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Wie man den "Krieg gegen Gold" gewinnt

08.12.2016  |  Andrew Hoffman
Welch ein wirres Netz wir spinnen, wenn wir andere täuschen wollen. Und manchmal auch, wenn wir eigentlich helfen wollen (damit meine ich vor allem Politiker auf Stimmenfang...).

Ein typisches Beispiel dafür ist die OPEC, die mit ihren angeblichen "Produktionskürzungen" die Lüge aller Lügen verbreitet und damit die erwünschte Marktreaktion ausgelöst hat - mit Unterstützung des Plunge Protection Teams an den Rohölmärkten. Das eigentliche Problem kann man auf diese Weise noch einige Monate oder vielleicht auch nur Wochen vor sich herschieben, bevor die Realität die Märkte wieder einholt: Das Überangebot an Rohöl hat ein solch historisches Ausmaß angenommen, dass es die ausgefeilten Mechanismen der Preismanipulation zertrümmern wird.

Ich hatte gehofft, dass die bitteren geopolitischen Spannungen, die bis zur letzten Stunde vor Bekanntgabe der Vereinbarung spürbar waren, dafür sorgen würden, dass die Emotionen der Verhandlungsteilnehmer zum völligen Scheitern der Gespräche führen. Dann hätte die Realität sich schon jetzt durchsetzen können. Doch nach typischer OPEC-Art wurde zum 22. Mal in der langen, schmutzigen Geschichte der Organisation eine "Produktionskürzung" beschlossen, wobei die Einhaltung derartiger Regelungen in der Vergangenheit im Schnitt nicht einmal bei 60% lag. Würde es sich um eine echte Reduktion der Ölfördermengen handeln, wäre es ohnehin sehr unwahrscheinlich, dass die Abmachungen eingehalten werden, insbesondere angesichts der Einbeziehung von Nicht-Mitgliedsstaaten wie Russland und Mexiko, die noch weniger geneigt sind, die getroffenen Entscheidungen auch wirklich umzusetzen.

Die jüngste Vereinbarung hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse, angefangen bei den Zusagen der nicht zur OPEC gehörigen Nationen, die noch nicht einmal offiziell bestätigt wurden. Russland beispielsweise hat der Verringerung der täglichen Fördermenge um 300.000 Barrel pro Tag weder zugestimmt noch beruht diese Zahl auf einem offiziellen Referenzwert. De facto hat sich die Russische Föderation nur bereit erklärt, auf die für 2017 erwartete Produktionssteigerung von 300.000 Barrel am Tag zu verzichten, doch die Ölförderung des Landes liegt auch heute schon auf Rekordniveau. Was Mexiko anbelangt, so gab es nicht nur keine offizielle Zustimmung zur Produktionskürzung von 150.000 Barrel am Tag - das staatliche Ölunternehmen PEMEX hat auch schon wenige Stunden nach Bekanntgabe der Übereinkunft in einer Pressemeldung mitgeteilt, dass es für 2017 keine Kürzungen plant.

Damit sind 450.000 Barrel der vorgesehenen Fördermengenkürzungen von insgesamt 600.000 Barrel am Tag durch die Nicht-OPEC-Staaten wahrscheinlich nur Hirngespinste des Plunge Protection Teams. Diese Einschränkungen müssen zudem nächste Woche bei einem weiteren Treffen in Doha erst noch offiziell angenommen werden, und sogar die OPEC selbst gibt zu, dass davon der gesamte Deal abhängt. Welche Länder die restlichen Kürzungen um 150.000 Barrel vornehmen sollen, wurde noch nicht bekanntgegeben. Nicht darin eingeschlossen sind natürlich die Staaten, auf die es am meisten ankäme, z. B. Norwegen, Brasilien oder die USA. Keines dieser Länder hatte an den Verhandlungen teilgenommen und sie werden sich wie Raubtiere auf jeden Marktanteil stürzen, den die OPEC abtritt , allen voran die US-amerikanischen Schieferölunternehmen. Das gilt inbesondere dann, wenn der Preis auf über 55 $/Barrel steigen sollte. Dann werden die Produktionserhöhungen, die wir in der letzten Zeit bereits beobachten konnten, noch viel stärker ausfallen.

Dazu kommt noch die Tatsache, dass Indonesien überraschend "suspendiert" wurde, weil Beschlüsse über die Verringerung der Fördermengen einstimmig getroffen werden müssen und das Land die Absprachen nicht unterstützte. Für Libyen, Nigeria und Angola gibt es zudem eine Ausnahmeregelung und bis Mitte nächsten Jahres wollen die drei afrikanischen Staaten ihre Ölproduktion um insgesamt 500.000 Barrel am Tag erhöhen. Je genauer man sich die Vereinbarung ansieht, desto offenkundiger wird es, dass die von der OPEC propagierten Produktionskürzungen um 1,2 Mio. Barrel am Tag mehr Fiktion als Fakt sind, vor allem wenn man bedenkt, dass die Ölgewinnung aktuell ein Allzeithoch erreicht hat. Die Fördermengen liegen sogar merklich über dem Niveau von Mitte September, als die OPEC-Staaten diese kurzfristige Augenwischerei bei dem Treffen in Algiers ausheckten, um ihr Gesicht zu wahren.

Abgesehen davon reduziert Saudi-Arabien, das mit Abstand den größten Beitrag zur getroffenen Vereinbarung leistet, seine Produktion typischerweise ohnehin jeden Januar aufgrund von saisonalen Faktoren - also genau zu dem Zeitpunkt, zu dem das Übereinkommen in Kraft treten soll (vorausgesetzt, die Nicht-Mitgliedsstaaten beschließen nächste Woche die erwähnten Produktionskürzungen über 600.000 Barrel). Zusätzlichen, unheilvollen Gegenwind erhalten die Ölpreise zudem von der globalen Nachfrage, die auf lange Sicht rückläufig sein wird. Außerdem wird China künftig weniger Rohöl kaufen, weil die strategischen Ölreserven des Landes fast voll sind. ZeroHedge kommentiert diese Situation folgendermaßen:

"Es stellt sich die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis der Markt Eins und Eins zusammenzählt und begreift, dass die Strategie der OPEC seit Februar (als der Preis bis auf 26 $/Barrel fiel) im Grunde genommen darin bestand, die Preise mit leeren Worten nach oben zu treiben und gleichzeitig die Produktion immer weiter zu erhöhen, nur um die Fördermengen dann im Januar 2017 an das übliche saisonale Niveau anzupassen und das als 'Produktionskürzung' zu bezeichnen."

Die Naturgesetze der Wirtschaft lassen sich davon allerdings nicht in die Irre führen und auch die Trader werden sich nicht täuschen lassen, wenn sie in ein paar Monaten sehen, wie Dutzende von Öltankern über die Meere irren auf der Suche nach einem Hafen, im dem sie ihre ungewollte Fracht löschen können.

Die Vereinbarung der OPEC ist eine Täuschung, und nicht einmal eine gute. Aber das trifft leider auf alle Lügen, Betrügereien und Märchen zu, mit denen die Machthabenden das Leben der Bürger zerstören. Die erschreckenden Folgen der Lügen sind überall zu sehen, selbst dann, wenn die Absichten der Akteure eigentlich gut sind. So ist es beispielsweise auch mit Donald Trumps Versprechen, die Wirtschaft mit einem "angebotsorientierten" Multi-Billionen-Dollar-Ausgabenplan zu stimulieren. Dieser schwammig formulierte Vorschlag konzentriert sich auf unproduktive Militär- und Infrastrukturprojekte und soll trotz niedrigeren Steuereinnahmen irgendwie finanziert werden, obwohl allein die Steuererleichterungen das schon jetzt immense Haushaltsdefizit der USA noch weiter in die Höhe treiben werden. Vorausgesetzt natürlich, dass der Plan überhaupt durch den zersplitterten Kongress kommt, dessen Mitglieder den Außenseiter Trump größtenteils verachten.

Schon allein der Gedanke an diese Maßnahme hat die Zinssätze explodieren lassen (siehe gestriger Artikel). Ironischerweise ist auch der Dollarkurs in die Höhe geschossen, obwohl ganz einfache Mathematik uns sagt, dass die Haushaltsdefizite weiter steigen werden und mit Hilfe von frisch gedrucktem Geld und neuen Schulden finanziert werden müssen, um die unproduktiven Projekte (d. h. Projekte mit negativer Rentabilität) zu ermöglichen. Für die Kaufkraft einer Fiatwährung sind das ganz eindeutig keine positiven Nachrichten.

Doch ich schweife ab. Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür angesichts all der erschreckenden Neuigkeiten, die uns jeden Tag erreichen. Ich bin noch einmal dazu gekommen, die potentiell katastrophale politische und finanzielle Krise zu kommentieren, die Europa nach dem Referendum in Italien und der Präsidentenwahl in Österreich an diesem Sonntag ereilen könnte. Die Volksabstimmung in Italien könnte durchaus den Kollaps des italienischen Bankensystems auslösen und zahlreiche internationale Banken, die über Schulden, Derivate und andere toxische Finanzprodukte damit verbunden sind, ebenfalls mit in den Abgrund reißen. Betroffen wären beispielsweise Unicredit, die größte Bank Italiens, die noch immer verstaatlichte Royal Bank of Scotland, die beim Stresstest der EZB gestern kläglich versagte und eine der größten britischen Banken ist, das gesamte griechische Bankensystem sowie die Deutsche Bank, das noch bis vor Kurzem "systemisch gefährlichste Kreditinstitut der Welt" (bevor sie im Ranking des Finanzstabilitätsrats von JP Morgan und der Citigroup "überholt" wurde). Ich versichere Ihnen, dass sich die Finanzlage der Deutschen Bank seit dem Sommer nicht im Geringsten verbessert hat, jetzt da die Zinsen weltweit sprunghaft steigen und die Währungen an Wert verlieren.


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