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Goldstandard im internationalen Handel: China & Russland bereiten den Weg

22.02.2017  |  Jim Willie CB
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In den letzten 40 Jahren sind internationalen Bestände an US-Staatsanleihen explodiert und haben ein Vielfaches des Wertes der globalen Ölproduktion erreicht. Aus anderer Perspektive betrachtet, wurden gleichzeitig die offiziellen (frei erfundenen) Goldreserven der USA von den gigantischen Mengen an US-Treasuries in den Schatten gestellt, die nun die Bücher der internationalen Zentralbanken füllen. Während der Präsidentschaft von Ronald Reagan waren die US-Anleihen zu 132% vom Marktwert der amerikanischen Goldreserven gedeckt.

Heute liegt dieses Verhältnis bei 4,7%. Die Welt ertrinkt förmlich in toxischen Treasuries, doch die Nachfrage nach den Schuldverschreibungen ist versiegt. Das ist auch der Grund für die quantitativen Lockerungen der Fed, die künstliche Nachfrage nach den Anleihen erzeugen, während die Notenbank der USA die Schulden der US-Regierung aufkauft. Das ist Schuldenmonetarisierung vom Feinsten.

Staaten, die einen Überschuss erwirtschaften, stocken unterdessen ihre Vorräte an Goldbullion auf und meiden die US-Anleihen, denen sie früher den Vorzug gaben. Russland hat im Zuge des Ukraine-Konflikts ebenfalls begonnen Treasuries abzustoßen und vergrößert stattdessen seine Goldbestände. Auf diese Weise stärkt das Land den Rubel mit echten Vermögenswerten.

Auch China baut seine offiziellen Goldreserven unter ähnlichen Umständen weiter aus. In diesem Zusammenhang lässt sich eine weitere Veränderung feststellen: In den ersten sieben Monaten des Jahres 2016 hat China rund 30,5 Mio. Tonnen Rohöl aus Saudi-Arabien importiert, 0,4% weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig beliefen sich die aus Russland stammenden Öllieferungen jedoch auf insgesamt 29,5 Mio. Tonnen, was einer Steigerung von 27% gegenüber 2015 entspricht. China deckt seinen Energiebedarf zunehmend mit Hilfe der russischen Rohstoffe, während beide Staaten ihre Goldreserven erhöht haben.

So wie China seine Bedeutung für dem Goldmarkt mit der Eröffnung der Shanghai Gold Exchange zementiert hat, leitet das Land nun ähnliche Schritte man Ölmarkt ein. Im letzten Oktober hat China die USA überholt und ist nun weltweit der größte Rohölimporteur. Im Reich der Mitte arbeitet man nun an der Einführung eines auf Renminbi basierenden Ölkontrakts, der mit den üblicherweise gehandelten West-Texas- und Brent-Kontrakten und sogar mit dem in Sankt Petersburg gehandelten russischen Kontrakt konkurrieren würde. Dieses Vorhaben verzögert sich noch, doch das Ergebnis ist abzusehen.

Grant Williams mutmaßt, dass der starke Rückgang der Ölpreise in den letzten beiden Jahren darauf hindeutet, dass der Ölmarkt im Begriff ist, die Rohölpreise basierend auf Gold zu bilden. Die Verfügbarkeit des gelben Metalls in Shanghai hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Das Pendel ist 40 Jahre lang extrem stark in eine Richtung ausgeschlagen und steht nun kurz davor, in die andere Richtung zu schwingen.

Betrachten Sie die drei wichtigen Anlageklassen Gold, Öl und US-Staatsanleihen. Mit einer Jahresproduktion im Wert von 170 Milliarden Dollar ist Gold mit Abstand das Metall mit dem größten Marktwert. Diese Zahl wird allerdings vom Ölmarkt in den Schatten gestellt, der, basierend auf der jährlichen Fördermenge, mit 1.720 Milliarden Dollar noch zehnmal größer ist. Die US-Regierung produziert in Absprache mit der Federal Reserve ganze 1.200 Milliarden Dollar im Jahr, plus weitere 400 Milliarden Dollar für heimliche Rückkäufe. Die Papierassets sind im Überfluss vorhanden - man könnte sogar von einer globalen Schwemme sprechen. So ist das Schwarze Loch der US-Anleihen beschaffen. Die Schlussfolgerung ist simpel: Der Goldmarkt ist unterbewertet, der Goldpreis viel zu niedrig.


Der neue Müll-Dollar und der Goldstandard im Handel

Es ist davon auszugehen, dass die östlichen Staaten, die den Großteil der globalen Fertigungsindustrie beherbergen, kurzfristige US-Staatsanleihen eines Tages nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren werden. Die US-Regierung kann ihre eklatanten Verstöße und Betrügereien nicht dauerhaft an verschiedenen Fronten fortsetzen. Dieses Verhalten führte dazu, dass die BRICS-Staaten und ihre Verbündeten die Entwicklung diverser nicht Dollar-basierter Plattformen mit dem Ziel vorantreiben, die amerikanische Währung zu verdrängen. Gleichzeitig werden erste Schritte zur Rückkehr zu einem Goldstandard unternommen.

Man wird einen neuen Müll-Dollar herausgeben, um die Fortsetzung der Importe in den Wirtschaftsraum der USA sicherzustellen. Dieser neue Dollar wird gleich bei Einführung um 30% abgewertet und im Laufe der Zeit werden weitere solcher Abwertungen folgen. Der neue Dollar wird der Prüfung durch die östlichen und alle anderen Staaten nicht standhalten und die US-Regierung wird sich gezwungen sehen, auf die Ablehnung ihrer Treasuries zu reagieren.

Die USA und ihr neuer Müll-Dollar müssen sich anpassen, um die Importe nicht zu gefährden und die zahlreichen kommenden Pattsituationen zu überwinden. Die Vereinigten Staaten befinden sich dann auf dem abschüssigen Weg hin zu einem Dritte-Welt-Land - eine Entwicklung, die der Autor bereits seit dem Fall von Lehman Brothers (oder eher seit der Ermordung durch JP Morgan und Goldman Sachs) vorhergesagt hat.

Die einzige Alternative für die US-Regierung stellt augenscheinlich das Leihen einer enormen Menge an physischem Gold (z. B. 10.000 Tonnen) von China dar, mit dessen Hilfe eine ordentliche, goldgedeckte Währung eingeführt werden könnte. Dies würde zwar den Weg für eine neue Welle der kommerziellen Kolonisierung bereiten, hätte aber auch die Rückkehr des Kapitalismus in die Vereinigten Staaten zur Folge. Der Preis dafür wären Angebotsengpässe innerhalb der US-Wirtschaft, aufgrund der enorm gesteigerten Exporte nach China.

Selbst wenn es der US-Regierung gelingen sollte, eine große Goldreserve sicherzustellen, beispielsweise durch die Wiederbeschaffung der gestohlenen Goldbestände von Fort Knox, wären die Vereinigten Staaten aufgrund der jährlichen Handelsdefizite in Höhe von 550 Milliarden Dollar verwundbar. Zum Begleichen dieses Defizits wären schon im ersten Jahr alle 10.000 Tonnen nötig, denn bei einem Goldpreis von 1.300 $/Unze hätte eine solche Reserve einen Wert von 420 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten sitzen in der Falle: Sie sind wirtschaftlich betrachtet insolvent, verfügen nicht über eine adäquate Industrie und haben ein gigantisches Außenhandelsdefizit.

Sollte es nicht gelingen, eine vertrauenswürdige, goldgedeckte Währung sowie eine angemessene Industrie zu schaffen, würde das bedeuten, dass die USA einer wirklich großen, hässlichen Währungskrise entgegensehen. Eine neue Währung müsste aufgrund des enormen Handelsdefizits selbst dann wiederholt abgewertet werden, wenn sie mit Gold gedeckt wäre.

Das Ergebnis dessen wäre ein enormer Anstieg der Inflation bzw. die Umkehr der jahrzehntelang exportierten Inflation. Die gesamte US-Wirtschaft würde dadurch in eine Abwärtsspirale aus steigenden Preisen, Engpässen und sozialen Unruhen geraten. Grund für den Preisanstieg wäre allerdings hauptsächlich die Währungskrise, nicht so sehr die monetäre Hyperinflation. Diese Geldschwemme in Billionenhöhe wurde erfolgreich umgelenkt.

Während dieser kommenden Krise wird der Goldpreis entsprechend des wahren Wertes des Edelmetalls auf 5.000 bis 10.000 Dollar steigen. Im Laufe der Zeit wird sich der Preis auf der Suche nach einem Gleichgewicht noch weiter erhöhen, denn innerhalb der neuen Weltordnung wird Gold sowohl im Handel als auch im Bankenwesen und an den Währungsmärkten als Vermittler dienen.


© Jim Willie CB
www.goldenjackass.com


Der Artikel wurde am 16.02.17 auf www.gold-eagle.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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