hinweis" auf die nächste Bewegung des Goldkurses zu erhalten. Ich werde mich nun also ebenfalls den Charts zuwenden und demonstrieren, dass Charts von den Tradern in den Bullionbanken erschaffen wurden, damit "Analysten" (und deren Abonnenten) sich in falscher Sicherheit wiegen.

Oben sehen Sie einen bullischen Goldchart wie aus dem Lehrbuch. Der Chart stammt vom 17. Mai, als der erwähnte Newsletter-Autor allen sagte, dass eine große Aufwärtsbewegung bevorsteht.

Im nächsten Chart sehen Sie, was nach dem 17. Mai tatsächlich passiert ist. Alle haben mit dem Finger auf Janet Yellen, ihre Andeutungen bezüglich einer Straffung der Geldpolitik in den USA und die darauf folgende Rally des US-Dollars gezeigt. Die Wahrheit ist jedoch, dass der Einbruch des Goldpreises nicht durch ein Ereignis (die Sitzungsprotokolle der Fed) hervorgerufen wurde, sondern durch eine Gruppe konspirierender Krimineller.

Diese haben den Goldmarkt bei einem Kurs von 1.280-1.300 USD mittels der New Yorker Terminbörse Comex mit einer LKW-Ladung Papiergold nach der anderen überschüttet und so dafür gesorgt, dass der gesamte aufwärts gerichtete Preisdruck absorbiert wurde, nachdem das Open Interest der großen und keinen Spekulanten explodiert war und ein absolutes Rekordniveau erreicht hatte.

In der letzten Woche der Goldrally trugen die Bullionbanken Sorge, dass die Kursentwicklung perfekt an der steigenden Trendlinie ausgerichtet blieb. Dieses Chartmuster erzeugte unter den Marktbeobachtern eine ungeheure Reaktion, wie sich am Anstieg des Open Interest auf fast 600.000 Kontrakte ablesen ließ. Das war die perfekte Ausgangslage für den "Raubüberfall".

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Wenn Sie sich also das nächste Mal bei Ihrem bevorzugten Abo-Service anmelden (egal, ob Sie dafür 10 $ oder 100 $ im Monat bezahlen) und ein Video ansehen oder ein Interview lesen, in dem es um die technische Analyse geht, dann schalten Sie Ihren Computer aus und suchen Sie das Weite. Anfang Mai hatten die Short-Positionen der Commercials in der Nähe des Preis-Tops mit 295.000 Kontrakten (fast) einen Rekordstand erreicht und am 18. Mai zogen die Bullionbanken einfach die Reißleine, als die Schlagzeilen ihnen eine Tarnung boten.

Daraufhin folgten nacheinander acht rote Kerzen, bis die Commercials gestern wahrscheinlich Kasse machten und euphorisch ihre Boni einstrichen. Ich wiederhole: Diese Entwicklung hatte nicht das Geringste mit technischer Analyse zu tun, sondern ist einzig die Folge von Interventionen (danke, lieber staatlicher Börsenstabilisierungsfonds und liebe Federal Reserve), Manipulationen (danke, liebe CFTC) und Vetternwirtschaft (danke, liebe Börsenaufsicht und liebes Justizministerium).

Die gute Nachricht ist, dass das Open Interest in den letzten acht Handelstagen rasant zurückgegangen ist, was darauf hindeutet, dass die Bullionbanken nette Profite realisiert haben, während alle anderen Verluste verzeichneten. Nach der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten am Freitag werden die Cyborgs, die den Goldmarkt kontrollieren, den Gold- und Silberkursen ab Mitte nächster Woche wahrscheinlich wieder etwas mehr Luft zum Atmen lassen.

In meiner nicht perfekten Welt würde ein steiler Einbruch am Freitag auf 1.160-1.180 $ den Überfall komplett machen, aber wahrscheinlicher ist, dass wir eine Erholung auf 1.240-1,250 $ erleben, bevor die Kurse wieder nachgeben, wir uns einem Mittsommer-Tief nähern und die Commercials ihre Netto-Short-Positionen wieder auf weniger als 50.000 Kontrakte reduzieren.

Es heißt "im Rumpf eines jeden gesunkenen Schiffs findet man einen Chart". Erinnern Sie sich immer daran, wenn jemand versucht, Ihnen eine erdichtete "Edelmetallanalyse" aufzuschwatzen und dabei Charts und technische Analyse als Mehrwert anpreist.


© Michael Ballanger
The Gold Report



Dieser Artikel wurde am 1. Juni 2016 auf www.theaureport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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