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Gold und Silber: Spannung pur

26.03.2017  |  Manfred Gburek
Bis zum vergangenen Donnerstag war ein interessantes Phänomen zu beobachten: die relative Schwäche der Kurse von Gold- und Silberaktien im Verhältnis zu den Preisen der beiden Edelmetalle. So etwas kommt nicht allzu oft vor, denn während der aus Anlegersicht entscheidenden Phasen - wie zuletzt besonders markant im ersten Halbjahr 2016 - steigen die Kurse der Gold- und Silberaktien stärker als die Metallpreise.

Eine besonders plausible Erklärung für das Phänomen besteht darin, dass Gold- und Silberaktien wie alle anderen Aktien nicht nur aufgrund spezifischer Kriterien der Minenindustrie bewertet werden - wie Lebensdauer der Minen oder Gesamtkosten je Unze -, sondern auch nach allseits gängigen fundamentalen Kennzahlen, wie Dividendenrendite, Kurs-Gewinn-Verhältnis, freier Cashflow u.a. Und danach zu urteilen, erscheint die relative Schwäche berechtigt. Denn die Edelmetallindustrie steht vor einem teuren Investitionsschub, und der kostet erst mal sehr viel Geld, bevor er sich auszahlt.

Ihre Bosse müssen sich im Zuge immer geringer werdender Edelmetallgehalte der Minen entscheiden: Sie haben die Wahl zwischen eigener Exploration, die einen hohen Kapitaleinsatz erfordert, der Übernahme von Konkurrenten, unter denen die meisten nach gängigen Bewertungskriterien nicht gerade billig zu haben sind, und der sukzessiven Aufgabe ihrer operativen Tätigkeit als ultima ratio, wovon allerdings nur solche Minenunternehmen Gebrauch machen dürften, die unter Kapitalmangel, zu hohen Kosten und wenig ergiebigen Lagerstätten leiden.

Dieses Jahr verspricht für den Edelmetallsektor Spannung pur wie selten zuvor. Das liegt nicht allein an dem eingangs beschriebenen Phänomen, sondern auch am Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren, und lässt sich so begründen: Die Minenindustrie muss ihre Investitionen - sei es durch Erschließung neuer Lagerstätten, sei es durch den Kauf von Konkurrenten - hochfahren, will sie nicht zum Auslaufmodell werden. Voraussetzung dafür ist ein Preisanstieg von Gold und Silber, wobei Gold zunächst in der Vorreiterrolle sein dürfte.

Das Hochfahren ergibt indes nur dann einen Sinn, wenn der Preisanstieg von längerer Dauer zu werden verspricht, und diesbezüglich leidet die Minenindustrie unter einem altbekannten Handicap: Im Gegensatz zu anderen Branchen bestimmt sie den Preis ihrer Ware nicht unmittelbar selbst, sondern bestenfalls mittelbar und zeitversetzt. Sie ist "price taker", wie es im Minenjargon heißt. Preisbestimmend ist demgegenüber, sieht man von der Schmuckindustrie auf der Käuferseite ab, eine bunte Mischung aus Zentralbanken diverser Staaten, Hedgefonds, Großinvestoren, Hortern und Börsenspielern aller Art.

Daraus folgt: Die Bosse der Minenindustrie sind zur Spekulation gezwungen. Das bedeutet aktuell: Sie müssen entscheiden, ob sie Investitionen bereits jetzt in Angriff nehmen sollen, obwohl der Goldpreis noch nicht entscheidend nach oben ausgebrochen ist, oder ob sie lieber so lange warten, bis der Goldpreis hoch genug ist, um größere Investitionen zu rechtfertigen. Entscheiden sie sich für die erste Alternative, spekulieren sie auf einen baldigen Preisausbruch. Wählen sie die zweite Alternative, spekulieren sie darauf, dass der Preis sich eher verhalten weiterentwickelt.

Man kann getrost davon ausgehen, dass zumindest die führenden Edelmetallkonzerne, deren Aktien in den Indizes XAU und HUI enthalten sind, ihre Investitionen nicht auf blauen Dunst hin steuern, sondern aufgrund von zuverlässigen Informationen. Und da wird es noch einmal spannend. Denn ihre Investitionspläne, die sie in den kommenden Wochen und Monaten zu veröffentlichen gedenken, werden ihre Preiserwartungen widerspiegeln. Sind diese hochgesteckt, kann man mit Sicherheit von einem baldigen größeren Aufwärtsschub für die Preise von Gold und Silber ausgehen. Fallen sie dagegen mau aus, ist mit einer eher langweiligen Preisentwicklung zu rechnen.

Folglich wird es sich lohnen, die Investitionspläne unter die Lupe zu nehmen, sinnvollerweise durch Klicks im Internet auf die jeweiligen Seiten der XAU- und HUI-Konzerne. Dabei sollte das übliche Englisch kein Hindernis sein, weil die Konzerne sich überwiegend um eine klare Sprache bemühen.

Einen Aspekt gilt es in diesem Zusammenhang noch besonders hervorzuheben: Während der vergangenen vier bis fünf Jahre waren die Minenkonzerne vor allem damit beschäftigt, ihre Bilanzen auf Vordermann zu bringen. Für größere Investitionen fehlte ihnen da das nötige Kapital. Das ändert sich allmählich. Spannend wird sein, wie lange neu in Angriff genommene Projekte benötigen, um schließlich in größerem Umfang Gold zu fördern. Denn bis dahin kann es zu einer Angebotslücke kommen, die den Goldpreis zusätzlich nach oben treiben dürfte.

Wie steht es um mögliche Störmanöver vonseiten der Kreise, die einen stärkeren Preisanstieg zu verhindern suchen, damit Misstrauen in das Währungssystem erst gar nicht hochkocht? Also westliche Staaten unter Führung der USA sowie ihre Zentral- und Geschäftsbanken als Helfershelfer. Nun, sie werden allerlei Tricks anwenden, aber keinen nachhaltigen Preiseinbruch auslösen können, dafür sind die Gegenkräfte einfach zu dominant.

Wenn man bedenkt, dass die Goldreserven Chinas und Russlands seit einem Jahrzehnt so gut wie permanent steigen, während amerikanische Staatsanleihen von den Zentralbanken beider Länder schon seit einigen Jahren verkauft werden, lässt sich ermessen, dass es um die Zukunft des Goldes als Währungsreserve gar nicht so schlecht bestellt sein kann - zumal den größten Goldschatz der Welt die USA besitzen und ganz bestimmt nicht hergeben.

So interessant diese Überlegungen auch sind, entscheidend wird in nächster Zeit sein, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln. Und da kommt es ganz wesentlich darauf an, wann und in welchem Umfang es die Minenkonzerne schaffen, ihre Investitionspläne umzusetzen und wieder mehr Gold aus dem Boden zu holen. Das wird dauern und bedeutet: Es kann allein schon aufgrund dessen zu einem Angebotsengpass kommen. Von dem werden vor allem die Goldbesitzer profitieren, die Silberbesitzer nicht minder.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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