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Mörderische Selbstgefälligkeit

07.02.2017
Düstere Omen kreisen heute überall über den Märkten

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"Viele Menschen sehen das Erscheinen von Krähen als Todesomen an, weil Raben und Krähen Aasfresser sind und im Allgemeinen mit Leichen, Schlachtfeldern und Friedhöfen assoziiert werden. Zudem sollen sie in großer Anzahl über Orten kreisen, an denen Tiere oder Menschen bald sterben werden." - "Nature", PBS.org


Um PeakProsperity.com zu betreiben muss ich jeden Tag große Datenmengen lesen und aufbereiten. Da es schwierig ist, all die Informationen sofort zu verarbeiten, habe Listen mit Charts, Tabellen und Artikeln angelegt, die mein Interesse geweckt haben, um sie mir später in einer freien Minute anzuschauen, wenn ich meine gesamte Aufmerksamkeit darauf konzentrieren kann. In letzter Zeit ist diese Liste recht lang geworden, und sie ist voller Indikatoren, die mir Sorgen bereiten, voller Signale, die darauf hindeuten, dass die lange Zeit aufrechterhaltene Täuschung an den Märkten bald vorüber sein könnte.

Die Krähen kreisen schon über unseren Köpfen und jeder neue Tag bringt weitere beunruhigende Statistiken mit sich, die auf eine üble Wende hinweisen. Tatsächlich nimmt die Zahl der Omen so rasant zu, dass es schwierig ist, sich nicht zu fühlen wie Tippi Hedren in Hitchcocks Horrorklassiker "Die Vögel":



Welche Daten lassen mich also glauben, dass die Krähen schon bald ein Festmahl halten werden am Kadaver des Bullenmarktes, der die Preise für Aktien, Anleihen, Immobilien und die meisten anderen Vermögenswerte seit 2009 auf Rekordhochs katapultiert hat?


Selbstgefällige Investoren

In den letzten fünf Jahren wurden die Anleger von den Aktienmärkten vergleichsweise freundlich behandelt. Korrekturen waren viel seltener als im historischen Durchschnitt und wenn es zu Kursrücksetzern kam, dann waren diese nur schwach ausgeprägt und von kurzer Dauer. Tom Lee, der oft als "größter Bulle der Wall Street" bezeichnete Leiter der Rechercheabteilung von Fundstrat, merkt an, dass 2016 das bislang ruhigste Jahr für den S&P 500 überhaupt war, denn der Aktienindex notierte nur an sieben Handelstagen mehr als 3% unterhalb seines 52-Wochenhochs. Überhaupt wies der Zeitraum von 2013 bis 2016 die geringste Volatilität auf, die je in einem Vierjahresabschnitt verzeichnet wurde:

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Lee macht darauf aufmerksam, dass die Jahreserträge der Unternehmen trotz der beispiellosen Ruhe an den Märkten immer bescheidener ausfallen. Während die Marktbedingungen nun beginnen sich umzukehren, fürchtet er, dass uns niedrigere Kurse bevorstehen und sagt für die erste Jahreshälfte 2017 eine Abwärtskorrektur um 5-7% voraus.

Auch Marko Kalanovic von JP Morgan spricht eine sehr ähnliche Warnung aus: "Nach der jüngsten Rally beginnt die Selbstgefälligkeit nun riskante Ausmaße anzunehmen. Die Put/Call-Ratio des S&P 500 ist auf ein 3-Jahrestief gefallen und der Volatilitätsindex VIX ist auf rund 10 Punkte gefallen und hat damit fast ein Rekordtief erreicht." Auch er prognostiziert einen Einbruch um etwa 5% im ersten halben Jahr.


Bizarre Preisbewegungen

Assets wie Aktien werden auf Grundlage von Erwartungen und den Einnahmen der Unternehmen bewertet (oder zumindest sollte das so sein). Wenn die Einnahmen steigen, sollten auch die Kurse nach oben klettern. Das ist jedoch nicht das, was wir derzeit beobachten. Der berühmte Dow Jones Industrial Average stieg am 25. Januar dieses Jahres erstmals auf über 20.000 Punkte. Die Dinge laufen also großartig, oder?

Naja, eigentlich nicht. Wolf Richter zeigt, dass die 30 im Dow Jones zusammengefassten Unternehmen 2016 in Wirklichkeit die niedrigsten Gesamteinnahmen seit 2011 verzeichnet haben:

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Aber Einnahmen sind ja nicht alles. Am Ende sind es schließlich die Gewinne, die wirklich zählen. Vielleicht sind die amerikanischen Unternehmen ja effizienter geworden und melden Rekordprofite.

Hmmm. Nein.


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