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Zweifacher Absturz des Goldkurses innerhalb einer Woche - eine mögliche Erklärung

08.10.2016  |  Michael J. Kosares
Wir sind nicht oft der gleichen Meinung wie der gefürchtete Dennis Gartman, der für seine finanziellen Ratschläge unerhörte Prämien erhält, aber derzeit scheint es, als würde er den Verdacht bestätigen, den wir vor zwei Tagen in einem Artikel geäußert haben - nämlich, dass in Londoner Goldhandelskreisen etwas nicht stimmt, und dass der jüngste Abverkauf am Goldmarkt mit dem Einbruch des britischen Pfundes im Zusammenhang steht. Hier ist der Chart mit der Kursentwicklung vom Donnerstag. Der zweite steile Absturz des Goldpreises ereignete sich gleichzeitig mit dem zweiten Klippensprung des Pfund Sterling.

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Mein erster Instinkt war, wie auch Gartman sagt, dass der Sell-off von Goldkontrakten am Londoner Papiermarkt "Teil eines Gerangels um Liquidität unter den Großbanken" sein könnte. Gartman gibt die Schuld einem "riesigen" Hedgefonds. Ich weiß nicht, ob er über Insiderinformationen verfügt, oder ob das nur eine Vermutung ist, daher wollen wir es vorerst dabei belassen, dass es sich um "Banken" handelt - genauer gesagt um die Banken, die bislang Long-Positionen am Papiergoldmarkt hielten.

Gartmans Kommentar dazu:

"Was Gold und die anderen Edelmetalle anbelangt, entwickeln sich die Kurse offensichtlich weiterhin schwach, und während der Einbruch vom Dienstag weiter in die Ferne rückt, scheint es zunehmend wahrscheinlicher, dass es sich dabei um eine erzwungene Liquidation seitens eines großen - oder sogar riesigen - Hedgefonds in London handelte. Die schiere Panik, die den Goldmarkt erfasste, erweckte nicht den Eindruck, als gründe sie sich auf Gerüchte, denen zufolge die EZB ihre Anleihekäufe einschränken wolle und es sah auch nicht so aus, als würden sich die Hedger im Goldbergbau plötzlich beeilen, ihre künftige Produktion abzusichern. Es sah eher nach den Liquidationsverkäufen eines in Panik geratenen Traders aus, so als hätte irgendwo irgendjemand die Kontrolle verloren."


Einen Kurssturz später scheint es nun, als müsse man von den Schuldigen im Plural sprechen, es sei denn die Positionen eines einzelnen Fonds wären so tief im Minus, dass es mehr als einen Handelstag braucht, um Liquidität zu beschaffen. Das ergibt allerdings nicht allzu viel Sinn und würde auch kein gutes Licht auf den Chef-Trader des Fonds werfen, falls es sich tatsächlich nur um ein großes Finanzunternehmen handelt, das für die Preisrückgänge verantwortlich ist. Warum sollte man für einen zweiten Beutezug niedrigere Preise riskieren, wenn der Trade auch in einem plötzlichen Überraschungsangriff ausgeführt werden kann? Vielleicht werden wir die Details eines Tages erfahren, aber das ist eher zweifelhaft. Was auch immer sich im Gebüsch des Londoner Goldmarktes versteckt, bleibt üblicherweise auch dort, solange es nicht gewaltsam ans Tageslicht gezerrt wird.

Der wichtigste Punkt ist jedoch folgender: Wenn die Kurseinbrüche auf erzwungene Liquidationsverkäufe zurückzuführen sind, die nötig waren, um eine andere Zahlungsverpflichtung zu erfüllen, dann werden sich die Verkäufe auf die Positionen in den Büchern der Institutionen beschränken, die flüssiges Kapital benötigten. Sie werden also wahrscheinlich ein abruptes Ende finden.

Indessen ist China, wie der World Gold Council meldete, diese Woche aufgrund von Feiertagen aus dem Spiel ist, d. h. der größte unermüdliche Goldkäufer wird erst nächste Woche wieder an den Märkten mitmischen. Wenn die Chinesen zurückkommen und eine gute Kaufgelegenheit wittern, werden sie das niedrigere Kursniveau nutzen, um mehr Goldbullion zu erwerben. In diesem Fall könnte es zu einer rasanten Umkehr des Kurses kommen, denn wie wir ausführlich berichteten gibt es einfach nicht genügend verfügbares physisches Metall, um einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage zu decken. Wenn der Preis nicht hoch genug ist, werden die Kauforders nicht erfüllt.

Wir sind hier also der gleichen Meinung wie der World Gold Council und andere, die die aktuelle Situation als Kaufgelegenheit auffassen. Das gilt insbesondere für die Käufer von physischem Gold, die weitere potentielle Kursverluste aussitzen können. In der Vergangenheit waren Umkehrrallys unter vergleichbaren Umständen meist steil und robust. Wir bei USAGold können jedenfalls von hohen Umsätzen im Gold- und Silberhandel in den letzten Tagen berichten. Die Verkäufe haben, im Gegensatz zu denen unserer britischen Kollegen, noch nicht das bisherige Rekordniveau dieses Jahres erreicht, aber sie sind dennoch beachtlich. Die Amerikaner sind zwar nicht direkt betroffen, aber sie erkennen ein Schnäppchen, wenn sie eins sehen.


© Michael J. Kosares
USAGOLD / Centennial Precious Metals, Inc.


Der Artikel wurde am 6. Oktober 2016 auf gold-eagle.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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