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Hat sich das Blatt am Silbermarkt gewendet?

09.03.2017  |  Theodore Butler
Eine zur rechten Zeit gestellte Frage eines langjährigen Abonnenten hat dazu geführt, dass sich eine Idee herauskristallisierte, die bislang nur in der fernen Peripherie meiner bewussten Gedanken umhergeisterte. Das Tolle an dieser Idee ist, dass sie alle Daten mit einbezieht, die ich bis zum heutigen Tag präsentiert habe. Doch seien Sie gewarnt - obwohl alle wichtigen Fakten miteinander verknüpft zu sein scheinen, muss die Prämisse zum jetzigen Zeitpunkt noch als spekulativ gelten. Sollte sie sich jedoch als zutreffend erweisen, könnte das für Silber (und Gold) eine echte Wende bedeuten.

Alejandro fragte, ob die Managed-Money-Fonds, die sich im letzten Herbst weigerten, ihre Short-Positionen am Silbermarkt zu erhöhen, auf irgendeine Weise zusammengearbeitet haben müssen, um zu dieser Entscheidung zu gelangen. Sie erinnern sich vielleicht, dass die technischen Fonds damals zum ersten Mal seit Jahren ihre Silber-Shorts an der New Yorker Terminbörse COMEX nicht weiter erhöhten, obwohl sie das in der Vergangenheit bei vergleichbaren Preisrückgängen immer getan hatten.

Ich hatte die Meinung vertreten, dass eine gewisse Kooperation wahrscheinlich war. Schließlich repräsentiert das Managed Money einen Teil der Investmentbranche, in dem Anlagekapital in Höhe von hunderten Milliarden Dollar verwaltet wird und es gibt eine Reihe von Verbänden, in denen gemeinsame Anliegen zur Sprache gebracht werden.

Alejandro formulierte seine Frage so, dass mir klar wurde, dass die Fonds auf die eine oder andere Weise kooperiert haben müssen. Eine Zusammenarbeit war nicht nur wahrscheinlich, sondern notwendig, um die plötzliche Verhaltensänderung der Fonds zu erklären. In diesem Moment ging mir ein Licht auf - die Versäumnis, vor einigen Monaten die Short-Positionen am Silbermarkt zu erhöhen, konnte nur die Folge gemeinsamer Erwägungen und Entscheidungen einer Reihe von Managed-Money-Fonds sein. Lassen Sie mich einige Hintergrundinformationen erklären und dann die Beobachtung, dass die Trader einiger Fonds sich vor ein paar Monaten kollektiv gegen Leerverkäufe von Silber entschieden, im Detail erörtern.

Vor mehr als 30 Jahren entdeckte ich die Manipulationen am Silbermarkt, die bis zum heutigen Tag anhalten. Seitdem war ich immer fest davon überzeugt, dass sie das Ergebnis des Börsenhandels verschiedener großer Marktteilnehmer an der COMEX sind - nicht die Folge eines von der Regierung unterstützten Plans, das Preisniveau von Gold und Silber niedrig zu halten. Ich kann nicht beweisen, dass die Regierungen nicht auf die ein oder andere Weise in die Manipulationen verstrickt sind.

Die US-Aufsichtsbehörde CFTC wurde beispielsweise dazu gedrängt, die Vorgänge am Silbermarkt zu untersuchen, ignorierte dann jedoch eindeutige Beweise. Allerdings habe ich nie geglaubt, dass die Regierung die Manipulationen von Anfang an eingefädelt hat. Die gute Nachricht ist (zumindest für mich), dass unser heutiges Thema mit der Annahme vereinbar ist, dass es sich bei den Manipulationen am Silbermarkt (hauptsächlich) um eine Operation ohne Regierungsbeteiligung handelt.

Die Manipulationen am Silbermarkt werden von den Großbanken durchgeführt, wobei JP Morgan seit 2008 der größte Gauner unter den Banken ist. Demgegenüber steht das Managed Money, d. h. die Hedgefonds usw., die die Opfer der Bankenmachenschaften sind und diese im Grunde genommen überhaupt erst ermöglichen. Das beste Beispiel, das mir dazu einfällt, sind die Basketballspiele zwischen den Harlem Globetrotters und den Washington Generals. So wie die Generals bei diesen ungleichen Wettkämpfen nur Kanonenfutter waren, um das Können der Globetrotters zu präsentieren, waren bislang auch die Hedgefonds nichts anderes für die betrügerischen Großbanken an der COMEX.

Dreh- und Angelpunkt der fortwährenden Intrigen war das fast sklavische Festhalten der technischen Fonds an mechanischen Kurssignalen. Das Managed Money kaufte immer dann, wenn die Kurse stiegen, während es bei fallenden Kursen Leerverkäufe tätigte. Besondere Beachtung wurde dabei dem Durchbrechen von gleitenden Durchschnitten geschenkt.

Diese Vorgehensweise war so mechanisch und starr, dass sich relativ leicht vorhersagen ließ, wie die Fonds bei Preisänderungen reagieren würden. Das lässt sich auch an der zunehmenden und mittlerweile weitverbreiteten Aufmerksamkeit ablesen, die den Commitments of Traders (COT) Reports und den daran ablesbaren Marktentwicklungen zukommt. Das Verhalten der technischen Fonds führte dazu, dass ich sie in der Vergangenheit bereits mehrfach als "hirntot" bezeichnete. Die Trader sind nicht unbedingt dumm, aber unglaublich unflexibel. Die Hartnäckigkeit, mir der sie an ihren Trading-Methoden festhalten, widerspricht jeder Vernunft.

Andererseits habe ich die Hedgefonds im Allgemeinen aber auch nie für sonderlich intelligent gehalten, denn schließlich waren sie immer die Einfaltspinsel, die sich über den Tisch ziehen ließen und den Preismanipulationen der Banken an der COMEX zum Opfer fielen. Zumindest war das bis jetzt so. Die gemeinsame Entscheidung, die Short-Positionen am Silbermarkt nicht aufzustocken, könnte darauf hindeuten, dass sich das Blatt gewendet hat. In diesem Fall hätte sich das Spiel selbst geändert.

Da offenbar eine aktive Zusammenarbeit und Abstimmung unter den Tradern des Managed Money stattfand, die dazu führte, dass sie (mit Ausnahme eines Traders) beim letzten starken Kursrückgang die Silber-Futures an der COMEX nicht aggressiv leerverkauften, muss es einen guten Grund dafür gegeben haben. Das war wohl zwangsläufig der Vorsatz, nicht in die Falle der Commercials zu tappen und die Verluste zu vermeiden, die neue Short-Positionen in Silber nach sich ziehen würden, wenn die Kurse wieder steigen - was anschließend auch geschehen ist.


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