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Banken unter Druck, Gold im Aufwind

08.08.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die "Euro-Bankenrettung" läuft auf eine großangelegte Monetisierung der Schulden hinaus. Anleger sollten auf Gold und gute Aktien setzen.

Die Banken im Euroraum stehen wieder - und vermutlich sogar stärker denn je - unter Druck: dünne Kapitaldecken, geringe Ertragsaussichten und vor allem beträchtliche Bestände an "faulen Krediten" in den Bilanzen.

Besonders problematisch ist dabei, dass der Euro-Bankenapparat eine gewaltige Größe hat: Die Bilanzsumme aller Euro-Banken beläuft sich auf 31,7 Billionen Euro, das sind etwa 319 Prozent des Euroraum-Bruttoinlandsproduktes. Der Euro-Bankenapparat ist damit der größte der Welt. Seine "Rettung" wird weitreichende Folgen haben, nicht nur für den Euro, sondern auch für die Weltfinanzmärkte insgesamt.

Es stellt sich an dieser Stelle die wichtige Frage: Was ist die Verbindung zwischen dem Wohl und Wehe der Euro-Banken und dem Goldpreis (in Euro pro Feinunze)?

Nachstehend ist der Goldpreis in Euro pro Feinunze abgebildet, zusammen mit dem Index für die Euro-Bankaktienkurse. Durch die "Methode des genauen Hinschauens" erkennt man das Folgende:

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Quelle: Bloomberg


Der Niedergang der Bankaktien ab 2007 bis etwa Mitte 2012 war begleitet von einem steigenden Goldpreis (in Euro/oz). Die nachfolgende Erholung der Bankaktien ging mit einem fallenden Goldpreis einher. Als die Aktienkurserholung Anfang 2014 ins Stocken geriet, begann der Goldpreis wieder zu steigen, und er zog besonders stark an, als die Euro-Bankenaktien ihre Talfahrt ab Mitte 2015 wieder aufnahmen.


Der Euro-Bankensektor ist der größte in der Welt

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Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen


Der Euro-Bankensektor wies im Juni 2016 eine Bilanzsumme von mehr als 31,7 Billionen Euro aus - das waren etwa 319 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Zum Vergleich: Die US-amerikanische Bankbilanzsumme belief sich zur gleichen Zeit nur auf etwa 86 Prozent des BIPs.

Warum ist der Euro-Bankensektor deutlich größer (gemessen an der Wirtschaftsleistung) als der amerikanische? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten. (1) Amerikanische Unternehmen beschaffen sich Kredite vor allem über die Kapitalmärkte, im Euroraum eher über Bankkredite. (2) Die Euro-Banken halten Kredite auf ihrer Bilanz, amerikanische Banken verbriefen sie und verkaufen sie an Banken und Nichtbanken (Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften) weltweit. (Dazu gehörten vor allem auch insbesondere die deutschen Landesbanken, die ganz offensichtlich nicht in der Lage waren, die damit verbundenen Risiken zu erkennen.)

Für das außergewöhnliche Wachstum der Euro-Bankbilanzen trägt letztlich die Europäische Zentralbank (EZB) die Verantwortung. Sie war es, die mit ihrer expansiven Geldpolitik dafür gesorgt hat, dass die Bankbilanzen im Euroraum weitaus stärker anschwellen konnten, als die Wirtschaftsleistung zugenommen hat. Mit dem Wachstum der Euro-Bankbilanzen wurde ein "Boom" in Gang gesetzt, der in einen "Bust" umgeschlagen ist. Um das Schlimmste zu verhindern, muss die EZB die Euro-Bankbilanzen vor dem Schrumpfen bewahren. Eine solche Politik wird jedoch zu einer ungehemmten Ausweitung der Euro-Geldmenge führen, in eine Euro-Kaufkraftentwertung münden.



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