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Der Überlebenskampf der Zentralbanken

22.06.2016  |  Mark J. Lundeen
- Seite 4 -
Unten sehen Sie einen Bear's Eye View (BEV) Chart des Bankenindex, der bis ins Jahr 1938 zurückreicht. Seit dieser Zeit wurde bei den Marktwerten eine starke, inflationäre Erhöhung verzeichnet. Der ersten Datensatz stammt vom April 1938, als der Bankenindex bei 41,87 Punkten notierte. Ende dieser Woche lag er bei 1.413,57 und ist damit auf das 35fache angestiegen. Die Darstellung der Kursentwicklung in einem BEV-Chart verbessert den Informationsgehalt der Daten, denn auf diese Weise lassen sich bestimmte Details erkennen, die andernfalls nicht leicht ersichtlich wären.

Vor der offiziellen Abschaffung des Goldstandards in den USA im Jahr 1971 brach der Bankenindex nie um mehr als 40% ein. Nach 1971 war das jedoch regelmäßig der Fall und während der Hypothekenkrise wurde sogar ein Kursverlust von 86% verzeichnet. Im Moment ist die -40%-Linie im BEV-Chart für die Banken eher ein Top als ein Boden, was selbstverständlich gar kein gutes Zeichen ist.

Die Banken, die sich bemühen den Goldpreis niedrig zu halten, sind in dieser Gruppe ebenfalls mit erfasst. Sie werden immer schwächer. Wenn die Aktien dieser Banken die Talfahrt wieder aufnehmen, die sie bei der Subprime-Krise begonnen hatten, dann wird es nichts mehr geben, was dem Anstieg der Gold- und Silberpreise im Weg steht.

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Die Erhöhung der Umlaufgeldmenge und das Kreditwachstum werden nicht länger durch einen funktionierenden Goldstandard in Grenzen gehalten, sondern allein durch die Bits und Bytes limitiert, die auf den Festplatten des Bankensystems gespeichert sind. Seit dem Ende der Finanzkrise von 2008 hat sich daher auf globaler Ebene eine überwältigende Schuldenlast aufgetürmt. Die Tatsache, dass die Federal Reserve unter Janet Yellen sich nicht dazu durchringen kann, den US-Leitzins um mickrige 25 Basispunkte anzuheben, ist ein deutlicher Warnhinweis dafür, wie zerbrechlich die Weltwirtschaft ist.

Der nächste Chart stellt die Federal Funds Rate, den Leitzins der Vereinigten Staaten, und die Rendite der langfristigen US-Staatsanleihen seit 1954 dar. Ich habe in diesem Zeitraum drei geldpolitische Epochen identifiziert:

  • Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1981: Die politischen Entscheidungsträger kämpfen gegen die Inflation.
  • Zwischen 1981 und 2007: Die politischen Entscheidungsträger kämpfen gegen die Deflation.
  • Seit 2007: Die politischen Entscheidungsträger kämpfen ums Überleben.

Wenn Sie noch einmal einen Blick auf den obenstehenden Chart mit der Umlaufgeldmenge seit 1925 werfen, werden Sie sehen, dass Inflation seit den 1920er Jahren immer ein fester Bestandteil der amerikanischen Wirtschaft war. Die Ökonomen haben dem Ausdruck "Inflation" allerdings eine neue Definition verpasst: Während er früher die Zunahme der Geldmenge bezeichnete, war damit später der Anstieg der Verbraucherpreise gemeint, der von den staatlichen Statistikämtern mit Hilfe des dubiosen Verbraucherpreisindex ermittelt wird.

Als sich die Ausweitung der Geldmenge nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im allgemeinen Preisniveau niederschlug, ging die Federal Reserve gegen die Inflation der Verbraucherpreise vor, indem sie die Zinsstrukturkurve regelmäßig umkehrte, d. h. indem sie den Leitzinssatz (blau) so weit erhöhte, dass er über den Renditen der langfristigen Staatsanleihen (rot) lag. Das zwang die Banken dazu, die Kreditvergabe an Unternehmen zu verringern, woraufhin es zu einem wirtschaftlichen Abschwung kam. Die Federal Reserve versuchte, die steigenden Verbraucherpreise durch die Verringerung der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen unter Kontrolle zu bringen, die mit einer Rezession und steigender Arbeitslosigkeit einhergeht.

Hat das funktioniert? Wenn ja, dann zumindest nicht für lange Zeit. Wir können sehen, wie die Notenbank reagierte, als die Inflation der Geldmenge zwischen 1954 und 1981 die Verbraucherpreise immer weiter in die Höhe trieb: Die Umkehrungen der Zinsstruktur wurden immer ausgeprägter und die Konjunktureinbrüche immer heftiger, während die Fed erfolglos versuchte, den Preisanstieg zu stoppen. Dabei hätten sie nur aufhören müssen, Geld zu drucken, und schon wäre die Preisinflation beendet gewesen.

Beachten Sie auch, wie sowohl die kurzfristigen als auch die langfristigen Zinssätze auf die steigenden Verbraucherpreise reagierten. Als die Anleihekäufer begannen, eine Inflationsprämie zu verlangen, kletterten die Rendite der T-Bonds nach oben und zwangen die Fed, auch den kurzfristigen Zinssatz anzuheben. Es stellte sich heraus, dass diese Periode der steigenden Rendite eine großartige Zeit für Investitionen in Gold, Silber und Minenaktien war, denn mit den Staatsanleihen konnte man als Anleger nur Geld verlieren und auch die Aktienmärkte boten keine großen Vorteile.

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Als die Zinssätze jedoch nach Oktober 1981 zu sinken begannen, floss die Inflation der Geldmenge nicht länger in die Verbraucherpreise, sondern begann stattdessen die Finanzmärkte aufzublähen. Die Verantwortlichen versuchten nun nicht länger, den Anstieg des Preisniveaus zu bremsen, sondern kämpften gegen die Deflation der Spekulationsblasen an.


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