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Gold und Silber jetzt, Dax & Co. später

10.07.2016  |  Manfred Gburek
Die SPD will - wieder mal - die Rentner beglücken, im Justizministerium heckt man gerade einen Plan zur Standardisierung von Finanzdiensten aus, und die Deutschen lassen über 2 Billionen Euro einfach auf Konten liegen. Gibt es da wohl einen Zusammenhang? Na klar, er lässt sich auf die Formel reduzieren: Paternalismus statt Subsidiarität, Bevormundung statt Freiheit, also Vater Staat werde es schon richten, private Initiativen seien nicht nötig. Von wegen! Rentner sind eine stetig wachsende Wählerschicht, die es zu pampern gilt. Mit standardisiertem Anlegerschutz, Marke heiße Luft, können Politiker bei der breiten Masse der Wähler punkten, weil nahezu jeder Bundesbürger sich schon mal über eine Bank oder Versicherung geärgert hat. Und das viele Geld auf den Konten vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, ja von Geborgenheit.

Was will man mehr, uns geht es ja so gut, oder? Na ja, zumindest auf einen kleinen Teil der Rentner unter uns trifft das zu, also auf jene Minderheit, die kräftig in die Rentenkasse eingezahlt hat und sich über die jüngste starke Rentenerhöhung freuen kann, im Osten noch mehr als im Westen der Republik. Aber ist damit das Problem der Altersversorgung gelöst? Wenn es hoch kommt, bestenfalls für ein Zehntel der Bevölkerung. Der große Rest hat entweder anders vorgesorgt (die Minderheit) oder verarmt nach und nach (die Mehrheit). Die Minderheit besitzt Immobilien, Fonds, Aktien und im Idealfall auch Gold. Dagegen besitzt die Mehrheit, wenn überhaupt, ein paar Fonds und eine Riester-Rente mit eingebauter sukzessiver Enteignung.

Es gehört nicht viel Phantasie zur Prognose, dass mit dem neuen Anlauf zu mehr Anlegerschutz Volksverdummung betrieben wird, weil gegen die üblen Tricks der sogenannten Finanzdienstleister kein Kraut gewachsen ist. Nach Jahren der holprigen Vorbereitung hat man in Berlin so überflüssige Dinge wie Produktinformationsblätter (bekannt als Beipackzettel) und Beratungsprotokolle aus dem Hut gezaubert. Die Arbeit mit ihnen hat sich dann aber als so ineffizient erwiesen, dass nun ein neuer Anlauf in Richtung Anlegerschutz geplant ist. Sein Misslingen ist aus Anlegersicht so gut wie programmiert, denn Anleger haben keine Lobby und werden auch nie eine haben.

Was das viele Geld auf den Konten betrifft, lässt sich damit weder Reichtum scheffeln noch fürs Alter vorsorgen, weil die Verzinsung einfach zu miserabel ist. Heftig schwankende Aktienkurse und schlechte Erfahrungen mit Anlageberatern tragen ein Übriges dazu bei, dass die Deutschen ihren Konten treu bleiben. Immerhin sorgen Direktbanken mit vergleichsweise günstigen Tages- und Festgeldzinsen dafür, dass Anleger nicht ganz leer ausgehen. Und wenn mehr als 100.000 Euro - darunter gilt die gesetzliche Einlagensicherung je Person und Bank - anzulegen sind, was dann? Am besten inflationsindexierte Bundesanleihen mit Restlaufzeiten von mindestens vier Jahren in der gar nicht so abwegigen Erwartung kaufen, dass die Inflation auf absehbare Zeit wieder anzieht.

Dass Sie als Leser von goldseiten.de überdurchschnittlich in Gold, Silber und Minenaktien engagiert sind, setze ich einfach voraus. Bleiben Sie ungeachtet der Kursschwankungen bis auf Weiteres dabei, weil das ultimative Stadium der jetzigen Edelmetallhausse längst noch nicht erreicht ist. Die Kurse der Minenaktien sind den Edelmetallpreisen vorausgelaufen; das ist das übliche Schema einer solchen Hausse. Wenn kurzfristige technische Reaktionen nach unten folgen sollten, sind sie eher ein Grund zum Nachkaufen als zum Verkaufen. Mehr ist dazu aus heutiger Sicht nicht zu sagen.

Doch was ist mit den übrigen Aktien? Sie schwächeln, und zwar in Europa mehr als in den USA, was nicht allein mit dem Brexit zu tun hat. Es gibt nämlich eine Entwicklung, die es zu verfolgen gilt. Im Börsenjargon bezeichnet man sie als Sonderbewegungen. Ich bin darauf schon mehrere Male gestoßen, zuletzt am vergangenen Dienstag, als für dieses Thema zuständige Kapitalmarkt-Spezialisten auf Einladung des Deutschen Aktieninstituts die Übernahmeschlachten um die Vorherrschaft in deutschen Konzernen Revue passieren ließen.

Eine spannende Geschichte: Aktivisten mit hohem Kapitaleinsatz nehmen sich aktuell Adidas, Eon, VW und Stada vor, um diese Konzerne umzukrempeln. Ihr Ziel: Eine möglichst große Ausbeute erzielen. Das gelingt allerdings nicht immer, wie die traurigen Fälle ThyssenKrupp und Bilfinger zeigen. Die Quintessenz: Aktivisten sorgen für Sonderbewegungen, die gut, jedoch auch schief gehen können. Im Endeffekt sorgen sie für noch mehr Kursschwankungen, als sie ohnehin schon zur Tagesordnung gehören.

In so einem Umfeld fragen sich Anleger zu Recht, ob sie deutsche Aktien nicht lieber gleich links liegen lassen sollen. Naheliegende Antwort: Wer nicht bereit ist, täglich mindestens eine Stunde einer kleinen Auswahl an Aktien zu widmen, ist gut beraten, das Börsengeschehen bis auf Weiteres zu ignorieren. Wer für Aktien dagegen täglich ein paar Stunden übrig hat, dürfte bei geschicktem Timing in der Regel besser abschneiden als die meisten Fondsmanager. Das liegt nicht zuletzt daran, dass private Anleger Aktien äußerst flexibel kaufen und verkaufen können, während Fondsmanager Restriktionen im Hinblick auf Anlagerichtlinien, Streuung, Liquidität u.a. unterworfen sind.

Falls Sie sich nun fragen, warum ich Ihnen das alles schreibe, da Sie doch mit Ihrem Gold und Silber sicher glücklich sind und von deutschen Aktien nichts wissen wollen, ist hier die Antwort: Es macht viel Sinn, auf die nächste Aktienhausse vorbereitet zu sein, mag sie sogar noch zwei bis drei Jahre auf sich warten lassen. In der Zeit bis dahin wird Ihnen allein schon durch bloßes Zeitunglesen und Herumklicken im Internet auffallen, welche AG ihre Aktionäre gut behandelt und welche zum Selbstbedienungsladen des Managements verkommt. Außerdem können Sie Charts studieren, Ad hoc-Mitteilungen verfolgen und die Glaubwürdigkeit von Informationen so mancher AG testen.

Wahrscheinlich werden Sie auch auf viele Meinungen und im Besonderen auf Tipps stoßen. Schenken Sie ihnen nur insoweit Aufmerksamkeit, als sie Sie zu eigenen Überlegungen anregen. Und noch eines: Betrachten Sie die Dividendenrendite lediglich als ein Anlagekriterium von mehreren. Derzeit beträgt sie für das laufende Jahr bezogen auf den Dax 3,5 Prozent. MDax-Aktien können da gerade noch mithalten, SDax- und erst recht TecDax-Aktien nicht. Trotz der 3,5 Prozent bewegen sich die Kurse deutscher Aktien in einem Zickzack-Abwärtstrend. Das sollte Sie so lange zur Vorsicht mahnen, bis die Kurse im Tal angekommen sind.

Aus den bisherigen Ausführungen geht hervor, dass Timing eine große Rolle spielt. Doch wie ist es um die Risikostreuung bestellt? Am besten, beide gehen Hand in Hand. Um konkret zu sein: Das große Bild von internationaler Schuldenkrise, maroden Banken, niedrigen Realzinsen und schlapper Konjunktur spricht bis auf Weiteres für einen hohen Goldanteil einschließlich Minenaktien. Sobald jedoch die Kurse der Minenaktien später mal ins Stocken geraten, empfehlen sich hier erste Gewinnmitnahmen, während Gold in Form von Barren und Münzen behalten werden sollte. In der fraglichen Zeit dürften die Kurse deutscher Aktien einen Boden gefunden haben, sodass sich dann dort unter Beachtung des Timings der Einstieg lohnen dürfte.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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