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Wie der Westen sein Gold an ein Schwarzes Loch verkauft

18.01.2017  |  Jan Nieuwenhuijs
- Seite 4 -
Nach Angaben von GFMS fragten die chinesischen Konsumenten im Jahr 2015 insgesamt 867 Tonnen Gold nach. Zu Deckung dieser Nachfrage nennt das GFMS-Team eine inländische Minenproduktion von 450 Tonnen sowie 225 Tonnen recyceltes Gold. Indirekt gibt die Consultingfirma zudem an, dass China 192 Tonnen Gold netto importiert hat, um das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage am Binnenmarkt herzustellen (Abb. 6). Für die zusätzlich eingeführten 1.383 Tonnen hatte GFMS verschiedene Ausreden parat, die ich hier und hier widerlegt habe.

Letztlich hat China zusätzlich zu den 192 Tonnen, die das Land laut GFMS einführte, um 2015 die Verbrauchernachfrage zu decken, weitere 1.383 Tonnen Gold importiert, um die institutionelle Nachfrage zu decken - und all dieses Gold darf nicht wieder exportiert werden. Wenn wir die gleiche Analyse für alle Jahre seit 2007 durchführen, erkennen wir, dass sich die nicht in den GFMS-Statistiken erfassten Nettoimporte Chinas auf insgesamt 5.000 Tonnen belaufen (siehe nächster Chart).

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Abb. 7: Goldangebot und -nachfrage in China


Schlussfolgerung

Wie Sie nun sehen können, ist China für eine enorme Verringerung der überirdischen Goldreserven außerhalb des Landes verantwortlich, doch der Großteil der Goldinvestoren ist sich dessen nicht bewusst. Meiner Meinung nach wird das zur Folge haben, dass der Goldpreis auf seinem Weg nach oben den Turbogang einlegen wird, wenn der Westen sich das nächste Mal für das Edelmetall zu interessieren beginnt.

Des folgende Zitat stammt ebenfalls aus Timothy Greens Buch "The Prospect for Gold":

"Kann Gold diese Zuflucht zumindest zum Teil bieten? Welche anderen Faktoren kommen dabei noch ins Spiel? Der Verkauf von Gold ist keine Einbahnstraße. Daran wurden die Trader im Zuge des sprunghaften Preisanstiegs im Jahr 1980 erinnert, als enorme Mengen Gold - und Silber - aus den überirdischen Reserven innerhalb weniger Tage an die Märkte gelangten, um von dem unverhofften Glücksfall zu profitieren. Der physische Goldmarkt kann seine Richtung über Nacht ändern und es erforderlich machen, dass die Investoren nicht nur das übliche Angebot sondern auch den Abbau von Reserven absorbieren."

"Der Verkauf von Gold ist keine Einbahnstraße", schrieb Green im Jahr 1987. Doch raten Sie mal - seit ein paar Jahren, genauer gesagt, seit China zu einem der wichtigsten Akteure am physischen Goldmarkt geworden ist, ist der Verkauf von Gold genau das - eine Einbahnstraße! Wenn der Westen sein Gold auf dem Markt verschleudert, wird es nach China verschifft und kehrt nicht wieder zurück. Die Regeln des globalen Goldspiels haben sich geändert.

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Abb. 8: Grenzüberschreitender Goldhandel zwischen Großbritannien, China, und dem Rest der Welt


Die Konsequenz dessen ist, dass es außerhalb Chinas weniger überirdische Goldbestände gibt, die die westlichen Investoren in der bevorstehenden Hausse kaufen können. Dadurch wird sich die je Goldeinheit gebotene Dollarmenge erhöhen, oder anders gesagt: Der Goldpreis in US-Dollar je Feinunze wird steigen.

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Abb. 9. Quelle: BBC


China importiert zusätzlich zur Nachfrage des chinesischen Einzelhandels (die von GFMS angegeben wird) riesige Goldmengen für seine Großinvestoren. Vergessen Sie nicht, dass sich dieses Phänomen erst manifestierte, als am Goldmarkt nach einer 11-jährigen Hausse ein Bärenmarkt begann. Während des vorangegangenen Bullenmarktes (2002-2012) war bei den überirdischen Goldreserven außerhalb Chinas kein vergleichbarer Rückgang festzustellen. Die Auswirkungen der Entwicklungen der letzten Jahre werden wir also erst beim nächsten Aufwärtstrend zu spüren bekommen.

Gibt es Beweise, die meine Hypothese stützen? Ich denke schon. Anfang 2016 zeigten die westlichen Großinvestoren neues Interesse an dem gelben Metall. Als der Goldpreis begann, nach oben zu klettern, verlief der erste Anstieg fast vertikal und der Kurs schloss im ersten Quartal mit einem Plus von 16,7%. Für den Goldmarkt war es das beste Quartal seit 1986. War das ein Zufall? Ich bezweifle es. Meiner Einschätzung nach ist der Preis so stark gestiegen, weil die überirdischen Reserven abgenommen haben und daher insgesamt weniger Unzen verfügbar sind.

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Abb. 10: Vierteljährlicher Kursgewinn bzw. -verlust (linke Skala) und Preisentwicklung am Goldmarkt (rechte Skala)


Eine Studie über die Höhe der überirdischen Goldbestände außerhalb Chinas werde ich mir für einen zukünftigen Blogbeitrag aufheben.


© Koos Jansen



Dieser Artikel wurde am 06. Januar 2017 auf www.BullionStar.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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