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Enorme Goldinvestitionen - die bisherige Rally ist erst der Anfang

16.06.2016  |  Adam Hamilton
Die starken bisherigen Gewinne des Goldkurses in diesem Jahr wurden hauptsächlich durch einen dominanten Faktor verursacht: Die umfangreichen Goldkäufe der Investoren. Nachdem sie es jahrelang versäumt hatten, ihr Portfolio mit Hilfe von Gold vernünftig zu diversifizieren, beginnen sie nun endlich, diese essentiell wichtigen Positionen wieder aufzubauen. Da die kollektiven Goldreserven der Investoren zu Beginn des Jahres 2016 unglaublich gering waren und die ultra-pessimistische Stimmung im Goldsektor widerspiegelten, haben wir bislang nur den Anfang einer gigantischen neuen Welle der Goldinvestments erlebt.

Nichts ist für das aktuelle Goldpreisniveau wichtiger als die Investitionsnachfrage. Diese Tatsache ist nicht gar nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht zuerst denkt, denn die Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage am Goldmarkt suggerieren etwas völlig anderes. Die besten Daten, die in diesem Zusammenhang verfügbar sind, stammen vom weithin geschätzten World Gold Council (WGC), der vierteljährlich einen hervorragenden Bericht zur Entwicklung der Goldnachfrage veröffentlicht. Diese Studien bieten eine wertvolle, fundamentale Perspektive auf den Goldmarkt.

Den Daten des WGC zufolge entfielen 2015 und 2014 jeweils 57,2% bzw. 58,6% der weltweiten Nachfrage nach dem gelben Metall auf Schmuck. Das sind etwa 4/7, ein typischer Anteil in der jüngeren Geschichte. Die Nachfrage nach Goldinvestments belief sich derweil in den beiden vergangenen Jahren nur auf 21,4% bzw. 19,4% der Gesamtnachfrage. Mit nur 1/5 ist der Anteil der Goldinvestitionen viel geringer, als der Anteil des Goldschmucks. Es ist also eigentlich schwer vorstellbar, dass die Investitionsnachfrage der wichtigste Preisfaktor sein soll.

Doch genau das ist sie und war sie schon immer. Der Grund dafür ist, dass die Goldinvestitionen enorm schwanken, während die Nachfrage nach Schmuck vergleichsweise konstant bleibt. Wenn die Anleger in Heerscharen an den Goldmarkt strömen, wie wir das 2016 erlebt haben, dann schießt der Goldpreis dramatisch in die Höhe, ganz unabhängig davon, wie sich die Schmucknachfrage verhält. Das erste Quartal dieses Jahres hat das wieder eindrucksvoll belegt, als Gold 16,1% zulegte und die beste vierteljährliche Performance seit dem Septemberquartal 1986 verzeichnete. Die Anteil der Nachfrage nach Goldschmuck muss unterdessen konstant bei etwa 4/7 geblieben sein, richtig?

Das Gegenteil war der Fall. Im ersten Quartal 2016 ist die Schmucknachfrage nach Angaben des WGC im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,3% zurückgegangen. Gegenüber dem vierten Quartal 2015 betrug die Abnahme sogar 27,3%! Dieser Einbruch lässt sich auf die politische Situation in Indien zurückführen, den zweitgrößten Absatzmarkt für Goldschmuck nach China, wo die Pläne der Regierung, den Goldhandel einschließlich der Schmuckherstellung zusätzlich zu besteuern, für Unruhen gesorgt hatten. Der Punkt hierbei ist jedoch, dass die Investmentnachfrage nach Gold alle anderen Faktoren aussticht.

Die Quartalsberichte des WGC sind eindeutig die beste Informationsquelle zur globalen Goldnachfrage. Ich bin schon seit vielen Jahren als Investor und Spekulant an den Goldmärkten tätig und die Daten des WGC sind mit Abstand die Informationen, auf deren Veröffentlichung ich immer am gespanntesten warte. Da die Berichte aber nur viermal jährlich erscheinen, sind die zeitlichen Abstände viel zu groß, um mit Hilfe dieser Zahlen zu entscheiden, wann ein guter Zeitpunkt für Goldkäufe oder -verkäufe gekommen ist. Zudem werden die WGC-Berichte erst sechs Wochen nach Quartalsende publiziert, weil das Zusammentragen und die Aufbereitung dieser Daten sehr viel Arbeit macht.

Doch glücklicherweise gibt es eine Größe, die stellvertretend für die Ströme des Investmentkapitals am Goldmarkt steht, und für die tagesaktuelle Werte verfügbar sind: Die Gesamtheit der Goldbestände des weltweit führenden Gold-ETFs SPDR Gold Shares (GLD). Jeden Morgen, wenn ich mich an meinen Schreibtisch setze, ist das das erste, was ich nachschaue. Die Manager des GLD veröffentlichen an jedem Handelstag die vollständigen Daten zu den gesamten Goldreserven des ETFs bis hin zu den einzelnen Goldbarren.

Mitte dieser Woche war die Liste, in der Seriennummer, Scheideanstalt, Rohgewicht, Feingewicht und Feinheit für jeden Goldbarren aufgeführt sind, 1413 Seiten lang. Von oberstem Interesse für jeden, der versucht die Trends am Goldmarkt auszunutzen, ist natürlich die Gesamtmenge des vom GLD verwahrten Goldes. Die Höhe der Goldbestände dieses ETFs sind deshalb von so essentieller Bedeutung, weil der GLD als Auffangbecken für die enormen Mengen an Aktienmarktkapital dient, welches in den Goldmarkt hinein- und wieder herausfließt.

Aufgabe des GLD ist es, den Goldpreis exakt nachzuvollziehen. Die Anteile des ETFs haben jedoch ihre eigene Angebots- und Nachfragesituation, welche völlig unabhängig von Angebot und Nachfrage am physischen Goldmarkt ist. Es besteht daher immer die Gefahr, dass sich der Preis der ETF-Anteile vom Goldpreis entkoppelt. Wenn die Nachfrage nach GLD-Anteilen schneller zunimmt, als die Goldnachfrage, steigt der Kurs des GLD über den Goldkurs und die Mission des ETF, den Goldpreis widerzuspiegeln, schlägt fehl. Wenn das Angebot an GLD-Anteilen jedoch größer ist, als das Angebot am Goldmarkt, wird sich der ETF-Kurs nach unten entkoppeln.

Die einzige Lösung besteht darin, die Nachfrage nach GLD-Anteilen direkt in den zugrunde liegenden physischen Vermögenswert selbst umzulenken und dadurch die Differenzen zwischen dem ETF und dem Edelmetall auszugleichen. Die Manager des GLD tun das, indem sie Anteile herausgeben und tilgen. Wenn die Nachfrage nach den GLD-Anteilen die Goldnachfrage übersteigt, schöpfen sie neue Anteile, um den Nachfrageüberschuss zu absorbieren. Die Erlöse aus dem Verkauf der neuen Anteile werden anschließend verwendet, um mehr Goldbullion zu erwerben.

Ist das Angebot an ETF-Anteilen dagegen zu hoch, kaufen sie genügend Anteile zurück, um den Angebotsüberschuss abzubauen. Finanziert werden diese Rückkäufe durch den Verkauf von physischem Gold aus den Beständen des ETFs. Die täglichen Schwankungen in den Goldbeständen des GLD zeigen folglich an, in welchem Umfang Investmentkapital von den Aktienmärkten in physisches Gold hinein- oder herausfließt. Die Bullionvorräte des GLD steigen, wenn die Marktteilnehmer verstärkt in Gold investieren, und sinken, wenn die Anleger Gold verkaufen.


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