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Brentöl kostet wieder mehr als 50 USD je Barrel

04.10.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Brentölpreis schaffte es gestern erstmals seit anderthalb Monaten wieder über die psychologisch wichtige Marke von 50 USD je Barrel zu klettern. Aufwind gibt weiterhin die Ankündigung der OPEC, ihre Produktion zu kürzen. Wir sind jedoch skeptisch, dass der Höhenflug lange andauert. Denn die Umsetzung der Produktionskürzung wird äußerst schwierig werden. Ein Schlaglicht auf die Probleme werfen die jüngsten OPEC-Produktionsschätzungen der Nachrichtenagenturen. Laut Reuters hat das Kartell im September mehr produziert als je zuvor bzw. mit 33,6 Mio. Barrel pro Tag rund 600 Tsd. Barrel über der Obergrenze des neuen Produktionsziels.

Saudi-Arabien hat zwar seine Produktion gegenüber August leicht zurückgenommen, aber im Irak und in Libyen wurde mehr produziert. In Libyen zeigte sich der Chef der National Oil Corporation zudem optimistisch, dass die Produktion weiter hochgefahren werden kann. Wir sind zwar skeptisch, dass sich die Sicherheitslage nachhaltig stabilisiert hat; und auch in Nigeria bleibt die Lage angespannt. Doch selbst wenn die Produktion hier nachhaltig enttäuscht, wird es schwer, Ende November die Produktionsgrenzen zu fixieren und darüber hinaus die Einhaltung zu sichern.

Vor diesem Hintergrund dürften die spekulativen Anleger ihre hohe Netto-Long-Positionierung wohl mittelfristig durchaus nochmals auf den Prüfstand stellen. Bei WTI waren diese sogar bereits vor der überraschenden Ankündigung der OPEC wieder aufgebaut worden, was wohl auch dem zuletzt deutlichen Abbau der US-Ölvorräte geschuldet war. An der ICE hatten die Spekulanten ihre Netto-Long-Positionen leicht reduziert, dürften diese aber in der Zwischenzeit auch wieder aufgebaut haben.

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Edelmetalle

Gold dümpelt weiter vor sich hin und handelt am Morgen bei rund 1.310 USD je Feinunze auf einem 2-Wochentief. In Euro gerechnet rutscht Gold sogar fast auf ein 3-Wochentief von 1.170 EUR je Feinunze ab. Belastend wirken der wohl zuletzt etwas höhere Risikoappetit der Marktteilnehmer, der leicht festere US-Dollar und moderat steigende Anleiherenditen.

Zudem erhält Gold schon seit Wochen kaum noch Unterstützung seitens der ETF-Investoren. Den von Bloomberg erfassten Gold-ETFs sind im September „nur“ 11 Tonnen Gold zugeflossen. Dies war der geringste Monatszufluss seit April. Und auch die Münzabsätze in den USA ziehen nur zögerlich wieder an. Gemäß Daten der US-Münzanstalt wurden im September 63 Tsd. Unzen Goldmünzen verkauft. Dies war zwar 8% mehr als im Vormonat, aber gerade mal die Hälfte des Vorjahres. Seit Jahresbeginn liegen die US-Münzabsätze mittlerweile auch leicht unter Vorjahr.

Die spekulativen Finanzinvestoren haben in der Woche zum 27. September laut CFTC-Statistik ihre Netto-Long-Positionen bei Gold wieder deutlich um 20% auf ein 3-Wochenhoch von 255,2 Tsd. Kontrakten ausgeweitet. Dies hat dem Goldpreis aber kaum Unterstützung gegeben. Offenbar hat eine schwächere physische Nachfrage den Goldpreisanstieg gebremst. Der Preisrückgang seit dem Datenstichtag legt nahe, dass die spekulativen Finanzinvestoren mittlerweile Gewinne mitgenommen und sich bei Gold wieder zurückgezogen haben.


Industriemetalle

Kupfer handelt am Morgen weitgehend unverändert bei gut 4.800 USD je Tonne, nachdem es gestern fast 1% nachgab. Nickel kostet knapp 10.400 USD je Tonne, und Aluminium notiert bei rund 1.670 USD je Tonne.

Solide Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe (PMI) in China und den USA geben den Metallpreisen keinen Auftrieb. Der von Caixin erhobene PMI stieg im September leicht auf 50,1 und lag damit den dritten Monat in Folge über der Marke von 50, die Expansion anzeigt. Der offizielle chinesische PMI verharrte mit 50,4 ebenfalls im expansiven Bereich. Dies deutet auf eine gewisse kurzfristige Stabilisierung in Chinas Industrie hin.

Mittelfristig stellen die immensen Kapazitätsüberschüsse in Teilen der Industrie aber immer noch ein Problem für China dar. Die staatlichen Gegenmaßnahmen zeigten bislang kaum Wirkung. Dagegen gibt es Berichte, wonach in China in weiteren Städten Maßnahmen ergriffen werden, um den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen. Dies könnte sich negativ auf die Nachfrage nach Metallen auswirken.

Der wieder klar in den expansiven Bereich gestiegene ISM-Index in den USA verpufft ebenfalls weitgehend wirkungslos. Dass die Metallpreise kaum auf die Daten reagieren, dürfte wohl im Wesentlichen daran liegen, dass die chinesischen Märkte aufgrund der "Golden Week" diese Woche geschlossen sind. Dies macht sich in einem deutlich geringeren Handelsvolumen bemerkbar.


Agrarrohstoffe

Die Preise für Mais und Sojabohnen legten gestern in Chicago um 2,7% bzw. 2% zu. Am Freitag hatte das US-Landwirtschaftsministerium die Lagerbestände beider Produkte in den USA zum Stichtag 1. September gemeldet. Sowohl bei Mais als auch bei Sojabohnen beginnt zu diesem Stichtag das neue Wirtschaftsjahr. Mit 1,74 Mrd. Scheffel wurden die Bestände an Mais zwar etwas höher gemeldet als das USDA in seinen letzten Prognosen eingestellt hatte, doch war in Umfragen ein höherer Bestand erwartet worden. Dasselbe gilt für die US-Sojabohnenbestände, die am 1. September 197 Mio. Scheffel betrugen.

Gute Exportdaten der letzten Woche unterstützen den Preisauftrieb sowohl bei Mais als auch bei Sojabohnen. In der laufenden Saison dürften die Mais- und Sojabohnenbestände stark steigen, da bei beiden Produkten mit einer Rekordernte gerechnet wird. Bei Mais ist rund ein Viertel der Ernte eingebracht, und trotz einer Absenkung um einen Punkt ist der aktuelle Anteil der in ihrem Zustand als gut oder sehr gut beschriebenen Pflanzen mit 73% sehr hoch. Die Erwartung rekordhoher Erträge scheint daher realistisch. Bei Sojabohnen ist ebenfalls ein Viertel der Ernte eingebracht und der Pflanzenzustand mit 74% der Pflanzen in den Kategorien gut oder sehr gut sogar noch leicht besser als in der Vorwoche. Auch hier werden rekordhohe Erträge erwartet.

Dagegen kürzte die EU-Kommission Ende September ihre Prognose für die EU-Maisproduktion 2016/17 auf 59,7 Mio. Tonnen, nach 62,5 Mio. Tonnen im August. Damit kommt sie dem Niveau der dürrebedingt enttäuschenden Vorjahresernte von 58 Mio. Tonnen immer näher.



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