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Das meistgehasste Asset der Welt

22.12.2016  |  Andrew Hoffman
Nach 15 Jahren im Edelmetallsektor und 27 Jahren an den Finanzmärkten dachte ich, ich hätte alles gesehen. Ja, die Art der Manipulationen hat sich in dieser Zeit stark verändert. Es begann mit der "Arbeitsgruppe des Präsidenten zu den Finanzmärkten" im Jahr 1987, kurz bevor ich meine Karriere startete. Während es sich zu Anfang noch um gelegentliche Eingriffe "nach Bedarf" handelte, findet die Beeinflussung Märkte mittlerweile rund um die Uhr statt und ist zu einer tragenden Säule des Finanzsystems avanciert.

Ja, die selbstzerstörerischen Auswirkungen des ersten globalen Fiatwährungssystems der Geschichte wurden erst um die Jahrtausendwende herum deutlich, als die "positiven" Folgen der Abschaffung des Goldstandards abzuebben begannen. Wirklich ernst wurde es erst, als das System 2008 versagte und eine regelrechte Explosion des Gelddruckens, der Marktmanipulationen und der Propaganda auslöste, die sich wie eine Seuche in den Regierungen, im Unternehmensestablishment und in den Zentralbanken dieser Welt verbreitete. Doch selbst ich bin trotz meiner 15-jährigen Erfahrung mit der Dokumentation von Marktmanipulationen zutiefst schockiert und beeindruckt vom Ausmaß der jüngsten Ungeheuerlichkeiten.

Nirgends sind diese augenscheinlicher als an den Märkten, an denen die Vermögenswerte gehandelt werden, die die schlimmsten Erzfeinde des sterbenden Systems darstellen - die "barbarischen Relikte" Gold und Silber. Die Manipulationen haben im Edelmetallsektor während der Finanzkrise von 2008 einen vorübergehenden Höhepunkt erreicht. In den Anfangsphasen der Krise attackierten die Machthabenden die Kurse, um zu verhindern, dass die Investoren Gold und Silber als die sicheren Häfen betrachteten, die sie immer waren. Diese Bemühungen wurden allerdings vereitelt.

Die Antwort der physischen Märkte auf die Leerverkäufe an den Papiermärkten fiel so heftig aus, dass das Angebot nach einigen Wochen buchstäblich versiegte. Genau das Gleiche geschieht heute in weiten Teilen der Welt erneut, beispielsweise im hyperinflationären Alptraum, zu dem Venezuela geworden ist, und in China und Indien, den beiden Staaten mit der weltweit größten Edelmetallnachfrage.

In China liegen die Aufgelder für physisches Gold heute bei 42 $ je Unze - normalerweise sind es jedoch weniger als 10 $. Selbst wenn Sie denken, dass die von der Regierung verordneten Importbeschränkungen auf Gold der Grund dafür sind (was z. B. Andrew Maguire, wie ich gestern berichtete, nicht glaubt) - warum wird dann auch physisches Silber mit einem Aufpreis von 2,10 $ je Unze bzw. 13% gehandelt, seitdem das Kartell nach den Wahlen in den USA seine Angriffe auf die Edelmetallmärkte verschärfte? Silberkäufe unterliegen keinerlei Restriktionen, weder in China, noch in Indien, noch irgendwo sonst. Es gibt noch nicht einmal Gerüchte über Einschränkungen des Silberhandels.

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Der Grund für die erhöhten physischen Preise ist selbstverständlich, dass das Goldangebot in Wirklichkeit äußerst beschränkt ist. Wie ich letzte Woche schrieb, wird es sich künftig noch weiter verknappen, wahrscheinlich um ganze 20% innerhalb des nächsten Jahrzehnts - ganz gleich, wie sich der Preis entwickelt. Die Fiatwährungen dieser Welt werden indes durch das Gelddrucken weiter zerstört. Es ist das Endstadium des größten, destruktivsten Fiatsystems der Geschichte.

2016 erlebten wir eine ganze Reihe geldpolitischer Fehlschläge: Japan führte negative Zinsen ein, die Bank of England erhöhte ihre Anleihekäufe, während das britische Pfund auf ein Jahrhunderttief fiel und die EZB beschloss die massive Ausweitung der quantitativen Lockerungen, die nun auch den Kauf von Unternehmensanleihen mit einschließen, während der Euro, die zweitgrößte Währung der Welt, ein 13-Tief-erreichte.

Die Bank of Japan und die Schweizerische Nationalbank haben derweil mit der offiziellen Monetarisierung von Aktien begonnen. Zudem haben zahlreiche andere Notenbanken die Zinssätze ebenfalls auf Null oder noch weiter gesenkt, obwohl der Wert ihrer Währungen auf mehrjährige Tiefststände und in vielen Fällen sogar auf Allzeittiefs sank. Sie denken, dieses Jahr war schlimm? Dann bereiten Sie sich schonmal auf 2017 vor, welches "das Jahr des Gelddruckens" wird.

Auch die Verschärfung drakonischer Regierungsmaßnahmen - wie der Kampf gegen das Bargeld - steht fraglos bevor, während die Wirtschaft zunehmend zu Grunde geht, die Währungen reihenweise abstürzen (z. B. heute morgen) und die Zahl der gesellschaftlichen Revolutionen zunimmt. Abgesehen von der französischen Präsidentschaftswahl im April stehen im März auch die Wahlen zum niederländischen Ministerpräsidenten an, wo Geert Wilders, der erst letzte Woche wegen Hassrede und Diskriminierung von Muslimen verurteilt wurde, die Umfragen anführt. Angesichts der Abstimmungsergebnisse in Großbritannien im Juni und in diesem Monat in Italien sowie der mittlerweile allgegenwärtigen Terroranschläge sollte das ehrlich gesagt keine Überraschung mehr sein.

All das sind Gründe, aus denen jeder Einzelne es in Erwägung ziehen sollte, sein Vermögen vor Inflation, und in manchen Fällen Hyperinflation, zu schützen. Angesichts der Alternative werden die meisten das auch tun. Auch wenn die Aufgelder auf physische Edelmetalle weiterhin 42 $ je Unze Gold und 2,10 $ je Unze Silber oder mehr betragen, werden die Menschen sie wie schon 2008 gern bezahlen, wenn ihnen bewusst wird, was auf sie zukommt. Vielerorts setzt sich diese Erkenntnis bereits durch, doch wie die Höhe der Aufpreise zeigt, ist das Angebot zum Teil schon jetzt zu knapp.

Die Schulden explodieren, die Währungen implodieren, die Wirtschaftsleistung schwächt sich ab und politische Systeme straucheln, doch aufgrund der "Trumpflation" hat sich eine Spekulationsblase unaufhaltsam aufgebläht. Die realwirtschaftlichen Daten lassen derweil nicht die geringste Verbesserung erkennen. Völlig egal ist scheinbar auch, dass Trumps Versprechen für jeden, der keine eigene Agenda verfolgt, von Tag zu Tag unrealistischer werden, und dass sie ohnehin nicht den geringsten Unterschied machen würden, selbst wenn einige von ihnen verwirklicht werden sollten. Die einzigen Folgen wären das weitere Anwachsen der Schulden und Defizite des Landes, die schon jetzt höher sind als je zuvor, und ein nie dagewesenes Wohlstandsgefälle.

China hat seine Schuldenquote (die nur von Japan noch übertroffen wird) vor dem Hintergrund der ungeheuerlichsten und in finanzieller Hinsicht zerstörerischsten Investmentblase im Bauwesen, die die Welt je gesehen hat, zwischen 2008 und 2016 übrigens fast verdoppelt: Die Verschuldung des Landes hat sich in diesem Zeitraum von 150% auf 270% des Bruttoinlandsprodukts erhöht. Die Preise der Industriemetalle sind gleichzeitig allerdings um erstaunliche 50% gesunken!


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