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Wie gewonnen, so zerronnen?

06.09.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise haben ihre deutlichen Gewinne von gestern teilweise wieder abgegeben. Brent handelt am Morgen bei knapp 48 USD je Barrel, nachdem gestern in der Spitze 49,4 USD erreicht wurden. Wie gestern bekannt wurde, haben sich Russland und Saudi-Arabien am Rande des G20-Treffens in China auf eine Kooperation am globalen Ölmarkt verständigt. Konkrete Maßnahmen wurden dabei allerdings nicht beschlossen. Kurzfristig dürfte sich somit nichts ändern.

Der saudi-arabische Energieminister al-Falih sieht momentan nicht einmal die Notwendigkeit für eine Deckelung der Ölproduktion. Über dieses Thema sollte eigentlich beim Treffen wichtiger Ölproduzenten Ende des Monats in Algier gesprochen werden. Die OPEC hat ihre Produktion in den letzten drei Monaten um ca. 1 Mio. Barrel pro Tag erhöht und produziert damit wieder deutlich mehr als benötigt.

Eine Deckelung der Produktion auf dem aktuellen Niveau würde nicht ausreichen, um den Ölmarkt sofort ins Gleichgewicht zu bringen. Sie würde lediglich perspektivisch für einen ausgeglichenen Ölmarkt sorgen, nämlich Mitte 2017 auf Basis der aktuellen Bedarfsschätzung der IEA. Ob eine Produktionsobergrenze von allen OPEC-Mitgliedern eingehalten würde, ist zudem fraglich.

Gleichzeitig halten die spekulativen Finanzanleger in Erwartung einer Einigung beim Treffen in Algier weiterhin nahezu rekordhohe Netto-Long-Positionen bei Brent. Die Frage ist, wie lange sich diese Marktteilnehmer mit Worten seitens der Ölproduzenten zufrieden geben werden. Irgendwann müssen den Worten auch Taten folgen. Ansonsten droht den Ölpreisen ein empfindlicher Rückschlag.


Edelmetalle

Viele Goldminengesellschaften haben offensichtlich die höheren Goldpreise im 2. Quartal für Absicherungsgeschäfte genutzt. Laut einem Bericht von Thomson Reuters GFMS haben die Goldminen zusätzlich 21 Tonnen Gold über Termingeschäfte gegen fallende Preise abgesichert. Insgesamt war per Ende Juni mit 295 Tonnen fast viermal so viel an künftiger Goldminenproduktion gegen fallende Preise abgesichert als noch zu Beginn des Jahres 2014, bevor sich die Goldminen erstmals seit vielen Jahren wieder verstärkt gegen fallende Preise abzusichern begannen.

Man sollte dies jedoch nicht überbewerten. Denn zu Beginn der Gold-Hausse Anfang des letzten Jahrzehnts waren die Absicherungsgeschäfte noch um ein Vielfaches höher und die Produktionsmenge deutlich niedriger. Dennoch drückt die steigende Popularität der Gold-Absicherungen schon eine gewisse Skepsis der physischen Marktteilnehmer in Bezug auf mittelfristige Preisentwicklung aus. Denn die Positionierung der sogenannten kommerziellen Teilnehmer, wie z.B. Goldhändler oder Minenproduzenten, an der COMEX ist derzeit so negativ wie selten zuvor (Grafik des Tages).

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Noch zu Jahresbeginn war der Pessimismus auf dem niedrigsten Stand seit 2001. Aus unserer Sicht spielt die Goldminenproduktion bei der Preisfindung am Goldmarkt jedoch schon seit vielen Jahren keine ausschlaggebende Rolle mehr. Denn Gold entwickelte sich von einem Schmuckmetall zunehmend zu einem Anlagemetall. Dementsprechend sind für seine Preisentwicklung vor allem Finanzmarktindikatoren wie Anlegerstimmung, Wechselkurse oder Zinsentwicklung ausschlaggebend.


Industriemetalle

Kupfer und Aluminium machen gestern verlorenen Boden gut und steigen am Morgen auf 4.652 USD bzw. 1.593 USD je Tonne. Allerdings sind beide Märkte aktuell gut versorgt. So erreichten die LME-Kupferbestände in Asien heute mit 269 Tsd. Tonnen einen dreijährigen Höchststand. Auch der globale Aluminiummarkt ist u.E. nach gut versorgt (siehe Tagesinfo Rohstoffe vom 23.08.2016).

Auf der anderen Seite geben Zink, Blei und Zinn heute etwas nach. Nickel steigt heute auf 10.150 USD je Tonne. Die deutliche Aufwärtsbewegung seit Mitte Juni im Zuge der Nachrichten von den Philippinen über Minenschließungen scheint jedoch vorerst gestoppt. Sollten allerdings wie von der philippinischen Umweltministerin angekündigt noch weitere Minenschließungen anstehen, könnte dies dem Nickelpreis neuerlich Auftrieb geben.

Gleichzeitig erwägt die Regierung in Indonesien nach Aussage des dortigen Energie- und Bergbauministers die Aufweichung des seit Anfang 2014 bestehenden Exportverbotes von unbehandelten Erzen. Hierbei spielen sowohl die Erwartung positiver Auswirkungen auf die Bergbauindustrie des Landes als auch die zunehmend unwahrscheinliche Umsetzung von Investitionen in Schmelzanlagen angesichts niedriger Preise eine Rolle. Somit könnte demnächst zusätzliches Angebot aus Indonesien an den Markt gelangen, was den Preisanstieg bei Nickel abbremsen würde.


Agrarrohstoffe

Bei feiertagsbedingt geschlossenen US-Märkten kam gestern nur der Weizenpreis in Paris nochmals unter Druck, als weitere Analysten ihre Schätzung der russischen Weizenernte anhoben. Die beiden russischen Institute Ikar und ProZerno beziffern sie nun auf rekordhohe 72 bzw. 72,8 Mio. Tonnen. In der letzten Prognose hatte auch das US-Landwirtschaftsministerium seine Schätzung auf 72 Mio. Tonnen gehoben. Insofern steht diese Zahl bereits länger im Raum, wird nun aber durch russische Quellen weiter erhärtet.

China möchte seine Sojabohnenproduktion in den nächsten Jahren mit Hilfe von Subventionen für den Anbau stark ausdehnen. Die Maisproduktion soll dagegen zurückgeführt werden. Diese war mit hohen Abnahmepreisen gefördert worden, was zu einem starken Lageraufbau führte. Dieser soll nun gestoppt werden. Dagegen weist die Richtung der Sojabohnenproduktion nach unten und die Sojabohnenimporte stiegen in den letzten Jahren stark. Dieser Trend soll nun zumindest verlangsamt werden.

Mehr wird auch nicht möglich sein, denn selbst wenn die Produktion wie geplant bis 2020 von 12,5 auf fast 19 Mio. Tonnen gesteigert würde, wäre das immer noch nur ein kleiner Teil des Verbrauchs. Dieser soll bereits in der laufenden Saison 2016/17 bei rund 100 Mio. Tonnen liegen. Mit einem Einbruch der chinesischen Sojabohnenimporte ist daher nicht zu rechnen. Vielmehr ist zu erwarten, dass der Bedarf an Sojabohnen zur Produktion von Speiseöl und Futtermitteln in China weiter steigen wird und dieser weiterhin zum größten Teil am internationalen Markt gedeckt werden wird.



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