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Edelmetall Prognose für das 2. Halbjahr 2016

11.07.2016  |  Martina Fischer
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Platin lässt 2016 das 7-Jahres-Tief hinter sich

Bei der Schmucknachfrage ging der Platin-Bedarf im Hauptmarkt China zurück, konnte aber durch Zuwächse in Indien ausgeglichen werden. In Summe ist zu erwarten, dass die Platin-Nachfrage aus dem Schmuckbereich in diesem Jahr leicht steigen wird. Wachstumsimpulse für Platin kommen aus der chemischen und petrochemischen Industrie sowie Mengenzuwächse aus der Glasindustrie und der Medizintechnik.

Die durch den Brexit verursachte Unsicherheit kann zu einem deutlich geringeren Wirtschaftswachstum in Europa führen. Dies kann aufgrund der Diesellastigkeit der europäischen Märkte zu einem geringeren Platinverbrauch in der Automobilindustrie führen. Für das zweite Halbjahr 2016 erwarten wir für Platin eine erhöhte Bandbreite von 850 $/oz bis 1.125 $/oz, und im Durchschnitt einen Wert von 990 $/oz.


Palladium mit langfristigem Potenzial

2016 fehlen noch die Impulse für das Edelmetall


Open in new windowMit einem Rückgang unter die 500 $ Marke startete Palladium in das Jahr 2016 und setze damit seine Talfahrt aus dem Vorjahr fort. Gute Zahlen aus der Automobilindustrie in den USA und China brachten zunächst keine Trendumkehr, da die Entwicklungen bereits eingepreist waren. Wochenlang bewegte sich der Palladiumpreis um die 500 $/oz Marke. Erst Anfang März bekam Palladium wieder Aufwind und bewegte sich im weiteren Verlauf Richtung 600 $/oz.

Gestützt durch gute Automobilabsatzzahlen in China wurde anschließend das bisherige Jahreshoch von 639 $/oz erreicht, bevor sich der Preis im Juni bei 550 $/oz eingependelte; diesen Wert hatten wir als Durchschnittswert für das erste Halbjahr 2016 erwartet.

Die Zukunft von Palladium wird im Wesentlichen weiter von der Automobilindustrie abhängen, die ca. 2/3 des Verbrauchs ausmacht. Im Ausblick bleibt die Erwartung, dass Palladium mit strengeren Vorschriften im Zuge des Abgasskandals jetzt wieder stärker in den Fokus der Autobauer rücken könnte. Dem gegenüber steht die Gefahr, dass ein durch den Brexit schwächeres Wachstum in Europa und eine weniger dynamische Entwicklung der Autoindustrie in den Schwellenländern belastend wirken.

Auf der Angebotsseite hat eine höhere Minenproduktion das Defizit beim Palladium im vergangen Jahr reduziert, 2016 dürfte sich dieses jedoch wieder ausweiten. Aufgrund der allgemein schwachen Entwicklung in den Rohstoffmärkten sehen wir von der Investorennachfrage nur begrenztes Potenzial. Für das zweite Halbjahr 2016 erwarten wir daher unverändert ein Bandbreite für Palladium zwischen 450 $/oz und 650 $/oz bei einem Durchschnittswert von 550 $/oz.


Fast ausgeglichener Rhodiummarkt in 2016

Nachdem Rhodium im Vorjahr der Verlierer unter den Edelmetallen war und rund 50% seines Wertes verloren hatte, stellte sich im ersten Halbjahr 2016 die Frage, ob es eine Trendumkehr geben könnte. Die Preisrange in den ersten 6 Monaten lag bei moderaten 100 $/oz. Im Vergleich dazu lag die Handelsspanne im Gesamtjahr 2015 über 600 $/oz.

Trotz guter industrieller Nachfrage sank der Rhodiumpreis zum Jahresbeginn ein weiteres Mal und bewegte sich bis Mitte Februar auf einem Jahrestiefstpreis. Ab da vollzog der Preis, getragen von Nachfrage aus der Automobil-, Chemie- und Glasindustrie, eine Aufwärtsbewegung. Ende März erreichte der Kurs sein Jahreshoch, das in einer Seitwärtsbewegung bei guten Umsätzen bis zum Mai Bestand hatte. Anfang Mai stürzte dann der Rhodiumpreis völlig unerwartet um 100 $/oz ab und landete im Juni wieder auf dem Niveau bei Jahresstart. Ausschlaggebend dafür waren größere Liquidierungen von Long-Positionen. Physische Händler waren durch Positionsbewertungen ebenfalls gezwungen zu verkaufen.

Allerdings herrscht bei allen Marktteilnehmern große Verunsicherung und das Vertrauen der Investoren, die oftmals das Zünglein an der Waage darstellen, ist entsprechend gering. Der 5-Jahres-Durchschnitt liegt bei ca. 1.150 $/oz und ist somit fast doppelt so hoch wie der aktuelle Preis.

Ausblickend für das 2. Halbjahr 2016 können wir uns eine Handelsrange von 525 - 725 $/oz für Rhodium vorstellen. Ein auch von anderen Analysten erwarteter, fast ausgeglichener Rhodiummarkt in 2016 unterstützt diese Erwartung. Damit bleiben wir nahezu bei unserem Ausblick des ersten Halbjahres, der sich trotz aller Schwankungen in den Bandbreiten bewahrheitet hat. Da wir langfristig gesehen in der Nähe des 13-Jahres-Tiefs handeln, könnte das für Investoren ein attraktiver Einstieg sein, sofern sich die Verunsicherungen auf den Märkten legen. Solide industrielle Nachfrage sollte zur Bodenbildung beitragen.

Für die Minenindustrie, speziell aus Südafrika, bleibt es extrem schwierig. Sollten diese - durch den Bedarf an Liquidität getrieben - weiter verkaufen müssen, ist das Aufwärtspotenzial für den Preis dadurch sicher ebenfalls begrenzt. Mengen zu produzieren und nicht zu verkaufen, würde für den Preis zwar Platz nach oben bieten, ist aber in der aktuellen Lage der Minenindustrie nur eine begrenzte und eher unwahrscheinliche Option.


Ruthenium erfüllt geringe Erwartungen

Ruthenium hat im 1. Halbjahr 2016 die geringen Erwartungen leider voll erfüllt. Es gab so gut wie keine Preisveränderungen in $/oz - einzig allein durch die Bewegung auf der EUR/USD Seite konnten wir marginale Schwankungen in €/g verzeichnen. Auch wenn insgesamt die Umsätze vergleichsweise etwas höher ausgefallen sind, zeigte sich der Preis durch die große Verfügbarkeit gänzlich unbeeindruckt. Weiterhin relativ gutes Kaufinteresse aus der Elektroniksparte (Datenspeicher) - die immer noch mit großem Abstand die Nr. 1 auf der Industrieseite ist - sowie stabile Nachfrage aus der chemischen und elektrochemischen Industrie, ist auf bereitwillige Verkäufer gestoßen.

Es sind zurzeit keine gravierenden Verschiebungen oder Veränderungen auf der Anwenderseite zu sehen. Sowohl die Primärproduktion als auch das Recycling von Ruthenium sind auf diesem Preisniveau natürlich weiterhin alles andere als attraktiv. Im Ausblick sehen wir an der generellen Situation daher auch keine Veränderung, sodass unsere Preisprognose im Wesentlichen unverändert bleibt: 33 - 48 $/oz sehen wir für die nächsten 6 Monate als Bandbreite.


Iridium in 2016 mit schleppender Performance

Iridium hat in den ersten 6 Monaten von 2016 eine ähnlich schleppende Performance hingelegt wie Ruthenium. Mit einem kleinen Unterschied, der etwas Anlass zur Hoffnung gibt: In der vorletzten Juniwoche ist der Preis leicht geklettert - zum ersten Mal seit Ende September 2015. Dies sagt schon viel über das Umfeld aus: In einem relativ ausgeglichenen Markt halten sich Angebot und Nachfrage in etwa die Waage. Der positive Aspekt ist natürlich, dass industrielle Anwender bisher vor unliebsamen Überraschungen verschont geblieben sind und auch mittelfristig besser planen können als bei anderen Metallen.

Die breite und relativ ausgewogene Streuung der Anwendungsgebiete sorgt dafür, dass selbst bei größeren Verschiebungen auf der Verbrauchs- oder Produktionsseite die Ausschläge etwas moderater ausfallen. Für die kommenden 6 Monate sehen wir daher auch nur begrenzten Spielraum für die weitere Preisentwicklung. Wir sind insgesamt verhalten optimistisch, da sich die Nachfrage in den letzten 2 Monaten entsprechend gut entwickelt hat und sich das Kaufinteresse aller Iridium verbrauchenden Industrien positiv gezeigt hat. Die Preise sehen wir in einem Band zwischen 510 $/oz und 590 $/oz.


© Volker Skowski, Dipl.-Kfm., Global Business Unit
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH



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Alle im Bericht genannten Preise sind Geldkurse im Interbankenmarkt, die Charts basieren auf Thomson Reuters.




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