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Fester US-Dollar sorgt für Abgabedruck

29.08.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise starten mit Verlusten in die neue Handelswoche. Brent fällt auf gut 49 USD je Barrel, nachdem der Preis am Freitag zwischenzeitlich auf knapp 51 USD gestiegen war. WTI notiert unterhalb von 47 USD je Barrel, verglichen mit einem Hoch von 48,5 USD am Freitag. Ein deutlich festerer US-Dollar sorgt heute für Abgabedruck (siehe auch Edelmetalle unten).

Insbesondere spekulative Finanzanleger dürften dies zum Anlass nehmen, Gewinne mitzunehmen. Potenzial gibt es dafür reichlich. In der Woche zum 23. August kam es bei WTI zu einem Anstieg der spekulativen Netto-Long-Positionen um 86,5 Tsd. auf 220,1 Tsd. Kontrakte, dem höchsten Niveau seit Mitte Mai. In den letzten beiden Berichtswochen stiegen die Wetten auf steigende Preise um 145 Tsd. Kontrakte. Der Preisanstieg seit Anfang August war somit im starken Maße spekulativ getrieben.

Ähnliches dürften auch die Positionierungsdaten für Brent heute Mittag zeigen, wobei das Niveau der Netto-Long-Positionen bei Brent bereits deutlich höher und somit ein neues Rekordniveau in Reichweite ist. Der steigende Optimismus der Finanzanleger in den letzten Wochen hängt eng zusammen mit der Erwartung einer Einigung wichtiger Ölproduzenten auf Produktionsobergrenzen bei einem Treffen Ende September in Algier.

Wir bleiben diesbezüglich skeptisch. Anderswo deuten die Zeichen dagegen auf eine steigende Ölproduktion. Der norwegische Ölkonzern Statoil hat seine Schätzung für das Ölfeld "Johan Sverdrup" nach oben revidiert und rechnet nun mit einer Anfangsproduktion von bis zu 440 Tsd. Barrel pro Tag (bislang 315-380 Tsd. Barrel pro Tag). Ab 2022 sollen täglich bis zu 660 Tsd. Barrel gefördert werden (bislang 550-650 Tsd. Barrel pro Tag).


Edelmetalle

Gold notiert zum Auftakt der neuen Handelswoche zeitweise auf einem 4½-Wochentief von 1.315 USD je Feinunze. Am Freitagnachmittag sprang Gold in einer ersten Reaktion auf die Rede der Fed-Vorsitzenden Yellen in Jackson Hole auf über 1.340 USD nach oben, konnte dieses Niveau aber nicht halten und beendete den Handel im Minus. Belastet wurde Gold durch den US-Dollar, der zunächst zwar ebenfalls deutlich abwertete, anschließend aber sämtliche Verluste wieder aufholte.

Auch die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen legte spürbar zu. Der Preisrückgang am Freitag ging mit leichten ETF-Abflüssen (1,4 Tonnen) einher, womit auch eine Serie von fünf Tageszuflüssen in Folge beendet wurde. Yellen konstatierte in ihrer Rede auf der Zentralbankkonferenz zunächst, dass es nun mehr Argumente für eine Zinserhöhung gebe und erwähnte in diesem Zusammenhang den US-Arbeitsmarkt sowie die Aussichten für die Wirtschaft und die Inflation. Sie machte aber keine Angaben zum Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung.

Deutlicher äußerte sich dagegen Fed-Vize Fischer. Dieser sieht die Möglichkeit für einen Zinsschritt im September und von zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr. Laut Fed Fund Futures liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed noch in diesem Jahr jetzt wieder bei 75%. Dies ist der höchste Wert seit Anfang Juni, als der schwache Mai-Arbeitsmarktbericht die Zinserwartungen einbrechen ließ. Im Fahrwasser von Gold fällt Silber heute Morgen auf ein 2-Monatstief von 18,4 USD je Feinunze.

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Industriemetalle

An der Londoner Metallbörse findet heute wegen eines Bankfeiertages kein Handel statt. Entsprechend dünn ist auch die Nachrichtenlage. Der LME-Industriemetallindex beendete die letzte Handelswoche auf einem 7-Wochentief von 2.358 Punkten. Kupfer an der SHFE in Shanghai zeigt sich zum Wochenauftakt kaum verändert bei 36.400 CNY je Tonne und handelt damit nur leicht über einem 2-Monatstief. Die Stimmung der Marktteilnehmer hat sich zuletzt deutlich eingetrübt.

Dies macht sich unter anderem in der Positionierung der spekulativen Finanzinvestoren bei Kupfer bemerkbar, die mehrheitlich wieder auf fallende Preise setzen. An der Comex in New York gab es in der Woche zum 23. August mit 6 Tsd. Kontrakten die höchsten Netto-Short-Positionen seit neun Wochen.

Auch die fundamentale Lage am Kupfermarkt scheint aktuell nicht mehr ganz so angespannt zu sein. So sind die Kupfervorräte in den Lagerhäusern der LME in der letzten Woche um über 60 Tsd. Tonnen bzw. fast 30% gestiegen. Sie liegen damit auf dem höchsten Niveau seit zehn Monaten. Der Lageraufbau erfolgte dabei vor allem in den asiatischen LME-Lagerhäusern und dürfte in Zusammenhang mit den zuletzt verstärkten Kupferexporten Chinas stehen.

Der Eisenerzpreis ist am Freitag erstmals seit gut zwei Wochen wieder unter 60 USD je Tonne gefallen. Vor allem das reichliche Angebot spricht unseres Erachtens für deutlich niedrigere Preise. Zur aktuellen Lage am seewärtig-gehandelten Eisenerzmarkt veröffentlichen wir heute einen Rk Industriemetalle.


Agrarrohstoffe

Der Weizenpreis an der CBOT ist am Morgen auf den niedrigsten Stand seit rund 10 Jahren von weniger als 400 US-Cents je Scheffel gefallen. Der stärkere US-Dollar dürfte allenfalls eine Teilerklärung sein. Hinzu kommen der Verkaufsdruck in den USA, um Lagerkapazität für die Maisernte freizumachen, und die Rückkehr des größten Importeurs Ägypten zu einer extrem harten Gangart im Hinblick auf Pilzbefall bei Importware.

Die global betrachtet entspannte Versorgungslage bestimmt den Ton. Die Prognosen für die weltweite Weizenproduktion 2016/17 werden immer weiter angehoben, zuletzt am Donnerstag durch den Internationalen Getreiderat, der seine Schätzung um stolze 8 Mio. Tonnen anhob (siehe auch TagesInfo Rohstoffe vom 26. August). Mit 743 Mio. Tonnen liegt der IGC nun gleichauf mit dem USDA. Im letzten Jahr hatte der IGC Ende August einen Sprung von 10 Mio. Tonnen nach oben eingestellt und damit einen großen Teil der im Juli 2015 herrschenden Diskrepanz von 12 Mio. Tonnen geschlossen.

Das Einschwenken wurde damals ebenfalls von einem starken Preisrückgang begleitet. Das Angebot stellt sich verglichen mit vor einem Jahr nochmals reichlicher dar. Aktuell werden die globalen Endbestände für 2016/17 vom IGC über 20 Mio. Tonnen höher geschätzt als zum damaligen Zeitpunkt die Endbestände für 2015/16. Beim USDA sind dies sogar über 30 Mio. Tonnen mehr.



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