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David Morgan: Die Wende am Silbermarkt und das entscheidende Preisniveau

13.03.2017  |  Mike Gleason
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Nach allem, was ich gelernt habe, glaube ich nicht, dass die aktuelle Situation eine Bullenfalle darstellt. Wir befinden uns in einem Bullenmarkt und wenn ich das sage, setze ich damit praktisch meinen Ruf aufs Spiel. Die Meinung der Analysten, die ein neues Tief vorhersagen, kann ich aus verschiedenen Gründen nicht teilen. Zum einem hat der Silberkurs die Führung übernommen und entwickelt sich besser als Gold - ein bullisches Zeichen. Zum anderen waren die Handelsvolumen im letzten Jahr gigantisch. Nicht 2017, aber im ganzen Jahr 2016.

Ein weiterer Punkt ist die Performance im Vergleich zum Vorjahr. Die beste Aktiengruppe waren 2016 im Jahresvergleich die Minenaktien. Zwischen 1. Januar 2016 und 31. Dezember 2016 war der Edelmetallbergbau der Aktiensektor mit der besten Entwicklung, obwohl es fast schon eine Rundreise war. Bis zum Sommer kletterten die Kurse immer weiter nach oben und als sich das Top bildete, habe ich den Teil des Portfolios verkauft, den ich zum Trading verwende. Danach ging es bis zum Jahresende tiefer und tiefer bergab. Aber trotz dieser Verluste verzeichnete der Minensektor die beste Performance.

Ich denke also wirklich nicht, das es an den Edelmetallmärkten künftig abwärts geht. Falls die bearishen Analysten recht behalten sollten, können sie meinen Artikel auf Twitter posten, das macht mir nichts aus. Letztlich geht es bei diesen Prognosen immer um Wahrscheinlichkeiten. Ein ganzes Jahr vorherzusehen ist ziemlich schwierig. Ich habe für Silber eine lineare Regressionsanalyse mit der Methode der kleinsten Quadrate durchgeführt. Das ist einfach nur mathematische Methode zur Erstellung einer Kurve, die man im ersten Studienjahr in höherer Mathematik lernt. Das Ergebnis war eine Obergrenze von 22 $ und eine Untergrenze von 16 $. Ich sagte mir, "ich bin bullisch, ich nehme das Hoch. 22 $ als Kursziel für Silber in diesem Jahr."

Das fasst meine Prognose in etwa zusammen. Wenn ich falsch liege, werde ich es mit Fassung tragen, aber ich wäre sehr erstaunt. Wenn wir einen solchen Preisanstieg bei hohem Handelsvolumen gesehen hätten, und wenn die Druckenmillers und die großen Hedgefonds viel Geld in Gold investiert hätten, würde ich erst einmal innehalten und abwarten. Aber so ist es nicht. Letztes Jahr hat das Big Money im großen Stil in den Edelmetallsektor investiert und die Preise sind gestiegen.


Mike Gleason: Lassen Sie uns noch ein wenig über die wichtigsten Katalysatoren sprechen. Worauf achten Sie in Hinblick auf geopolitische Ereignisse und welche Entwicklungen an den globalen Finanzmärkten könnten Sie dazu bringen, Ihre Prognose für 2017 und darüber hinaus zu revidieren und noch bullischer zu werden? Welche Katalysatoren hätten Ihrer Meinung nach das Potential, die Kurse deutlich steigen zu lassen?

David Morgan: Wir haben hier in den Vereinigten Staaten, aber auch auf globaler Ebene, zahlreiche Probleme. Die meisten davon sind auf die eine oder andere Weise mit dem Bankensystem und dem schuldenbasierten Währungssystem verknüpft. Das sind die Probleme, die angegangen werden müssen, denn wir können dieses Schlamassel nicht mit Hilfe von mehr Wachstum überwinden. Der Versuch, ein höheres Wachstum zu erzielen, mag einige Leute begeistern und führt vielleicht sogar zu mehr Beschäftigung und einer Verbesserung der Infrastruktur. Ich bin nicht gegen diese Maßnahmen, aber sie stellen keinen echten Gewinn, keine echte Verbesserung für die Menschheit dar, solange man nicht versucht, den Kern des Problems zu lösen. Alles andere ist nur Schönfärberei.

So ist die Lage im Moment. Ich rechne auf jeden Fall mit mehr internationalen Spannungen, z. B. zwischen China und den USA oder Mexiko und den USA. Wenn wir wieder etwas Ähnliches wie das Smoot-Hawley-Zollgesetz beschließen, d. h. wenn wir einen protektionistischen Kurs einschlagen und diese Attitüde "ich zuerst, du an zweiter Stelle" an den Tag legen, wird das die Beziehungen zu anderen Ländern beeinträchtigen. Und das wird sich auch auf die Wirtschaft auswirken.

Wir haben bereits einen gewissen Rückgang in der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit beobachtet, deswegen bin ich ein bisschen besorgt darüber, wie das alles enden wird. Mehr al nur ein bisschen, um ehrlich zu sein. Das aktuelle System wird auf die eine oder andere Weise aus den Fugen geraten. Das ist unvermeidlich, eine mathematische Gewissheit. Natürlich wäre es wünschenswert, dass sich der Zusammenbruch so abspielt, dass man noch vor der Flut davonlaufen kann. Wenn der Pegel eines Flusses langsam steigt, nehmen Sie Ihre Kinder und Ihre Frau, packen das Notwendigste ins Auto und fahren davon. Aber wenn es sich um eine Sturzflut handeln, schauen Sie aus dem Fenster und plötzlich steht der Fluss einen halben Meter hoch in Ihrem Haus und Sie können nichts mehr tun.

Das ist eine Metapher für das, was in meinen Augen potentiell passieren könnte. Die Lage ist alles andere als gut, denn eine solche Entwicklung könnte zu Überreaktionen führen, d. h. wir könnten eine Zuspitzung der Währungskriege erleben. Wenn die Sturzflut erst einmal da ist, wird es sehr schwierig, denn es gibt keine Möglichkeit, sie wieder loszuwerden. Das mag eine abgedroschene Metapher sein, aber ich meine es ernst. Ich möchte, dass die Leute sich wirklich Gedanken darüber machen, denn ich fürchte, dass wir uns zu schnell durch eine ständig im Wandel begriffene Welt bewegen. Das könnte unangenehme Folgen haben und am Ende blicken wir vielleicht zurück und sagen, "Um Himmels willen! Hätten wir nur erst einmal abgewartet und uns das genauer überlegt." Ergibt das Sinn?


Mike Gleason: Ja, sicher. Ich teile Ihre Befürchtungen dahingehend. Wir befinden uns in einer sehr unsicheren Situation und wer weiß, was die Lage zum Kippen bringen könnte.

Am Edelmetallmarkt hat sich seit der Wahl von Donald Trump einiges geändert. Viele unserer Kunden blicken nun optimistischer in die Zukunft als unter der Obama-Regierung, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Edelmetalle schlecht entwickeln werden - vor allem angesichts der steigenden Verschuldung, der zunehmenden internationalen Spannungen und der Tatsache, dass die Trump-Regierung einen schwächeren Dollar will. Für wie notwendig halten Sie den Besitz von physischen Edelmetallen angesichts der politischen Veränderungen?


David Morgan: Das ist eine interessante Frage, die objektiv betrachtet werden sollte. Ich bemühe mich immer um Objektivität, aber ich bin einfach zu stark in die Edelmetallmärkte involviert, um wirklich unvoreingenommen zu sein. Es gibt allerdings Leute, die diese objektive Sicht haben, das Consultingunternehmen Evan and Associates beispielsweise, das vor zwei Jahren eine Untersuchung zur Ausbalancierung eines Portfolios durchgeführt hat. Es gibt zu diesem Thema auch eine Harvard-Studie und eine Studie der CPM Group.

Alle drei Untersuchungen kommen zu dem gleichen Schluss: Unabhängig von der Wirtschaftslage und von den Entwicklungen an den Anleihe- oder Aktienmärkten verbessern Edelmetalle die durchschnittliche Performance eines Portfolios. Selbst wenn Sie super-bullisch in Bezug auf die allgemeinen Märkte sind, wenn alles großartig ist und es keine Probleme in der Welt gibt, sollten Sie also Edelmetallanlagen besitzen! Wenn Sie zum anderen Extrem tendieren und denken, dass uns nur noch eine Woche bleibt, bevor alles zusammenbricht, sollten Sie ebenfalls Edelmetalle besitzen.


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