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Das Jahr des Hahns - und der Anfang vom Ende?

01.02.2017  |  Captain Hook
Mit Donald Trump als Präsidenten der Vereinigten Staaten sollten Konservative und Liberalisten doch eigentlich in Hochstimmung sein, oder? Vielleicht, wenn es ihm gelingt Rule 41 abzuschaffen, die es dem FBI erlaubt, sich in sämtliche Computer der Welt zu hacken, oder wenn er das Schuldenproblem angehen kann, ohne dass das Finanzsystem implodiert (unmöglich). Im Moment sind das jedoch alles Spekulationen, ebenso wie der aktuelle Wirtschaftsoptimismus.

Wie schon bei den "Reaganomics" wird erwartet, dass die US-Wirtschaft im Zuge der "Trumponomics" durchstartet, nachdem sie 30 Jahre lang aggressiv ausgehöhlt wurde. Mit einem "Geschäftsmann" am Steuer der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt wird alles gut. Trump wird die Schäden der letzten Jahrzehnte in Windeseile reparieren. Ach, und übrigens, lieber Rest der Welt: Ihr seid auf euch allein gestellt. Ab jetzt heißt es "America first" - maximaler Nationalismus.

Bei dieser verklärten, optimistischen Sicht auf die Zukunft unserer Nationalökonomie sollte man unbedingt auch die andere Seite der Medaille berücksichtigen. Die aktuelle Stimmung und die Doktrin, dass die Interessen der USA immer an erster Stelle zu stehen haben, ist weder den inländischen Unternehmen noch den Handelspartnern der Vereinigten Staaten entgangen.

Aus makroökonomischer Sicht ist China zweifellos der wichtigste dieser Partner. Weil sich Trump mit seiner aggressiv protektionistischen Politik jedoch wie ein Elefant im Porzellanladen verhält, ist 2017, im "Jahr des Hahns", mit unbeabsichtigten Folgen und Vergeltungsmaßnahmen aus dem Reich der Mitte zu rechnen. Den chinesischen Tierkreiszeichen zufolge steht dieses Jahr im Zeichen des Hahns. Die Farbe Gold und die Metalle sollen dem Hahn Glück bringen - und genau darin könnte ironischerweise Chinas Trumpf bestehen, wenn das Land dem neuen US-Präsidenten eine Lektion in Sachen Diplomatie erteilen will.

Wenn die jüngsten Bemerkungen von Trumps Außenminister Tillerson einen Vorgeschmack auf die wilden Äußerungen (und Maßnahmen?) bieten, die noch zu erwarten sind, dann haben wir allen Grund zu der Befürchtung, dass es in Bezug auf China eines Tages zur Eskalation kommt. Die Situation könnte schnell außer Kontrolle geraten. Wie wird es losgehen? Nach einigen einleitenden, abfälligen Bemerkungen und Verleumdungen sind die ersten Schritte in Richtung Krieg immer wirtschaftlicher Natur. Hier könnte China der Präsidentschaft von Donald Trump ernste Probleme machen, wenn das Land das wünscht.

Auf welche Art? Wie wäre es zum Beispiel damit, die chinesische Bevölkerung auf das schwindende globale Gold- und Silberangebot loszulassen? Was wäre, wenn die Volatilität an den globalen Aktienmärkten die Nachfrage nach physischen Edelmetallen so stark ansteigen ließe, dass die preisbildenden US-Terminmärkte ihre Bedeutung verlieren und die Kurse zusammen mit der erwarteten Inflation und den Zinssätzen in die Höhe schießen?

Glauben Sie, dass die Chinesen dann Mr. Trumps Aufmerksamkeit hätten? Vielleicht würde er dann bei nächsten Mal etwas länger nachdenken, bevor er gegenüber China den harten Hund gibt. Verstehen Sie mich nicht falsch - natürlich wird die globalistische Agenda Chinas und das zunehmend aggressivere Auftreten des Landes eines Tages zu einem großen Problem für die USA werden, wenn die Vereinigten Staaten dem nichts entgegensetzen. Nichtsdestotrotz ist Diplomatie in solchen Angelegenheiten von höchster Bedeutung.

Trumps Team sollte also lieber anfangen, ein wenig Charme zu versprühen, sonst könnte das Jahr des Hahns früher oder später wirklich turbulent werden. Wie Sie aus meinen technischen Analysen der Edelmetallmärkte wissen, sollte es in der ersten Jahreshälfte in diesem Sektor zur weiteren Konsolidierung kommen - aber danach ist alles möglich.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat der chinesische Präsident Xi Jinping, der dort erstmals zugegen war, das Ziel einer globalen Vorherrschaft Chinas weiter verfolgt und mit Handelskriegen gedroht. Im Rahmen der "America-first"-Maxime scheint jedoch auch Trump von Währungs- und Handelskriegen zu sprechen, d. h. beide Seiten versteifen sich zusehends auf ein immer aggressiveres Gebaren. Das muss eines Tages zum Showdown führen.

Die große Frage ist nun, wie genau sich dieser Prozess abspielen wird. Der nächste logische Schritt wäre ein eskalierender Handelskrieg. Es scheint also, als würden die Flitterwochen von Trump und den Vereinigten Staaten nicht lang andauern, denn seine Gegner im In- und Ausland machen vom ersten Tag an mobil.

Der Frieden wird folglich nicht lange Bestand haben. Da beide Seiten, Amerika und China, überaus verletzlich sind, wird der Konflikt zwischen den Supermächten für beide äußerst schmerzlich. All der Propaganda über den "Trump-Effekt" zum Trotz findet man selbst in den US-Medien Berichte über steigende Arbeitslosenzahlen, demografische Ungleichgewichte und allgegenwärtige Verzweiflung - wenn man nur die Augen aufmacht.

Abgerundet wird das Ganze vom unübersehbaren finanziellen Kollaps, der sich in allen Ecken des Landes beobachten lässt und selbst New York erreicht hat, wo die Immobilienpreise einbrechen. Da helfen künftig nur noch gewaltige Haushaltsdefizite, um das zu übertünchen. Amerika selbst ist zu einer Illusion geworden. Ein Krieg mit China wird all die Trugbilder auf eine harte Probe stellen.

In der Volksrepublik ist die Lage auch nicht rosiger, sobald man ein wenig hinter die Kulissen blickt. Dennoch hat das Land gegenüber den USA einige Vorteile, die bei einer Auseinandersetzung eine Rolle spielen könnten. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das beispiellose Wirtschaftswachstum, dessen sich das Reich der Mitte in den letzten zehn Jahren erfreute, und die damit einhergehende "Kriegskasse" an Devisenreserven - die höchsten der Welt. China hat gegenüber den Vereinigten Staaten also unbestreitbar einen wirtschaftlichen Vorteil und könnte auch in anderen Bereichen den Druck erhöhen, wenn die Spannungen weiter zunehmen - was mit Trump im Weißen Haus unvermeidlich scheint.

Wir sollten uns also nicht wundern, wenn ein selbstbewusstes China überraschende und kühne Schritte unternimmt, die die wirtschaftlichen Fähigkeiten des Landes im Jahr des Hahns unter Beweis stellen - ein Jahr, das wie erwähnt auch im Zeichen von Gold und den Metallen steht.


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