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Italienische Bankenrettung: Ein erster Schritt zur Verstaatlichung europäischer Banken?

11.02.2017  |  John Browne
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Im Fall Monte dei Paschi liegen die Dinge ganz anders. Die Bank hat bis zum 21. Dezember mit der Erklärung gewartet, dass ihre Liquidität nur noch für vier Monate reicht. Die Aktionäre des Kreditinstituts erlebten Ende 2016 einen starken Rückgang des Gewinns je Aktie und den fast vollständigen Absturz der Kurse.

Die Situation wurde zusätzlich verschlimmert, weil nachrangige Anleihen an den italienischen Banken risikoscheuen Investoren als "solide Kapitalanlagen" verkauft worden waren, ähnlich wie die hypothekenbesicherten Wertpapiere, die die Wall Street ihren Kunden in den frühen 2000er Jahren andrehte. Da eine große Zahl durchschnittlicher Privatanleger nun ein Exposure gegenüber den Banken hat, ist die Angelegenheit auch politisch aufgeladen.
 
Am 21. Dezember 2016 bat der italienische Finanzminister Piercarlo Padoan das Parlament um die Genehmigung von Rettungsmitteln. Obwohl er vorgab, das Bankensystem des Landes sei "stabil und gesund", drängte er dennoch gleichzeitig zur Umsetzung staatlicher Restrukturierungspläne, damit die Banken "auf ihren eigenen Beinen stehen, Gewinne erzielen und die Wirtschaft finanzieren" könnten. Später am gleichen Tag stimmte das Parlament einem Rettungspaket über 20,8 Milliarden $ zu. Goldman Sachs hatte allerdings zuvor geschätzt, dass fast 40 Milliarden $ nötig wären, um das langfristige Überleben der Banken zu gewährleisten (Financial Times, R. Sanderson, J. Politi, M. Arnold, 21. 12. 2016.) Ein Londoner Analyst hatte den notwendigen Betrag noch höher beziffert.
 
Die unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Daten im Zusammenhang mit der italienischen Bankenrettung machen es unwahrscheinlich, dass die tatsächlich zur Abwendung der eskalierenden Bankenkrise benötigte Summe bekannt ist oder in naher Zukunft bekannt sein wird. In der heutigen, eng vernetzten Finanzwelt, sind die Probleme der italienischen Banken nicht auf Italien oder auch nur auf die EU begrenzt. Schätzungen zufolge haben französische, deutsche, japanische, spanische, britische und US-amerikanische Banken ein Exposure von fast einer halben Billion Dollar gegenüber den Schulden der italienischen Banken.
 
In Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und aufgrund des gescheiterten Referendums auch in Italien stehen in diesem Jahr wichtige allgemeine Wahlen bevor. Der Brexit hat zudem im Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit einen Präzedenzfall dafür geschaffen, dass es möglich ist, der Umklammerung der EU zu entfliehen. Wenn es dem Vereinigten Königreich gelingt, die Union zu verlassen, wird die EU zudem ihre zweitgrößte Volkswirtschaft und deren finanzielle Beiträge verlieren. Die potentielle Erosion der EU-Mittel sowie die in letzter Zeit offenbarte Möglichkeit einer demokratischen "Revolution" wird fraglos dazu führen, dass sich die europäischen Bürokraten zunehmend darauf konzentrieren, eine politische Lösung für die Sorgen des italienischen Bankensektors zu finden.
 
In ihrer Gesamtheit sind die Probleme, mit denen sich die Banken Europas konfrontiert sehen, so gewaltig, dass sich womöglich selbst Bail-ins als politisch nicht haltbar erweisen. Eine Notlösung könnte die vorübergehende Verstaatlichung italienischer und eventuell anderer europäischer Banken darstellen. Den Politikern, Bankern und selbst den Investoren wird nach und nach dämmern, dass diese Option ein Mittel zur Vermeidung eines Finanz- und Währungscrashs und zur Sicherung der Einheit innerhalb der EU bieten könnte. Eine Verstaatlichung würde zudem nicht nur die Banken und ihre Kunden retten, sondern wäre auch eine Chance auf die Durchführung dringend benötigter Reformen und die Rückkehr zu einer vernünftigeren Kreditvergabe. Der jüngste Anstieg der Aktienkurse italienischer Banken könnte darauf hindeuten, dass diese Sichtweise an Akzeptanz gewinnt.
 
In Kombination mit dem "Krieg gegen das Bargeld" und dem steigenden Druck zur Errichtung eines globalen Besteuerungssystems würde die Verstaatlichung von Kreditinstituten zweifellos einen starken Eingriff der Regierungen in die Finanzen und daher auch in das Leben ihrer Bürger bedeuten. Es wäre ein großer Schritt nach vorn für die globalistische Agenda.


© John Browne
Senior Market Strategist


Der Artikel wurde am 25. Januar 2017 auf www.europac.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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