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Großartige Nachrichten für den Goldkurs

25.01.2017  |  Adam Hamilton
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Diese Verkäufe erfassten den gesamten Goldsektor - sie stammten sowohl von Investoren, die GLD-Anteile loswerden wollten, als auch von Spekulanten, die Gold-Futures abstießen. Das Kapital floss in großen Mengen aus den beiden für die Preisbildung wichtigsten Marktsegmenten und der Kurs stürzte ab. In den fünf Wochen zwischen dem Wahltag und der zweiten Zinserhöhung in den USA seit 10,5 Jahren Mitte Dezember fiel der Goldpreis um 11,5%. Dieser Kursrückgang war Teil einer größeren Korrektur um insgesamt 17,3%, die bereits nach dem Hoch im Juli 2016 begonnen hatte.

Die letzten drei Monate des vergangenen Jahres waren eines der schlechtesten Quartale in der Geschichte des Goldpreises. Die beiden stärksten Einbrüche des Kurses, die in diesem Zeitraum verzeichnet wurden, ließen sich auf die Verkäufe am Terminmarkt zurückführen, an denen die Spekulanten große Mengen an Gold-Futures liquidierten. Da die an diesem Markt gehandelten Kontrakte eine so hohe Hebelwirkung aufweisen, müssen die Trader enge Stop-Loss-Orders setzen. Bei einem Hebel von 20 reicht bereits eine Preisbewegung von 5% in die falsche Richtung, um das gesamte eingesetzte Kapital zu vernichten. Selbst ein Kursgewinn oder -verlust von 1% ist für die Trader am Goldterminmarkt schon eine starke Preisbewegung.

Als sich der Goldkurs Anfang Oktober 2016 der 1.300-$-Marke annäherte, wurden dadurch zahlreiche automatische Verkaufsorders ausgelöst, die die Marktteilnehmer in der Nähe dieser wichtigen psychologischen Unterstützungslinie gesetzt hatten. Diese Stop-Loss-Orders entwickelten rasch eine wasserfallartige Wirkung, denn je tiefer der Kurs fiel, desto mehr zusätzliche Verkaufsorders wurden ausgelöst. Zu einem vergleichbaren Ereignis kam es auch zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl in den USA, als der Goldkurs die Unterstützungszone beim 200-tägigen gleitenden Durchschnitt nach unten durchbrach.

Diese beiden Beispiele für extreme Verkäufe von Gold-Futures Anfang Oktober und Mitte November 2016 illustrieren auf perfekte Weise, wie unverhältnismäßig groß der Einfluss der Terminmärkte sein kann. In jenen Wochen hatten die Spekulanten jeweils 43.400 bzw. 45.600 Goldkontrakte liquidiert und damit den Gegenwert von 134,8 Tonnen bzw. 141,9 Tonnen Gold auf den Markt geworfen. Eine derart große Menge kann der Markt nicht in so kurzer Zeit absorbieren. Folglich stürzte der Goldpreis ab.

Um diese Zahlen in Perspektive zu setzen, können wir die aktuellsten verfügbaren Fundamentaldaten zum globalen Goldmarkt betrachten, die vom World Gold Council veröffentlicht wurden und sich auf das dritte Quartal 2016 beziehen. In den ersten neun Monaten des letzten Jahres war die Goldnachfrage verglichen mit den Werten den vorangegangenen Jahre sehr hoch. Dennoch belief sie sich zwischen Januar und September 2016 nur auf durchschnittlich 35,6 Tonnen pro Woche. Wenn die Spekulanten also aus irgendeinem Grund innerhalb einer Woche mehr als 100 Tonnen Gold am Terminmarkt verkaufen bzw. verkaufen müssen, wird der Goldpreis mit Sicherheit stark darunter leiden.

Die aus diese Verkäufen resultierenden Kursstürze wirken sich vernichtend auf die Marktstimmung aus und haben zur Folge, dass sowohl Investoren als auch Spekulanten bearish und pessimistisch werden. Sie beginnen, für die absehbare Zukunft mit der Fortsetzung des Abwärtstrends zu rechnen und gehen von weiteren Kursverlusten aus. Folglich kaufen sie weniger und verkaufen stattdessen mehr und der von den Futures-Märkten ausgelöste Sell-off verselbstständigt sich. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss die Terminmärkte auf die allgemeine Stimmung im Goldsektor haben. Den Spekulanten kommt dadurch eine völlig unverhältnismäßige Bedeutung zu.

Der extreme Sell-off, der nach der Wahl seinen Lauf nahm, weil die Stop-Loss-Orders der Spekulanten an den Terminmärkten ausgelöst wurden, nahm endlich ein Ende, als die Federal Reserve den US-Leitzins im Dezember erneut anhob. Die Spekulanten fürchten den Einfluss von Zinserhöhungen auf den Goldkurs schon seit Langem, auch wenn das vollkommen irrational ist. In allen elf Zinserhöhungszyklen, die die US-Notenbank seit 1971 durchgeführt hat, ist der Goldpreis im Durchschnitt 26,9% gestiegen! Steigende Zinsen haben sich also in Wirklichkeit als äußerst bullisch für Gold erwiesen.

Als der Goldkurs im letzten Monat schließlich seinen Boden fand, war er im Zuge der Korrektur um insgesamt 17,3% gefallen. Das sind heftige Verluste, aber immerhin liegen sie noch unter 20% - bei dieser Marke beginnt technisch gesehen ein neuer Bärenmarkt. Zusammen mit einem enormen Abverkauf von GLD-Anteilen waren die Verkäufe von Gold-Futures durch die Spekulanten der Hauptgrund für den starken Kursrückgang. Im Verlauf der gesamten Kurskorrektur, d. h. seit Anfang Juli 2016, wurden am Terminmarkt ganze 174.000 Long-Kontrakte liquidiert. Gleichzeitig wurden die Short-Positionen um 32.200 Stück erhöht, wodurch zusätzlich umfangreiche Leerverkäufe hinzukamen.

Diese Verkäufe entsprechen insgesamt 641,3 Tonnen Gold - das ist fast die Hälfte der globalen Nachfrage nach Goldinvestitionen in den ersten neun Monaten des letzten Jahres, welche sich auf 1.389,2 Tonnen belief. Die Spekulanten hatten damit 69,8% all der Long-Kontrakte wieder abgestoßen, mit denen sie zwischen Mitte Dezember 2015 und Anfang Juli 2016 den Anstieg des Goldpreises um 29,9% unterstützt hatten. Zusammen mit den Verkäufen beim Gold-ETF GLD ließen die Sell-offs an den Futures-Märkten den Goldkurs so tief sinken, dass 74,5% der Gewinne wieder vernichtet wurden, die er im Zuge des neuen Bullenmarktes gemacht hatte.

Da die Spekulanten den Goldterminmarkt in einem schier unglaublichen Tempo verließen, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Verkäufe erschöpfen würden. Darauf hatte ich bereits im Dezember hingewiesen. Immerhin verfügen die Trader nur über eine begrenzte Anzahl an Kontrakten, die sich verkaufen können. Je mehr sie schon liquidiert haben, desto weniger weitere Verkäufe stehen noch bevor. Kurz nach dem 10,6-Monatstief, welches der Goldpreis Mitte Dezember verzeichnete, sanken die Long-Positionen der Terminmarktspekulanten auf insgesamt 255.700 Kontrakte und damit auf den niedrigsten Stand seit 10,4 Monaten.

Seit Mitte Februar 2016, bevor der Goldkurs mit einem Plus von 20% überhaupt den Beginn einer neuen Hausse einleitet hatte, hatten die amerikanischen Spekulanten nicht mehr so wenige Long-Kontrakte gehalten. Da der Großteil der im Rahmen des Bullenmarktes aufgebauten Long-Positionen mittlerweile wieder abgetragen wurde, halten die Spekulanten aktuell nur eine geringe Anzahl an Long-Kontrakten. Das ist - wie schon bei früheren bedeutenden Tiefs des Goldkurses - ein extrem bullisches Zeichen! Die Trader verfügen derzeit über enorme Kapitalmengen, mit denen sie wieder am Goldmarkt einsteigen können!

Eine Woche, nachdem die Zahl der Long-Kontrakte auf das jüngste Tief gefallen war, bauten die Spekulanten zudem ihre Short-Positionen stark aus und erhöhten sie auf insgesamt 138.600 Kontrakte. Das war ebenfalls der höchste Stand seit Februar und die Zahl liegt deutlich über der Unterstützungslinie, die sich bei rund 95.000 Kontrakten befindet. Der letzte Commitments of Traders Report, der vor Veröffentlichung dieses Essays verfügbar war, spiegelte zwar eine moderate Eindeckung von Short-Positionen wider, doch insgesamt war das Niveau noch immer vergleichsweise hoch. Das bedeutet, dass die Spekulanten in Zukunft große Mengen an Gold-Futures kaufen müssen, um ihre Shorts einzudecken und ihre Positionen glattzustellen.


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