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Chris Puplava: Die Welt steht Kopf

01.08.2016
Bevor die Finanzkrise im Herbst 2008 losbrach, verfügten die vier größten Zentralbanken der Welt (die Federal Reserve in den USA, die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und die Bank of England) zusammengenommen über Währungsreserven von rund 3 Billionen $. In den Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich dieser Betrag fast vervierfacht - heute haben die Währungsreserven der Zentralbanken die erschreckende Höhe von 11 Billionen $ erreicht!

Was ist nun das Ergebnis dieser beispiellosen Schuldenexzesse und geldpolitischen Impulse durch die Notenbanken dieser Welt? Michael Hartnett, der Chef-Investmentstratege der Bank of America Merril Lynch, hat in einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Bank unter der Überschrift "A Portrait of Quantitative Failure" ("Ein Portrait des quantitativen Versagens") dazu beigetragen, ein wenig Licht in diese Angelegenheit zu bringen und erstaunliche Zahlen veröffentlicht, insbesondere in Hinblick auf unsere Sparkonten:

• 12,9 Billionen $: Ausstehende Anleihen, deren Rendite derzeit bei weniger als 0% liegen (29% der Gesamtmenge)

• 24,6 Billionen $: Ausstehendes Finanzvermögen der Zentralbanken weltweit

• -1,1%: Die niedrigste negative Rendite der Welt (Schweizer Staatsanleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren)

• 107 Jahre: So lange dauert es, um die Ersparnisse auf einem US-Festgeldkonto mit einer Laufzeit von einem Jahr zu verdoppeln

• 1387 Jahre: So lange dauert es, um die Ersparnisse auf einem deutschen Festgeldkonto mit einer Laufzeit von einem Jahr zu verdoppeln

• 6932 Jahre: So lange dauert es, um die Ersparnisse auf einem japanischen Festgeldkonto mit einer Laufzeit von einem Jahr zu verdoppeln

• 1978: Das Jahr, in dem die Erwerbsquote in den USA so niedrig war, wie heute

• 21.084.000: Die Zahl der erwerbslosen Männer und Frauen in Europa

• 49%, 45%, 39%: Höhe der Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland, Spanien und Italien

• 0,16%: Das verschwindend geringe reale Wirtschaftswachstum Japan in den letzten acht Jahren

Wenn diese Daten nicht das Bild einer Welt zeichnen, die Kopf steht, dann weiß ich auch nicht, was noch geschehen muss.

Die logische Frage, die sich angesichts dieser Zahlen aufdrängt, ist "Wie sind wir in diese Lage geraten?" Es gibt zwei Hauptfaktoren, die uns zuerst in den Sinn kommen: Demografie und Schulden. Demografische Entwicklungen spielen für die Wachstumsraten eine entscheidende Rolle, denn der Anstieg der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter führt im Allgemeinen zu steigendem Wirtschaftswachstum und umgekehrt.

Um zu verstehen, welchen Einfluss demografische Trends auf die Wirtschaft haben, können wir die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit als Fallstudie betrachten. Als die Babyboomer Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1980er Jahre begannen zu arbeiten und ihr eigenes Geld zu verdienen, wurden sie zur treibenden Kraft hinter den Konsumtrends, indem sie Schulden aufnahmen und Autos, Immobilien, Geräte und andere Waren kauften.

Sie sorgten für ein höheres Wirtschaftswachstum und höhere Gewinne an den Aktienmärkten in den 1980er und 1990er Jahren, bis sich an den Börsen schließlich eine Spekulationsblase bildete und die Kurse im Jahr 2000 Spitzenwerte erreichten. Wir hörten später noch ein Echo dieser Entwicklung, als sich am Immobilienmarkt ebenfalls eine Blase bildete, während der ehemalige Vorsitzende der Federal Reserve Alan Greenspan die Zinssätze immer weiter senkte.

Nach dem Platzen der Immobilienblase begann jedoch auch die Verschuldung der Haushalte im Verhältnis zum Einkommen wieder zu sinken. Die Boomgeneration hatte begriffen, dass sie sich zur Absicherung ihres Ruhestandes nicht einzig und allein auf die Aktienmärkte und die Wertsteigerungen ihrer Immobilien verlassen konnte. Die Menschen reagierten rational: Sie verringerten ihre Ausgaben und arbeiteten, wenn möglich, länger als zuvor.

Der Babyboomer-Film, den wir in den letzten Jahrzehnten gesehen haben, wird jetzt rückwärts abgespielt. Statt ein Einkommen zu verdienen und es in der Wirtschaft auszugeben oder in ihre individuellen Rentenkonten zu investieren, heben die Babyboomer jetzt Geld von ihren Konten ab und greifen dabei angesichts des niedrigen Zinsniveaus wahrscheinlich auch auf ihr Grundkapital zurück. Das ist einer von verschiedenen Faktoren, die zu den mickrigen Wachstumsraten des aktuellen Wirtschaftszyklus und zu den unterdurchschnittlichen Kursgewinnen an den Finanzmärkten innerhalb der letzten zehn Jahre geführt haben.


Demografie: "Peak-Jugend" steht bevor

Da die Altersgruppe der über 65-Jährigen weiter wächst, während der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung schrumpft, wird das Wachstums auch in Zukunft kraftlos bleiben. Das ist ein Problem, das den Großteil der hochentwickelten Industriestaaten betrifft. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit nähern wir uns dem Punkt, an dem es mehr alte als junge Menschen geben wird. Der folgende Chart zeigt, dass die Zahl der über 65-Jährigen in nicht allzu ferner Zukunft die Zahl der höchstens Fünfjährigen erstmals übertreffen wird.

Ein größerer Anteil der Bevölkerung tritt nun in einen Lebensabschnitt ein, in dem das zuvor erwirtschaftete Vermögen ausgegeben wird. Dadurch verringert sich auf der anderen Seite der Bevölkerungsanteil, welcher sein Vermögen noch aufbaut. Infolgedessen werden die künftigen Wachstumsraten viel geringer ausfallen als in der Vergangenheit. Das gilt insbesondere auch deswegen, weil die heutige Generation der neu an Arbeitsmarkt gelangenden jungen Erwachsenen mit deutlich höheren Schulden belastet ist (Studienkredite), als es ihre Eltern früher waren.

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Quelle: UN




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