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Michael Pento: Marktcrash 2017 und die Katalysatoren der Goldhausse

05.12.2016  |  Mike Gleason
Mike Gleason: Ich habe heute die Ehre Michael Pento, den Gründer von Pento Portfolio Strategies und Autor des Buches "The Coming Bond Market Collapse: How to Survive the Demise of the U.S. Debt Market" zu einem Interview begrüßen zu dürfen. Michael ist ein Finanzmanager, der sich an der Österreichischen Wirtschaftsschule orientiert und regelmäßig bei CNBC, Bloomberg, Fox Business News und auch bei unserem Money Metals Podcast zu Gast ist. Micheal, willkommen zurück und vielen Dank dafür, dass Sie heute bei uns sind.

Michael Pento: Die Interviews mit Money Metals Exchange sind immer die besten. Wie kommt das nur, Mike?


Mike Gleason: Danke, danke. Schön, dass Sie sich heute die Zeit für uns nehmen. Bevor wir auf andere Themen zu sprechen kommen, möchte ich es jedoch nicht versäumen, Sie nach ihren Gedanken zur Präsidentschaftswahl in den USA zu fragen. Trump hat entgegen aller Erwartungen gesiegt und das Establishment in Aufruhr versetzt, so ähnlich wie das auch schon beim Brexit war, bei dem die meisten Meinungsforscher ebenfalls völlig daneben lagen. Aber war es letztlich wirklich so überraschend, dass die Unzufriedenheit mit dem Status Quo Donald Trump zum Wahlsieg getragen hat? Was halten Sie vom Wahlergebnis, Michael?

Michael Pento: Für die liberalen Medien war es eine Überraschung, aber nicht so sehr für mich. Bedenken Sie, dass die US-Bürger schon seit Jahrzehnten keine echte Erhöhung der Einkommen und Gehälter mehr erlebt haben, dass seit Ende des dritten Quartals 2014 an den Aktienmärkten in realen Werten kaum positive Entwicklungen verzeichnet wurden, dass die Wirtschaft gar nicht mehr als 2% wachsen kann, und dass Sie in den letzten acht Jahren keinerlei Kapitalerträge hatten, wenn Sie Ihr Geld auf ein Bankkonto eingezahlt haben. Wenn Sie alle diese Faktoren berücksichtigen, ist es keineswegs überraschend, dass ein Außenseiter zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, der versprochen hat, den Sumpf trockenzulegen.


Mike Gleason: Wenn wir über die Auswirkungen der Wahl auf die Finanzwelt sprechen, was leiten Sie dann aus der Reaktion der Märkte auf das Wahlergebnis ab? Viele Beobachter hatten ja im Falle eines Wahlsieges von Trump starke Kursrückgänge an den Aktienmärkten vorhergesagt. Zu Beginn der Wahlnacht sah es zunächst auch danach aus, doch seitdem haben die Märkte ihre Richtung scharf geändert. Was sollen wir davon nun halten?

Michael Pento: Ich hatte den Markt im Vorfeld der Wahlen geshortet. Ich hatte Short-Positionen auf hochverzinsliche Anleihen, an den Schwellenmärkten und auch ein paar an den einheimischen US-Märkten. Als in der Wahlnacht der maximale Kursrückgang pro Handelstag erreicht war, war ich glücklich. Ich glaube der Dow Jones notierte in den frühen Morgenstunden des 9. November 800 Punkte im Minus. Als ich meine Shorts dann eingedeckte, habe ich allerdings kaum noch Gewinn gemacht.

Kaum jemand hatte vorhergesagt, dass die Republikaner so überlegen siegen würden. Ich glaube, die meisten hatten mit einer festgefahrenen Situation gerechnet, doch nun dachten sie, "Okay, warten wir ab, vielleicht ist Donald Trump ein bisschen unternehmensfreundlicher. Er könnte die Steuern senken. Er könnte Regulierungen und Vorschriften zurückfahren." Ich habe übrigens ehrlich gesagt ebenfalls für Trump gestimmt, aber keineswegs voller Enthusiasmus.

Ich war der Meinung, dass er ein besserer Präsident wäre als Mrs. Clinton, aber es gibt auch vieles, was mich an ihm stört. Ich möchte unbedingt darauf hinweisen, dass der politische Kurs von Donald Trump die Inflation stark erhöhen wird. Außerdem denke ich, dass er womöglich gerade die Blase am Anleihemarkt zum Platzen bringt, die dort in den letzten 35 Jahren gewachsen ist.


Mike Gleason: Im Zusammenhang mit den großen Pläne von Trump, den Steuererleichterungen, der Erneuerung der Infrastruktur und der Verringerung regulatorischer Vorgaben gibt es jede Menge Optimismus. Einige erwarten eine Wiedergeburt der Wirtschaft wie unter Ronald Reagan, doch zwischen der heutigen Situation und der Situation vor 35 Jahren bestehen zahlreiche, beträchtliche Unterschiede.

Die Staatsverschuldung der USA liegt mittlerweile z. B. bei mehr als 100% des Bruttoinlandsprodukts, während es damals nur rund 30% waren. Auch Privatpersonen ertrinken förmlich in Schulden. Egal welche gesellschaftliche Schicht man betrachtet, Amerika ist in keiner guten Ausgangslage, um den nächsten Wirtschaftsboom mit Krediten zu finanzieren und durch höhere Staatsausgaben herbeizuführen. Sollten die steuerlichen Belastungen und die Bürokratie dagegen wirklich eingeschränkt werden, wäre das großartig. Aber was meinen Sie? Ist nun die richtige Zeit für Optimismus und entsprechende Investitionen?


Michael Pento: Das muss ich verneinen. Ich bin im Moment nicht sonderlich optimistisch. Sehen wir uns ein paar Fakten an. Sie haben bereits die Überschuldung angesprochen. Wenn wir die Gesamtsumme der Schulden in unserem Land betrachten, stellen wir fest, dass sie 230% des BIP entspricht - ein absolutes Rekordhoch. Die Vereinigten Staaten können sich einen massiven Kollaps der Anleihepreise einfach nicht leisten.

Ich meine damit nicht Zinssätze von 18%. Selbst eine Art Normalisierung hätte katastrophale Auswirkungen. Die durchschnittliche Rendite einer Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren lag in der Zeit seit 1949 bei 7%. Angenommen, die Rendite der 10-jährigen Treasuries steigen wieder auf 4% oder 5% - welche Folgen wird das für den Immobilienmarkt haben? Was bedeutet das für die Bürger, die in den vergangenen acht Jahre in Anleihen und Stellvertreterassets investiert hatten? Der gesamte Aktienmarkt würde kollabieren. Der Immobilienmarkt würde ebenfalls zusammenbrechen und per Definition auch den Anleihemarkt.

Mr. Trump wird diesen Zusammenbruch beschleunigen, denn er plant gigantische Ausgaben, die den Staatshaushalt bei Weitem übersteigen und dadurch das Angebot an Staatsanleihen stark erhöhen werden. Von den Mitarbeitern der US-Notenbank habe ich außerdem gehört, dass sie ihre geplanten Zinserhöhungen angesichts der Präsidentschaft von Donald Trump nun viel aggressiver umsetzen werden. Die Zinsen werden schneller steigen als bislang vermutet wurde.


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