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Anhaltender Gegenwind für Ölpreise

15.09.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise sind gestern den zweiten Tag in Folge deutlich gefallen. Brent fiel um knapp 3% auf weniger als 46 USD je Barrel, den niedrigsten Stand seit Anfang September. WTI kostete zeitweise nur noch 43,5 USD je Barrel, ebenfalls so wenig wie zuletzt vor knapp zwei Wochen.

Für Abgabedruck sorgten Nachrichten aus Libyen, wo die staatliche Ölgesellschaft NOC die Ölxporte aus vier Häfen wieder aufnehmen will. Der Chef der NOC äußerte die Erwartung, dass die Ölproduktion Libyens innerhalb eines Monats auf 600 Tsd. Barrel pro Tag verdoppelt werden und bis Ende des Jahres 950 Tsd. Barrel pro Tag erreichen könnte. Das bereits bestehende Überangebot auf dem globalen Ölmarkt würde sich damit nochmals vergrößern.

Die US-Rohöllagerbestände sind in der letzten Woche überraschend um 559 Tsd. Barrel gefallen. Damit kam es nicht zu der erwarteten Gegenbewegung nach dem kräftigen Lagerabbau der Vorwoche. Zwar stiegen die Importe um 1 Mio. Barrel pro Tag und machten damit gut die Hälfte des Einbruchs der Vorwoche wieder wett. Dies führte aber nicht zu einem Anstieg der Lagerbestände, ebensowenig der gemeldete Rückgang der Rohölverarbeitung.

Die Rohölvorräte in Cushing verringerten sich sogar um 1,2 Mio. Barrel. Dass die Ölpreise die daraufhin erzielten Gewinne nicht halten konnten und letztlich sogar deutlich ins Minus drehten, lag am kräftigen Anstieg der Lagerbestände bei den Ölprodukten, insbesondere bei den Destillaten. Diese stiegen um 4,6 Mio. Barrel, was dem stärksten Lageraufbau seit Januar entsprach. Die Destillatebestände liegen damit auf dem höchsten Niveau für diese Jahreszeit seit sechs Jahren.

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Edelmetalle

Gold neigt weiter zur Schwäche und handelt am Morgen bei rund 1.320 USD je Feinunze auf einem 2-Wochentief. Die ultra-lockere Geldpolitik scheint zwar weiterhin die ultimative Lösung für alle Wirtschaftsprobleme zu sein, ob in der Eurozone, den USA, China oder Japan. Die sehr niedrigen oder vielfach sogar negativen Zinsen dürften die Anleger daher weiterhin in Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold treiben.

Kurzfristig bleibt der Goldpreis jedoch weiter unter Druck, weil zum einen die Anlegererwartungen bereits sehr hoch sind und zum anderen die Finanzmarktteilnehmer aktuell keine allzu große Angst verspüren, weshalb die Nachfrage nach Gold als einem "sicheren Hafen" eher schwindet. Auch die asiatische Schmucknachfrage, die meist sehr preissensibel ist, neigte in den letzten Monaten zur Schwäche. Der zuletzt gefallene Goldpreis zehrt auch an der Entwicklung anderer Edelmetallpreise, die teilweise noch stärker als Gold unter Druck geraten sind.

Der Platinpreis ist vom Hoch im August bereits um 10% gefallen und liegt mit rund 1.030 USD je Unzen auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Juli. Dabei ist die Preisdifferenz zwischen Platin und Gold mit knapp 290 USD je Unze auf den höchsten Stand seit Juni gestiegen. Dabei scheint dem Platinpreis die Gefahr von Minenstreiks in Südafrika und die jüngste Einschätzung des World Platinum Investment Council, dass der Platinmarkt in diesem Jahr erneut ein Angebotsdefizit von 520 Tsd. aufzeigen wird, nicht zu helfen.


Industriemetalle

Wegen des Mittherbstfestes bleiben die Märkte in China für den Rest der Woche geschlossen. Die jüngsten Daten aus China geben Grund zur Hoffnung auf ein stärkeres Wachstum in den kommenden Monaten. Einiges deutet daraufhin, dass vor allem der anhaltende monetäre Stimulus für die starke Dynamik verantwortlich ist. Denn die Höhe neuer Kredite, das Geldmengenwachstum und vor allem die gesamte Kreditvergabe lagen allesamt teilweise weit über den Erwartungen.

Weil aber die privaten Anlageinvestitionen zuletzt weiterhin mit einer extrem niedrigen Rate von 2,1% ggü. Vorjahr wuchsen - bis Anfang 2016 haben diese stets zweistellige Wachstumsraten gezeigt - liegt die Vermutung nahe, dass ein Großteil der Kredite nicht produktiv, sondern vor allem in Immobilien angelegt wird, die seit Jahresbeginn einen fulminanten Preisanstieg hingelegt haben. Trotz langfristiger Gefahren von Überkapazitäten und einer Immobilienblase spricht die aktuelle starke Wirtschaftsdynamik in China für eine stabile Nachfrage nach Industriemetallen.

In letzter Zeit ist die Anlegerstimmung bei Industriemetalle, insbesondere zum "Konjunkturmetall" Kupfer spürbar negativer geworden. Sowohl an der COMEX als auch an der LME war die Positionierung der Anleger zuletzt so pessimistisch wie zuletzt Mitte Juni und wie selten davor. Damit könnten sie auf dem falschen Fuß erwischt werden. Wahrscheinlich auch deshalb ist der Kupferpreis an der LME um über 100 USD auf ein Mehrwochenhoch von fast 4.800 USD je Tonne gestiegen.


Agrarrohstoffe

In seinen am Montag veröffentlichten Prognosen hat das US-Landwirtschaftsministerium USDA die Prognose für die US-Baumwollproduktion 2016/17 leicht angehoben. Es folgte damit dem International Cotton Advisory Committee, welches seine Prognose für die US-Produktion bereits in der letzten Woche erhöhte. Sowohl die Fläche als auch der Ertrag wurden vom USDA etwas höher angesetzt. Gleichzeitig reduzierte das USDA seine Prognose für den Verbrauch in den USA etwas, so dass sich die Schätzung für die US-Endbestände 2016/17 um 4,3% erhöht.

Es war erwartet worden, dass das USDA eine weitere moderate Anhebung bei den US-Exporten vornimmt. Dass dies nicht geschah, sorgte für Enttäuschung und ließ den Baumwollpreis nachgeben. Auch für die Welt als Ganze hob das USDA die erwartete Baumwollproduktion 2016/17 leicht an, das prognostizierte Defizit 2016/17 wird etwas kleiner erwartet als im August.

Zwei Defizite in Folge lassen aber dennoch das Lager-Verbrauchs-Verhältnis von 100% am Ende der Saison 2014/15 auf rund 80% Ende 2016/17 absinken. Absolut betrachtet gehen die globalen Lagerbestände laut USDA auf ein 5-Jahrestief zurück. Mit Mali scheint ein neuer Akteur auf der Angebotsseite aufzutauchen. Der größte westafrikanische Baumwollproduzent rechnet für dieses Jahr mit einer Rekordernte von mindestens 650 Tsd. Tonnen. Inoffizielle Schätzungen reichen sogar bis 700 Tsd. Tonnen. Damit würde Mali fast soviel Baumwolle produzieren wie Australien oder Usbekistan.



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